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Münster, 15.11.2019
Lettischer Spielfilm „Tevs nakts“ (Vater der Nacht) in Haifa ausgezeichnet PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 24. Oktober 2019 um 00:00 Uhr

Bedeutsam für die israelisch-lettischen Beziehungen

Briefmarke mit Lipke-PaarElita Gavele, die lettische Botschafterin in Israel, nahm am 15. Oktober 2019 in Haifa einen ganz besonderen Preis einer prominenten Filmjury entgegen (mfa.gov.lv). Die Experten unter Leitung des polnischen Regisseurs Krzysztof Zanussi hatten sich entschieden, in der Kategorie „Zwischen israelischer und jüdischer Identität“ auf dem 35. internationalen Filmfestival der nordisraelischen Stadt einen lettischen Film auszuzeichnen, der eine besonders schmerzliche Periode für beide Länder zum Inhalt hat: Die Zeit des Holocaust (LP: hier). Gavele betrachtet den Preis als Anerkennung für alle, die während dieser Zeit Menschen vor ihren nazistischen Verfolgern retteten. Der Film des Regisseurs Davis Simanis zeigt, wie der Rigaer Hafenarbeiter Janis Lipke mit seiner Frau Johanna (gespielt von Ilze Blauberga) unter Lebensgefahr Verstecke für von den Nazis verfolgten Juden schafft und sich dabei bis zur Erschöpfung aufreibt. Im überfüllten Kinosaal wollten über 200 Menschen den Film sehen, der für die Beziehung zwischen Lettland und Israel bedeutsam ist.

Briefmarke der lettischen Post erinnert an das Paar Johanna und Zanis Lipke, Foto: Latvijas Pasts (Latvian Post) - wnsstamps.ch/en, Neaizsargāts darbs, Saite

Zu den geladenen Gästen gehörten neben dem Hauptdarsteller Arturs Skrastins, Diplomaten, Leuten aus der Filmszene sowie den Vertretern jüdischer Vereinigungen Estlands und Lettlands auch 68 Angehörige jener Verfolgten, die Lipke und seine Familie einst gerettet hatten.

Die anwesende Filmkritikerin Daira Abolina berichtete im Lettischen Radio, dass der Film bei den Zuschauern außerordentlich starke emotionale Reaktionen hervorgerufen habe. Es sei bedeutsam, dass Simanis` Werk, das eine schmerzliche Periode Lettlands widerspiegele, in dem Land akzeptiert werde, wo die meisten Nachfahren der von Lipke Geretteten oder ihre Nachkommen lebten.

Ähnlich schätzt es Lolita Tomsone ein, die Leiterin des Lipke-Gedenkmuseums ist: Sie hofft, dass Tevs nakts in Israel einem breiteren Publikum bekannt wird, wo Lettland eher als Schauplatz des Massenmords an jüdischen Bürgern im Wald von Rumbula bekannt ist, der von Deutschen verübt und von Letten flankiert wurde (lsm.lv).

Tevs nakts war schon zuvor national und international erfolgreich. Der Film, der Motive des Romans „Puika ar suni“ (Junge mit Hund) von Inese Zandere aufnimmt, erhielt gleich nach seinem Erscheinen den lettischen Preis „Lielais Kristaps“, im April 2019 den Preis des internationalen Filmfestivals in Moskau und ist für den Oskar nominiert. Viele Festivals auf der Welt haben Lipkes Rettungstaten schon auf ihrer Leinwand aufgeführt.

 

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