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Münster, 11.7.2020
Lettische Kunstausstellungen im Januar 2020 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 02. Januar 2020 um 00:00 Uhr

Prächtige Farben, magische Inschriften und beflügelnde Träume

Edite Pauls-VignereIm Januar dokumentieren einige Ausstellungen die technische und thematische Vielfalt lettischer Künstlerinnen. Edite Pauls-Vignere gehört zu den international bekannten Textilkünstlerinnen. Ihre farbenreichen und großformatigen textilen Wandbilder sind noch bis Ende Februar im Museum für dekorative Kunst und Design zu betrachten. Ieva Kraule-Kuna inspirierten die Inschriften, die sie in verschiedenen Höhlen fand und Inara Liepa vertraut der Kraft der Verwandlung, die Fantasie, Träume und Kunst der Seele verleihen und die Möglichkeit bieten, Realität zu verändern. Hier die Zusammenfassung aus PR-Texten lettischer Museen für den Januar.

Leben, Fragment von Edite Pauls-Vignere, Foto: LNMM

Riga: Edite Pauls-Vignere – Kaffee-Kantate

Museum für dekorative Kunst und Design, Großer Saal und Vestibüle in der 2. und 3. Etage, Skarnu iela 10, Riga, bis 1.3.2020

Die Retrospektive für eine der bekanntesten Textilkünstlerinnen Lettlands scheint einen unpassenden Titel zu haben. Weder Kaffee noch Hinweise auf Kantaten sind auf den Wandstoffen zu finden. Der Geruch des Kaffees und Musik regten Edite Pauls-Vignere zu ihren Werken an, deren Entstehung stets viel Zeit beanspruchte. Die Künstlerin stand in enger Verbindung zu Rudolfs Heimrats, der in den 60er Jahren an der Rigaer Kunstakademie eine Abteilung für Textilkunst gründete. Pauls-Vignere entwickelte sich zu deren originellsten Vertreterin, die mit Magdalena Abakonowicz aus Polen oder Sheila Hicks aus Frankreich zu vergleichen ist.

In den 70er und 80er Jahren gestaltete sie Textilbilder im neuen Ensemble-Prinzip, das bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Kuratorin Velta Raudzepa beschreibt sie so: „Die Art des bildlichen Ausdrucks der Urheberin, in dem eine prachtvolle Farbpalette vorherrscht, war immer sehr emotional und poetisch – ob in kräftigen Farben oder in abgetönten Stimmungen ausgeführt.“

In der Ausstellung sind Pauls-Vigneres großformatige Gobelins zu sehen, von dem eines den Titel „Vacija“ (Deutschland) trägt. Hinzu kommen Arbeiten unterschiedlicher Techniken und Textilbilder, die Historisches und die Natur thematisieren. Außerdem kann der Besucher großformatige Foto-Porträts der Künstlerin betrachten, die Janis Kreicbergs gestaltete. Sie schätzte ihn als Fotograf sehr. Kreicbergs fotografierte sie noch in der Zeit, als er sein Sehvermögen zum Teil schon eingebüßt hatte.

Edite Pauls-Vignere, im Jahr 1939 geboren, ist weiterhin aktiv, beteiligt sich nach wie vor an Ausstellungen im In- und Ausland, organisiert diese zum Teil selbst. Ihre Werke haben sich bis Mexiko und China verbreitet, sie befinden sich in Museen und Privatsammlungen. Velta Raudzepa zu dem, was zu sehen ist: „Die Ausstellung ruft jenen Betrachtern den einzigartigen Beitrag der Textilkünstlerin zur lettischen Kultur in Erinnerung, welche ihre Kunst bereits lieben und schätzen, und sie bietet gewiss eine gute Möglichkeit, die heutige junge Generation und Gäste Rigas mit den Werten dieser Kunst bekannt zu machen, denen Edite Pauls-Vigneres Arbeit bislang nicht vertraut war.“

Edite Pauls-Vignere, Guss

Edite Pauls-Vignere, Guss, Foto: LNMM

Riga: Ieva Kraule-Kuna – Hot Babas

Kunsthalle Arsenals, Atelier in der 2. Etage, Torna iela 1, Riga, bis 23.2.2020

Die Künstlerin ließ sich von Höhlen verschiedener Länder inspirieren, auf deren Wände sich eingekratzte Schriften befinden. Im englischen Creswell Crags warnen sie nachfolgende Generationen vor Hexen und Schwarzer Magie. Da stellt sich die Frage: Wer sind solche Gestalten, die, dargestellt als altes Weib mit krummer Nase, nach östlicher Überlieferung in einem Haus auf einem Hühnerbein leben, auf einem Besen umherfliegen, Kinder essen, den Kühen Milch stehlen oder Sturm und Hagel herbeirufen?

Die kleine Gutmannshöhle in der Nähe Siguldas, die durch eine Sage berühmt wurde, ist ebenfalls ein Ort der Inschriften. Ähnlich wie in Creswell Crags stammen die ältesten aus dem 17. Jahrhundert. Doch meistens scheinen sie profaner Art zu sein: Besucher verewigen sich mit Namen und Datum, Jugendliche erweisen sich ihre Liebesgunst. Aber Ieva Kraule-Kuna rätselt, ob zuweilen nicht mehr dahinter steckt, z.B. in der eingeritzten Gleichung: „Vana + Tapa = <3“. Vielleicht handelt es sich um einen Zauberspruch, mit der sich die Gedankenfreiheit der Frauen hinwegzaubern lässt?

Die Künstlerin wurde 1987 geboren und studierte im Sandberg Instituut in Amsterdam. Sie gestaltet überwiegend Skulpturen und verwendet als Materialien Keramik, Steine, Metalle u.ä. Ihre Kunstwerke ergänzt sie mit kurzen Geschichten, in denen sich absurde Gestalten mit unsinnig interpretierten historischen Fakten mischen. Kraule-Kuna lässt sich von der Architektur der Sowjetzeit, Handwerk und Fetischismus inspirieren. Sie ist durch Ausstellungen, u.a. in New York, Paris und Moskau international bekannt.

Ieva Kraule-Kuna, Hot Babas

Ieva Kraule-Kuna, Hot Babas, Foto: LNMM

Ogre: Inara Liepa – Die Geheimnisse des Vogelgartens

Kunst- und Geschichtsmuseum, Brivibas iela 36, Ogre, bis 12.1.2020

„Die Mission der Kunst ist, Fantasie, Gedanken zu erweitern und das Territorium der Seele Flügel zu verleihen.“ Diese Worte der lettischen Künstlerin Dzemma Skulme wurden auch für Inara Liepa zur Inspirationsquelle.

Um Wunder zu erleben, muss man Träume zulassen. Um ein Kunstwerk zu schaffen, muss man die Flüge der Seele zulassen. Je weiter die Flügel ausgespannt werden, desto besser erreicht man sein Ziel. Im Traum ist der Mensch frei. Zuweilen ist ihm die Möglichkeit gegeben, sich Dinge zu erträumen, die sich von der Fantasie loslösen, die als unausgesprochene Wunschträume die Realität verändern.

Die Künstlerin und Designerin Inara Liepa fordert die Besucher auf, Raum und Zeit zu überwinden, sich mit den vorbereiteten Projektionen von Kunst alter Zeiten vertraut zu machen, die Geheimnisse der Sammlung des fahrenden Puppentheaters zu entdecken, sich eine Auszeit zu gönnen, um dem Vogelgesang zu lauschen.

In romantischer Stimmung kreierte Liepa Puppenfiguren und kleine Skulpturen, die die künstlerische Vielfalt der Urheberin bekunden.

 

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