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Münster, 01.10.2020
Lettische Kunstausstellungen im September 2020 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 05. September 2020 um 11:41 Uhr

Internationales in nationalen Kunstmuseen

LNMM-BildmontageSeit 100 Jahren existieren Kunstmuseen unter lettischer Leitung. Eine neue Ausstellung im internationalen Kunstmuseum Rigas Birza widmet sich dieser Geschichte seiner Vorgänger unter wechselnden ideologischen Bedingungen. In der Dauerausstellung „Asiens Geschichten“, die im selben Haus stattfindet, lenken die Kuratorinnen den Blick auf eine Okimono-Figur namens „Rakan“. In Daugavpils stellt Ieva Caruka dar, wie die traditionelle Frauenrolle verschwindet und sich die Frau wie ein Phoenix aus der Asche neu erfindet und wie im Tanz eine neue Sinnlichkeit zwischen den Geschlechtern entsteht. Hier die Zusammenfassung aus PR-Texten lettischer Kunstmuseen für den September 2020.

LNMM-Bildmontage zur Geschichte des Staatlichen Kunstmuseums, Foto: LNMM

Riga: Unser Museum. Zum 100. des Staatlichen Kunstmuseums

Internationales Kunstmuseum Rigas Birza, Großer Saal und Bosse-Saal, Doma laukums 6, Riga, 5.9. bis 13.12.2020

Die Ausstellung erinnert an die Zeit, als erstmals unter lettischer Führung ein Kunstmuseum entstand. Rigas städtisches Museum, das heutige Hauptgebäude des Nationalen Kunstmuseums am Rozentals-Platz, war noch Ausdruck deutschbaltischer Vorherrschaft. Der deutschbaltische Architekt Wilhelm Neumann hatte es geplant und bis zu seinem Tod 1919 geleitet, also bis zum Beginn der lettischen Republik. Danach wurde der lettische Landschaftsmaler Vilhelms Purvitis dessen Direktor.

Zur gleichen Zeit gründete der Bildhauer Burkards Dzenis mit seinen Mitarbeitern das Staatliche Kunstmuseum, das in der Rigaer Burg untergebracht wurde und das Dzenis bis 1944 leitete. Zunächst sollte sich dieses Museum auf Lettisches konzentrieren. Doch Kunst lässt sich nicht überzeugend abgrenzen. Von Anfang an zeigte das Museum Exponate aus dem Ausland: Letten, die im Fernen Osten lebten, stifteten chinesische und japanische Kunstwerke; aufgrund diplomatischer Beziehungen der 30er Jahre erfolgte eine große belgische Kunstspende; hinzu kamen dänische Glas- und Keramikkunst, Porzellan und Silber aus Westeuropa, Exponate aus Russland.

Unter sowjetischer Besatzung wurden die Kunstmuseen neu strukturiert. Das städtische Kunstmuseum im Neumann-Bau verwandelte sich in das Museum für lettische und sowjetische Kunst. Im Burgmuseum wurde fortan internationale Kunst ausgestellt - bis ins Jahr 2010, seitdem wird diese Kunst im alten, speziell renovierten Börsen-Gebäude am Domplatz aufbewahrt.

Die Kuratorinnen möchten an die Geschichte des Vorgängermuseums in der Rigaer Burg erinnern, die starken ideologischen Veränderungen unterworfen war. Ihre gestalterischen Ideen bezogen sie aus einem Foto-Album, das Dzenis am 5. März 1941 von seinen Mitarbeitern als Geschenk erhielt. Es enthält Abbildungen von früheren Ausstellungen und Dankesworte an den Museumsdirektor für seine 20jährige Tätigkeit. Dieses Dokument erwies sich als aufschlussreich, um die Museumsgeschichte als Bestandteil lettischer Kulturpolitik der Zwischenkriegszeit zu erkunden.

Die Ausstellung soll an die Mission “selbstvergessener und gelehrter” Menschen erinnern, an Dzenis und seine Angestellten. Deshalb sind neben repräsentativen Kunstwerken des Vorgängermuseums Fotos, Dokumente, alte Kataloge und Bücher zu betrachten. Die Bildmontage, die für die Veranstaltung wirbt, verdeutlicht den Zeitraum privater und öffentlicher Bemühungen, Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie zeigt links einen Teil des Porträts “Helena Cimze” aus dem Jahr 1851, das Janis Stanislavs Roze malte, der Studienreisen nach Paris, Dresden und München unternahm und am bayerischen Hof einige Monate als Gehilfe dem Porträtmaler Joseph Bernhardt beiseite stand. Rechts ist ein Ausschnitt von Vija Celminas “Sternenfeld “ aus dem Jahr 2010 abgebildet. Für die Kuratorinnen Vita Birzaka und Aija Braslina verdeutlichen die beiden sehr verschiedenen Kunstwerke das unveränderte Museumsmotto: “Beide derart unterschiedlichen Arbeiten gehören zur überzeitlichen Dimension visueller Kunst. Beide verkörpern die hundertjährige Mission des Staatlichen Kunstmuseums und dessen Nachfolgers Lettisches Nationales Kunstmuseum: Sammeln, bewahren und veröffentlichen das Beste von dem, das Künstler geschaffen haben.”

Räume der Rigaer Burg

Ehemaliger Ausstellungsraum in der Rigaer Burg, Foto: LNMM

Riga: Asiens Kunstgeschichten: Rakan/ Japans Okimono-Figur

Beständige Ausstellung im Kunstmuseum Rigas Birza, Doma laukums 6, Riga, bis 11.10.2020

Ausnahmsweise lässt sich hier etwas von einer Dauerausstellung berichten. Im internationalen Kunstmuseum ist noch bis zum 11. Oktober die japanische Okimono-Figur “Rakan” zu betrachten, die um die vorletzte Jahrhundertwende geschaffen wurde. Okimono bezeichnet eine besondere japanische Schnitzkunst aus Elfenbein oder Buchsbaum, die in der Zeit des Kaisers Mutsuhito (1868-1912) in Mode kam. Seine Regierungszeit gilt als Epoche staatlicher Reformen, der Orientierung an den Westen, aber auch der Militarisierung des Landes. Okimono-Figuren waren im Westen begehrt, wo der “Japanismus” das künstlerische Interesse am fernöstlichen Inselstaat signalisierte.

Rakan ist die Bezeichnung für einen Schüler Buddhas, der das höchste Bewusstseinsstadium erreicht hat und die Weisheit seines Lehrers teilt. Viele Details der Figur symbolisieren Buddhas Lehre. Dieser Rakan stammt aus dem Nachlass des lettischen Künstlers Gederts Eliass, der in Brüssel und Paris studiert und viele westeuropäische Museen besucht hatte. Ihn hatte neben dem Japanismus offenbar ein ganzer “Asiatismus” überwältigt: In seiner Sammlung befanden sich neben japanischen auch viele chinesische und indische Arbeiten. Seit 1987 sind sie im Besitz des Nationalen Kunstmuseums.

Anlässlich der Rakan-Präsentation erklärt Kuratorin Kristine Milere den Sinn und die Machart dieser Dauerausstellung: “Der Ausstellungszyklus `Asiens Kunstgeschichten` ermuntert, bestimmte Sujets, Techniken, Funktionen bestimmter Kunstwerke ebenso wie ihre philosophische, religiöse, ästhetische und kontextuelle Bedeutung offenzulegen und nachzuvollziehen. Asiatische Kunst ist für westliche Besucher stets faszinierend aufgrund ihrer ungewöhnlichen Vielfalt der Formen und Funktionen und der nur die asiatischen Kulturen kennzeichnenden ästhetischen Sichtweise. Die LNMM-Asienkollektion bewahrt mehrere tausend Kunstwerke aus Ländern des Nahen und Fernen Ostens, in der Galerie des Ostens sind allerdings nur ein Teil von ihnen ausgestellt. Im Rahmen des Zyklus` machen wir ungewöhnliche Geschichten zugänglich, die sonst oft unbeachtet bleiben, indem wir ein bestimmtes Kunstwerk oder eine Gruppe von Exponaten zeitweise ausstellen.“

Ausstellung

Foto: LNMM

Daugavpils: Ieva Caruka - Schwarz trifft Weiß

Mark-Rothko-Zentrum, Daugavpils, 12.9. bis 25.10.2020, Ausstellungseröffnung am 11.9. um 16 Uhr

Ich schreibe meine großen Geschichten der Welt mit Linie, Farbkontrast und Collage. Wenn die Emotionen hochkochen, spiele ich das Spiel, bei dem ich beides bin, Leiterin und Gestalterin. Wenn ich vor einer schwarz bemalten Leinwand stehe, mit weißen Streifen auf meinem Pinsel, trenne ich alles Überflüssige vom Schwarzen. Das ist ein faszinierender Prozess. Das Schwarz-Weiß-Schema stellt das in den Mittelpunkt, das tatsächlich von Bedeutung ist - die Dinge, die wir tendenziell im gestressten und hastigen Alltag vermissen,“ meint Ieva Caruka zu ihrer Ausstellung, bei deren Eröffnung sie am 11. September anwesend sein wird.

Ein Thema Carukas ist laut Museums-PR die Frau als „Gebärerin des genetischen Codes Osteuropas“. Derzeit verliere die traditionelle Mutter- und Frauenrolle an Boden. So wie der legendäre Phoenix müssten sich Carukas Heldinnen, die wegen unerfüllter Sexualität zu Asche wurden, in einem neuen Bild, einer neuen Göttlichkeit erschaffen. Das versinnbildlicht Caruka in Tänzen, die den Übergang weiblicher Sinnlichkeit in einen Dialog zwischen den Geschlechtern darstellen.

Ieva Caruka studierte Buchdesign am Polygraphischen Kolleg Lembergs und Graphik an der lettischen Kunstakademie. Sie nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil, u.a. in der Schweiz, Deutschland, Indien und Australien. ihre Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen Europas, Australiens und den USA zu finden.

 

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