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Münster, 16.1.2019
Lettland - Rigas Eckhaus des Schreckens ist wieder zu besichtigen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 28. Februar 2015 um 00:00 Uhr

"Was ist das höchste Haus in Riga?"

"Das Eckhaus!"

"Wieso das denn?"

"Von dort kann man Sibirien sehen!"

Die Fassade des "Stūra māja" bedeutet einfach "Eckhaus". Doch in Riga ist damit ein spezielles Haus gemeint, das historischen Schrecken birgt. 1940 bezogen Tschekisten, also Angehörige des sowjetischen Geheimdienstes, das Haus mit der (heutigen) Adresse Brīvibas iela 61. Fortan verhörten und folterten sie hier politische Gefangene, erschossen sie oder planten Massendeportationen nach Sibirien. Das Haus im lettischen Staatsbesitz stand seit 2009 leer. Seine Geschichte verbietet, es wie vor 1940 als normales Wohn- und Geschäftshaus zu nutzen. Als Riga 2014 Kulturhauptstadt war, wurde das Haus wieder geöffnet. Unerhofft viele, nämlich annähernd 45.000 Besucher, besichtigten die Ausstellungen, die auf der vierten und fünften Etage gezeigt wurden. So fassten die Mitarbeiter des Okkupationsmuseums, die für das Eckhaus zuständig sind, den Entschluss, das ehemalige Tscheka-Gebäude weiterhin der Öffentlichkeit zu präsentieren. Seit Februar kann es wieder besucht werden.

Das "Eckhaus" in Riga, Foto: LP

 

Erst Frieden, wenn sich die Menschen nicht mehr fürchten

Gunārs Nāgels, Leiter des Okkupationsmuseums, weiß, dass viele Letten sich immer noch mit unguten Gefühlen dem Eckhaus nähern: "Die Menschen sagten oft, dass das Eckhaus der blanke Horror ist. Es gibt Menschen, die sich davor fürchten, hier einzutreten, wissend, was hier geschehen ist. Wir gestalten einen Erinnerungsort und ein Museum, aber wir werden erst dann im Frieden sein, wenn die Menschen sich nicht fürchten, hierhin zu kommen, wenn es keine äußere Bedrohung geben wird. Dann, wenn dies im Bewusstsein der Menschen nur als eine schlimme Periode in der Geschichte Lettlands aufgefasst wird," sagte Nāgels der Nachrichtenagentur Leta. Seine Mitarbeiter planen, diesen Ort des Schreckens in ein Museums- und Ausstellungsgelände zu verwandeln, wo über den Totalitarismus geforscht werden soll. Allerdings sind noch erhebliche Investitionen nötig, um das Gebäude langfristig zu erhalten. Nach der lettischen EU-Ratspräsidentschaft soll die Fassade teilweise neu gestrichen und das Dach erneuert werden. Bereits dafür muss die Staatliche Immobilienverwaltung 600.000 Euro bereitstellen. Geld für weitere Sanierungsarbeiten ist erst ab 2016 vorgesehen. Interessierte können in der ehemaligen Geheimdienstzentrale verschiedene Angebote nutzen. Im Parterre, wo sich einst die Kantine befand, richteten die Historiker des Okkupationsmuseums eine Ausstellung über die Tscheka-Tätigkeit in Lettland ein. Diese ist kostenlos zu besichtigen. Die im Originalzustand erhaltenen Zellen, Kammern, Hinrichtungsstätte, Kellerräume und Innenhof können nur mit Führung aufgesucht werden. Diese kostet 5, ermäßigt 2 Euro. Das Haus ist montags, donnerstags und freitags von 10.00 Uhr bis 17.30, mittwochs von 12 Uhr bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 10 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet. Dienstags bleibt geschlossen.


Regelmäßige Führungen durch die Zellen in englischer Sprache
:

Mo: 10.30 Uhr
Di: geschlossen
Mi: 12.00 Uhr
Do: 10.30 Uhr
Fr: 10.30 Uhr
Sa: 10.30 Uhr
So: 10.30 Uhr

Telefonische Anfrage für Führungen in anderen Sprachen: +371 27875692

 

Weiterer LP-Artikel zum Thema:

Rigas "Stūra Māja" - Ausstellungen stellen die Zukunft der ehemaligen Tscheka-Zentrale zur Diskussion

 

Externe Linkhinweise:

okupacijasmuzejs.lv: Izstaigā Stūra māju!

latviesi.com: Stūra māja nākotnē varētu kļūt par ēku, kur pētīt totalitāro režīmu

 

 

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