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Münster, 15.11.2019
Lettische Kunstausstellungen im November 2019 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 02. November 2019 um 11:40 Uhr

Marinemalerei: Der Zauber von Licht und Wasser

Schulz, Stürmisches MeerIm Rigaer Kunstmuseum Rigas Börse sind gleich zwei Ausstellungsräume der Marinemalerei gewidmet. Im Bosse-Saal zeigen die Kuratorinnen einen Überblick über Maler des 19. Jahrhunderts, die sich diesem Thema widmeten, im großen Saal ist einem der bekanntesten Vertreter des Genres, dem russischen Maler Iwan Aiwasowskis, gewidmet, der zu den bekanntesten Malern seines Landes gehört. Die Kuratorinnen haben sich besonders für das Wechselspiel zwischen Licht und Wasser interessiert. Dies darzustellen, erfordert eine geschulte Maltechnik. Wasser in Wasserfarben darzustellen hat sich Laila Balode vorgenommen, die in Cesis ausstellt. Hier die Zusammenfassung aus PR-Texten lettischer Kunstmuseen für den Monat November.

Carl Friedrich Schulz, Stürmisches Meer, Foto: LNMM

Riga: Marinemalerei des 19. Jahrhunderts

Kunstmuseum Rigas Birza, Bosse-Saal, Doma laukuma 6, Riga, bis 5.1.2020

Die Niederländer befassten sich bereits im 17. Jahrhundert mit der Darstellung von Meereslandschaften und ihren besonderen Lichtwirkungen. Bis ins 19. Jahrhundert verbreitet sich das Genre über Europa unter dem Einfluss verschiedener Regionen und Kunstepochen. Insbesondere die Romantiker faszinierte die Weite des Meeres, Maler wurden zur Darstellung von Felsen im Sonnenuntergang oder von sturmgepeitschten Wellen inspiriert. Beliebte Motive waren die Bucht von Neapel mit Vesuv im Hintergrund oder die Capri-Insel. Kuratorin Laura Okdaldere: „In der Malerei verstärkt sich das Interesse am Meer und die neue Interpretation des Themas zeigt sich im Zeitalter der Romantik, als die Künstler zu den Vorgängen in der Natur, besonders der Wechselhaftigkeit der Wasseroberfläche die Widerspiegelung ihrer Emotionen assoziierten. Zum Beispiel sind in der Ausstellung das stürmische Meer mit zerschellten Schiffen des deutschen Malers Carl Friedrich Schulz (1796-1866) und des Norwegers Christian Clausen Dahl zu sehen, deren Kompositionen zur Metapher des menschlichen Widerstands gegen die Schicksalsschläge des Lebens werden.“ Am Ende des Jahrhunderts benutzen die Maler unter impressionistischem Einfluss kräftige Farben, hierfür ist Giuseppe Carellis Gemälde „Landschaft Neapels“ ein Beispiel.

Carelli, Neapels Landschaft

Giuseppe Carelli, Landschaft Neapels, Foto: LNMM

Riga: Die Metaphysik des Lichts - Die Malerei Iwan Aiwasowskis (1817-1900)

Kunstmuseum Rigas Birza, Großer Ausstellungssaal, Doma laukums 6, Riga, bis 5.1.2020

Aiwasowski stammte aus einer armen armenischen Händlerfamilie, dennoch gelang ihm mit Hilfe von Förderern, die Petersburger Kunstakademie zu absolvieren. Der Legende nach war man auf ihn aufmerksam geworden, weil er es verstand, mit Kohle Hauswände zu bemalen. Auf Wunsch von Zar Nikolaus I. wurde der französische Marinemaler Philippe Tanneur sein Lehrer. Der Zarenhof finanzierte ihm Reisen durch Europa, eine führte ihn über Berlin, Dresden, Wien, Triest, Venedig und Florenz nach Rom. Danach präsentierte er in Amsterdam seine erste Einzelausstellung. Nach seiner Rückkehr nach Petersburg empfing ihn Nikolaus I. Der Zar ernannte ihn zum Maler des Marinestabes. Aiwasowski ist einer der populärsten russischen Maler des 19. Jahrhunderts. Etwa 6.000 Bilder soll er gemalt haben. Trotz ihrer Masse erzielen sie auf Auktionen hohe Preise. Kuratorin Ksenija Rudzite: „Grundlage der Ausstellungskonzeption ist die Absicht, Werke aus verschiedenen Perioden des Meisters zu zeigen, wobei das Licht und Lichteffekte die wichtigsten Kompositionselemente bilden. Den Kern der Ausstellung bilden Gemälde aus Museumssammlungen Lettlands, Estlands und der Ukraine, die ein Thema eint: Die Variationen des Lichts. Aiwasowskis Kunst, die solche unfasslichen Erscheinungen wie Wasser und Licht gestaltet, zeugt vom vertieften Interesse des Urhebers an der Erforschung von Naturerscheinungen, einem phänomenalen Gedächtnis und einer entwickelten Maltechnik. Um die wahrgenommenen Lichteffekte oder die Durchsichtigkeit des Wassers zu gestalten, benutzte Iwan Aiwasowskis eine komplizierte Lasurtechnik und einen besonderen Pinselstrich. Sonnenauf- und -untergang, Sonne im Zenit, das verstreute Licht des Nachmittags, Mondschein – diese vielgestaltigen Lichtmetamorphosen bedingen die besondere farbige Feinheit und die Stimmungsnuancen von Aiwasowskis Gemälden. Das Licht, das in den Wassern des Meeres leuchtet oder durch die Wellen glänzt, ist eines der charakteristischsten Merkmale dieser Malerei, die alle Schaffensperioden des Künstlers auszeichnet.“ Die Ausstellung umfasst 23 Werke verschiedener Genre: Marine, historische Kompositionen und Landschaften, darunter: „Meereslandschaft (Abend)“ von 1855, „Blick auf den Vesuv vor dem Ausbruch“ von 1885, „An Puschkins Küste des Schwarzen Meeres“ von 1897. Zudem ist das Bild „Nebel auf dem Meer“ zu sehen, das Aiwasowski anlässlich seiner Werkausstellung in Riga im Jahr 1886 der Stadt überreichte.

Aiwasowski, Nach Sonnenuntergang

Iwan Aiwasowski, Nach Sonnenuntergang, Foto: LNMM

Cesis: Laila Balode - Verehrtes Wasser

Im Haus der Ausstellungen, Cesis, bis 18.11.2019

Die Künstlerin gilt als eine der begabtesten Aquarellmalerinnen ihrer Generation. Sie hatte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Diesmal zeigt sie Arbeiten zum Thema Wasser. Die Motive stehen im engen Zusammenhang mit Cesis und Umgebung, die Stimmung der Natur erfassend. Viele Bilder entstanden am Amata-Fluss. Balode weist darauf hin, dass das Wasser ebenso Grundlage des Lebens wie ihrer Malerei ist. „In einem Aquarell Wasser zu malen ist gleichzeitig fesselnd und riskant, denn beide haben ähnliche Eigenschaften, ohne die sie nicht erkennbar wären – das Schimmern, die Klarheit, die Durchsichtigkeit, die Tiefe, die Vielschichtigkei, der Widerschein.“

 

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