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Münster, 01.10.2020
Sanierungsarbeiten an der Burg Hasenpoth (Aizpute) PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 12. September 2020 um 00:00 Uhr

Reges Treiben in verschlafener Idylle

Burg Aizpute (Hasenpoth)Aizpute, auf Deutsch: Hasenpoth, ist ein idyllischer, aber auch leicht verschlafener Ort in Westkurland, etwa 175 Kilometer von Riga entfernt. Jugendlichen fällt es schwer, hier ein Auskommen zu finden. Seit 1990 hat Aizpute, das seit 1378 Stadtrechte besitzt, ein Drittel seiner Einwohner verloren. Derzeit leben noch etwa 4.000 Menschen hier. Dabei befindet sich im Ortskern recht Sehenswertes: Auf der Anhöhe am Fluss Terba erstreckt sich die Ruine einer Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert, die seit 1998 denkmalgeschützt ist. Teils ist sie als Gebäude erhalten, teils besteht sie aus bröselnden Mauerüberresten. Seit Juli kümmert sich ein Bautrupp um die Sanierung.

Burg Aizpute, Foto: Ainars Brūvelis, CC BY-SA 3.0, Link

In den letzten Wochen machte das Regenwetter den Bauarbeitern zu schaffen, dennoch arbeiteten sie weiter. Sie vermauerten zunächst 56 Fensterbögen. Bauleiter Kaspars Dzenis erläuterte gegenüber LSM den Sinn der Maßnahme: “Das Ziel des Konservierens ist, das zu erhalten, was da ist. Deshalb wählten wir Gasbetonblöcke, die leicht zu entfernen sind; falls wir restaurieren wollen und in diese Mauer einmal Fenster einfügen, werden die Blöcke leicht herauszunehmen sein.” (lsm.lv) Außerdem wurde im ersten Bauabschnitt das Kellergewölbe gesichert, in dem sich unerwartet viel Bauschutt als Hinterlassenschaft eines Brandes befand, der sich vor 40 Jahren ereignete. Im Geröll fanden die Arbeiter aber nichts Wertvolles.

Bei trockenem Wetter wird das lockere Gemäuer mit Mörtel befestigt, zuletzt sollen die Mauern mit Gewindestangen verklammert werden. Dafür müssen die 1,70 Meter dicken Wände an 48 Stellen durchbohrt werden. Bis Oktober soll der erste Bauabschnitt beendet, in einem zweiten das Gelände mit einem Dach geschützt werden.

Aizpute, Panormablick

Blick von der Burg auf die evangelische Kirche, Foto: Ainars Brūvelis, CC BY-SA 3.0, Link

1249 ließ Landmeister Dietrich von Grüningen den Bau als Festung des Livländischen Ordens errichten. Wie viele Gebäude dieser Art erlebte auch die Burg Hasenpoth eine wechselvolle Geschichte der Zerstörungen und des Wiederaufbaus. Bis zum Untergang des Livländischen Ordens lebten Mönchsritter in den Mauern. Danach diente die Burg als Lagerstätte, Schweden zerstörten sie, die kurländischen Herzöge ließen sie erneuern. Herzog Jakob Kettler brachte hier eine Garnison und Kanoniere unter. Danach verlor die Anlage ihre militärische Bedeutung und diente nur noch als Wohnort. Ein Vermögender kaufte den Komplex 1682 und ließ ein neues Wohnhaus in den Umfassungsmauern einrichten. Bis zur Agrarreform von 1920, die die Enteignung deutschbaltischer Großgrundbesitzer vorsah, war die Burg im Besitz der Familie Grothus. In sowjetischer Zeit wurden die erhaltenen Räume als Schule genutzt und das Herrenhaus war noch bis in die siebziger Jahre bewohnt.

Es ist ein reizvoller Ort über der Anhöhe der Tebra und am Mühlenteich, gegenüber der evangelischen Kirche. Bislang befand sich die Burg im Dornröschenschlaf, vielleicht gelingt es den Bauarbeitern nach weiteren nötigen Bauabschnitten, Ruine und Ort wachzuküssen.

 

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