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Münster, 19.7.2019
Lettische Kunstausstellungen im Mai 2019 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 02. Mai 2019 um 14:49 Uhr

Als Tennis die Damen emanzipierte

Marija GrapmaneAleksandra Belcova (1892-1981) war russischer Herkunft. Ihre künstlerischen Erfolge erzielte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Romans Suta in Lettland, wo beide seit 1919 lebten. Ihr emanzipiertes Leben bildete sich in ihrer künstlerischen Arbeit ab. Eine abgebildete Tennisspielerin gehört zu ihren bekanntesten Werken. Frauen, die im Tennis Erfolg hatten, waren gefeierte Sportlerinnen und sie wurden zu Repräsentantinnen der Frauenemanzipation. Emils Melderis (1889-1979) war ein maßgeblicher Bildhauer und ebenso ein leidenschaftlicher Lehrer. Das Lettische Nationalmuseum der Kunst erinnert anlässlich seines 130. Geburtstags an sein Leben und Werk. Und nun ist, wie wenige Wochen zuvor in Riga, auch in Daugavpils Boris Luries provozierende No!art zu sehen. Hier die Zusammenfassung von PR-Texten lettischer Museen für den Monat Mai.

 

Lettische Sportlerin Marija Grapmane um 1929, Foto: Lettisches Sportmuseum/ LNMM

Riga: Die Geschichte eines Gemädes: Die Tennisspielerin

Romana-Suta-und-Aleksandra-Belcova-Museum, Elizabetes iela 57a, Wohnung 26, Riga, bis 17.8.2019

„Die Tennisspielerin“ ist eine beachtliche Arbeit der Künstlerin Aleksandra Belcova, die sich in der Dauerausstellung des Nationalmuseums befindet. Die Ausstellung im Romana-Suta-und-Aleksandra-Belcova-Museum zeigt die biographischen und historischen Zusammenhänge des Bild-Motivs. Kuratorin Nataļja Jevsejeva: “Tennis war zu Beginn des 20. Jahrhunderts und besonders in den 20er Jahren elitär, dennoch eine sehr verbreitete Sportart, in welcher sich mehrere Frauen mit glänzenden Erfolgen hervortaten und damit Ruhm und Popularität erwarben. Die Tennisspielerinnen zeigten sich in den Kunstwerken jener Zeit sowohl als Sportlerinnen als auch als Damen, welche lediglich in Tenniskleidung oder mit entsprechendem Zubehör posierten, denn zu diesem Aussehen assoziierte man die junge moderne Frau. Der Hang zum Tennis, vergleichbar mit dem politischen und kulturellen Geschehen, war mit dem Ersten Weltkrieg verbunden und den Veränderungen, die er für die Gesellschaft mit sich brachte: Frauen erhielten mehr Rechte und die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen mitzuarbeiten, auch im Profi-Sport.“ Jevsejeva nennt einige Frauen, die damals als Malerinnen populär wurden: Tamara de Lempicka (1898–1980), Natalija Goncarova (1881–1962), Marie Laurencin (1883–1956), Sonia Delaunay (1885–1979), Olga Rozanova (1886–1918) und Lubova Popova (1889–1924). Künstlerinnen als Stars waren bis dato eine Rarität gewesen. Jevsejeva bezeichnet das Bild „Die Tennisspielerin“ als „Ikone eigener Art“: Eine Künstlerin porträtiert eine Sportlerin, noch ungewöhnlich in jener Zeit. Allerdings rätselt man, welche Frau für Belcova Modell stand: Etwa die Tennislegende Suzanne Lenglen (1899-1938) aus Frankreich? Oder Belcovas Freundin Biruta Ozolina (1905-1982), die auch für Belcovas Bild „In Weiß und Schwarz“ Modell gestanden hatte? Die Ausstellung bietet mehrere Erklärungsversuche, um die Identität des Modells aufzudecken und darüber hinaus einen umfassenden Einblick in Belcovas künstlerisches Schaffen, insbesondere unter feministischen Aspekten. Der Besucher kann zudem Fotos, Postkarten und historische Tenniskleidung betrachten.

Tennisspielerinnen der 20er Jahre

Tennisspielerinnen der 20er Jahre, Foto: Lettisches Sportmuseum/ LNMM

Riga: Zum 130. Geburtstag des Bildhauers Emils Melderis

Lettisches Nationales Kunstmuseum, Ausstellungssaal in der 4. Etage, Jana Rozentala laukums 1, Riga, bis 2. Juni 2019

Emils Melderis wurde am 27. Mai 1889 in der Nähe der nordlettischen Stadt Valmiera geboren. Er besuchte als Schüler Zeichen- und Malkurse und bis zum Ersten Weltkrieg die Stiglitz`Zentrale Technische Zeichenschule in Petersburg. Nach seiner Rekrutierung kehrte er in seine Heimat zurück, arbeitete als Kunstpädagoge an den Volkshochschulen in Valmiera und Riga, wo er Bildhauerkurse leitete. Schließlich setzte er seine pädagogische Tätigkeit an der Lettischen Kunstakademie fort, wo er ab 1947 als Professor arbeitete, sowohl Malerei als auch Bildhauerei lehrend. Melderis hielt sich in den zwanziger Jahren zu Studienzwecken mehrmals in Paris auf, um sich mit westlichen Kunstentwicklungen vertraut zu machen. Er beteiligte sich an Ausstellungen, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und prägte mit seiner Formgestaltung die lettische Bildhauerei. Kuratorin Gundega Cebere bezeichnet ihn als eine Leitfigur professioneller lettischer Kunst. Melderis meinte zu seinen Prinzipien: „Die Bildhauerei muss man in zwei Motive unterteilen, in ein literarisches und ein plastisches. Es ist leichter, ein literarisches Motiv für die ideelle Seite der Figur zu suchen. Für die Gestaltung des Genres kann man das in der Natur betrachten, auch für ein solides Porträt ist ein literarisches Motiv oder der Abschnitt einer Biographie die Grundlage. Schwerer ist es mit den plastischen Motiven. Wenn man in der Natur nicht nur das literarische, sondern auch das plastische Motiv sähe, würden die die Dinge sehr deutlich. Auch wenn es normal ist, die Natur zu studieren, kann es nicht gelingen, denn das Material in der Natur ist ziellos. In ihr das plastische Motiv zu finden – das ist die große Fähigkeit.“ Melderis beschrieb sich zudem als ein leidenschaftlicher Lehrer: „Ich habe es vermocht, jeden morgen um fünf Uhr aufzustehen und in den frühen Morgenstunden im Atelier zu arbeiten. Dann ging ich in die Akademie, wo meine Tage vergingen, der größte Teil meines Lebens. Ob die Arbeit des Pädagogen Befriedigung verschafft? Unbezweifelbar, denn ich war im mit jungen Menschen zusammen, hörte ihren Gedanken zu und das half mir, mit der Zeit Schritt zu halten.“ Die Ausstellung zeigt das vielfältige Schaffen des Künstlers aus unterschiedlichen Perioden, auch bislang nicht ausgestellte Arbeiten, dazu Buchillustrationen, Zeichnungen und persönliche Gegenstände.

Pavils Roziss

Emils Melderis: Porträt von Pavils Roziss von 1921, Foto: LNMM

Daugavpils: Boris Lurie: Künstler und Augenzeuge

Mark-Rothko-Zentrum, Daugavpils, bis 23.6.2019

Boris Lurie (1924-2008) wurde in Leningrad geboren. Er wuchs in Riga auf und besuchte das Deutsche Gymnasium. Als Jude überlebte er mit seinem Vater das Rigaer Getto und zwei Konzentrationslager. Seine Schwester, Mutter und Großmutter wurden ermordet. Nach Kriegsende emigrierte er nach New York, wurde dort Mitbegründer der No!art-Bewegung, die mit künstlerischen Mitteln Rassismus, Imperialismus, Sexismus, Kolonialismus und Verderbtheit durch Provokation bekämpfte. Lurie verband z.B. Holocaust-Szenen mit Bildmotiven aus Erotik-Magazinen (LP: hier). Zudem wandte sich die No!art-Kunst gegen us-imperialistische Untaten und den grassierenden Konsumismus der westlichen Welt.

 

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