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Münster, 23.4.2019
Rigas Auftakt als Kulturhauptstadt: 14.000 Freiwillige beförderten Bücher in die Lichtburg PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Sonntag, den 19. Januar 2014 um 15:26 Uhr

Tribüne vor der neuen Bibliothek

Die gute Laune der Teilnehmer widerstand der klirrenden Kälte. Wer mitmachen wollte, musste trotz des blauen Himmels und strahlender Sonne gut bemützt sein. Jung und Alt, Familien, Freundescliquen, Soldaten und Studentengruppen hatten sich am 18.1.2014 ab elf Uhr im Vērmanes Dārzs (Wöhrmannpark) in der Rigaer Innenstadt versammelt. Sie ließen sich als Freiwillige für den Bücherumzug registrieren. Handschuh in Handschuh zogen sie los und bildeten eine Menschenkette. Sie reichte vom bisherigen, zu eng gewordenen Gebäude in der Krišjāņa Barona iela über die Steinbrücke bis zur Gaismas Pils (Lichtburg), der zukünftigen Heimstatt der Nationalbibliothek jenseits der Daugava. Laut Veranstalter soll die Strecke genau 2014 Meter betragen haben. Um 12 Uhr waren alle Beteiligten auf ihrem Posten. Mit Tee, Springen und Hüpfen trotzten sie der Kälte. Ab 13.16 Uhr befördeten viele tausend Hände das erste und älteste Buch: Eine lettische Bibel, die 1825 in Petersburg erschienen ist. Der erste deutsche Botschafter im wieder unabhängigen Lettland, Hagen Graf Lambsdorff, hatte den Bibliothekaren dieses kostbare Exemplar aus dem Familienbesitz geschenkt. Dieser Bücherumzug unter dem Titel "Weg des Lichts" war wohl die spektakulärste Aktion zum Auftakt Rigas als europäische Kulturhauptstadt. Zum Eröffnungswochenende "Tu un tagad/ Du und jetzt" zählten zudem Lichtshows, Konzerte, Filmvorführungen und weiteres.

Pünktlich zum Jahr der Kulturhauptstadt wird der 2008 begonnene Bau der Lettischen Nationalbibliothek fertig, Foto: LP

 

Buchtransport als Massenevent

Von den mehr als vier Millionen Büchern der Nationalbibliothek waren 15.000 für den manuellen Umzug startklar. Allerdings schaffte die Menschenkette bis zum letzten beförderten Buch um 16.30 Uhr gerade mal 2000 (Wer einmal bis 1000 gezählt hat, weiß, dass das immer noch eine ganze Menge ist). Das Ziel der Organisatoren war es auch nicht, Umzugskosten zu sparen, sondern den Bezug des neuen Gebäudes zu einem kollektiven Erlebnis zu machen. Viele Freiwillige nutzten die Gelegenheit, sich einmal mit einem echten Buch ablichten zu lassen. Dieser Fotospaß verzögerte das Umzugstempo. Statt der geplanten Dreiviertelstunde erreichte Lambsdorffs Bibel die Lichtburg erst nach einer Stunde und 35 Minuten. Vor dem neuen Büchertempel befand sich eine Tribüne, auf der ein Chor von der Temperatur ablenkte. Nebenan verhinderte ein Teekiosk und ein offenes Feuer Kälteschocks. Auch wenn nun erster Lesestoff die neue Heimstatt erreicht hat, wird es noch bis zum 29. August dauern, bis die Lichtburg eröffnet wird. Dann wird zugleich der 95. Geburtstag der Nationalbibliothek gefeiert werden. Das Haus mit dem einzigartigen Umriss ist ein Werk des Architekten Gunārs Birkerts. Schon zu Sowjetzeiten plante man einen Neubau, doch erst 2008 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Bis zu 450 Arbeiter errichteten in 4,2 Millionen Arbeitsstunden die zackenförmige Silhouette mit den gläsernen Längsstreifen. Sie ist 68,3 Meter hoch, 170 Meter lang und 44 Meter breit. Um der Komposition aus Glas und Beton den nötigen Halt zu geben, mussten 501 Pfeiler in den sandigen Boden gerammt werden. Die Bibliothek hat eine Gesamtfläche von 45.253 m². Bald sind die Büchersammlungen, die sich wegen Platzmangels an verschiedenen Orten befinden, unter einem Dach zugänglich. Dazu gehört auch die Baltijas Centrālās bibliotēka (Baltische Zentrale Bibliothek), die von Otto Bong gestiftet wurde und die u.a. den Nachlass des linksliberalen deutschbaltischen Politikers Paul Schiemann zu ihrem Bestand zählt. Die Lichtburg beherbergt zudem Seminar- und Konferenzräume.

Frau im Hasenkostüm zeigt Buch

Ein Lesehase war auch beteiligt, Foto: LP

 

58 mal "Tu un tagad"

Zum Auftakt Rigas als Kulturhauptstadt gehörten weitere Veranstaltungen: Die Premiere der Wagner-Oper Rienzi, die Eröffnung der Ausstellung "1914" in der Kunsthalle "Arsenāls", Karneval am Busbahnhof, Projektionen in den Markthallen, Filmvorführungen und noch vieles mehr. Besondere Augenweiden bildeten die Lichtspektakel: Die Webseite tvnet.lv zeigt Fotos von Feuerskulpturen und der abendlichen Lichtparade. Am Sonntag beteiligte sich die Partnerstadt Sigulda mit eigenen Aktionen. Insgesamt führt das Eröffnungsprogramm "Tu un tagad" 58 Veranstaltungen auf.

 

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Externe Linkhinweise:

gaismaspils.lv

tvnet.lv: Aukstums un grāmatu pārcilāšanas lēnums neapgrūtina pasākuma dalībniekus

nra.lv: Akcijā "Gaismas ceļš - Grāmatu draugu ķēde" uz jauno bibliotēkas ēku pārceļojušas 2000 grāmatas

 

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