logo
Münster, 24.8.2019
Lettische Historiker recherchierten über das Lager Salaspils: Teil 1: Der Streit um historische Quellen und Bezeichnungen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 09. Januar 2019 um 00:00 Uhr

Verharmlosung des Faschismus` oder Dekonstruktion bolschewistischer Propaganda?

Eingang zur Gedenkstätte Salaspils„Es sei vorneweg gesagt: Salaspils ist ein Ort des Grauens. Als 1941 die Nationalsozialisten Riga erreichten, richteten sie sofort im nahen Salaspils eines ihrer unzähligen Massenvernichtungslager ein. Über 100.000 Menschen, darunter Letten, Juden, Tschechen, Österreicher, Polen, Franzosen, Belgier und Holländer, fanden hier einen furchtbaren Tod oder erlitten Höllenqualen. Selbst vor der Hinrichtung von Kindern (7000) schreckte man nicht zurück.“1 Diese Beschreibung aus einem deutschen Reiseführer ist erschütternd, allerdings sind die genannten Zahlen fragwürdig. Dass 100.000 Menschen hier den Tod fanden, ist eine Behauptung der bolschewistischen Propaganda. Nach Recherchen von Karlis Kangeris, Uldis Neiburgs und Rudite Viksne war bereits die Gesamtzahl der Lagerinsassen mit höchstens 23.035 deutlich geringer2. Diese wurden nicht alle auf einmal in Salaspils gefangen gehalten, sondern befanden sich in verschiedenen Gefangenengruppen zeitlich nacheinander in den diversen Baracken des Lagergeländes. Denn nach dem detaillierten Forschungsbericht der drei lettischen Historiker, der nach einer Aufschrift auf der dortigen Gedächtnisstätte benannt ist (Aiz siem vartiem vaid zeme./ Hinter diesen Toren stöhnt die Erde.) erlebte das von den deutschen Besatzern eingerichtete Lager in der Nähe Rigas während seines vierjährigen Bestehens verschiedene Etappen mit verschiedenen Insassen. Nach der Lektüre des Buchs bleibt Salaspils ein „Ort des Grauens“, doch es ist nicht „das Todeslager“, das bolschewistische Publikationen propagierten. Wie in allen NS-Lagern wurde in Salaspils geprügelt, gequält und gemordet, doch nicht wie in den bekannten großen Vernichtungslagern mit industriellen Methoden getötet. Das lettische Bemühen, aus einer Vielzahl von Quellen sich der historischen Realität zu nähern und bolschewistische Stereotypen zu dekonstruieren, erntet spöttischen Kommentar von russischer Seite, die darin eine Verharmlosung des Faschismus` erkennen will.

Zugang zur Gedenkstätte Salaspils mit der Aufschrift "Hinter diesen Toren stöhnt die Erde", Foto: Derbrauni - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Weiterlesen...
 
Lettische Kunstausstellungen im Januar 2019 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 02. Januar 2019 um 00:00 Uhr

Dekonstruierte Melodramen, Macht und Reflexion und kurländische Farben

Kunsthalle ArsenalsZwei Ausstellungen beschäftigen sich im Januar mit der Frage, wie sich das Publikum manipulieren lässt. Was macht Melodramen so populär, obwohl Kinokritiker über sie die Nase rümpfen? Wieso erliegen Bürger den Verheißungen politischer Anführer? Manche Künstler versuchen, solche Methoden zu erkennen und zur Diskussion zu stellen. Andere wiederum lassen sich von der landschaftlichen Umgebung inspirieren und gelangen zu einem eigenständigen Ausdruck. Hier die Zusammenfassung von PR-Texten lettischer Kunstmuseen für den Januar.

Kunsthalle Arsenals in Riga, Foto: (WT-shared) Riggwelter at wts.wikivoyage, CC BY-SA 4.0, Saite

Weiterlesen...
 
Eine lettische Drachengeschichte zu Weihnachten PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 22. Dezember 2018 um 00:00 Uhr

Martins Lapa, der Sagenausschmücker

VW-Käfer mit WeihnachtsbaumSchafe, Ochse, Esel, Rentiere, Hirsche, Elche - solche kuscheligen Pelztiere bevölkern gewöhnlich Weihnachtsgeschichten. Wie stehts mit Drachen? Sie haben im Abendland einen schlechten Ruf, derjenige, der sie mit dem Schwert tötet, wird Held oder Heiliger oder beides zusammen. In der lettischen Mythologie ist der Drachen der typische Lindwurm mit mehreren Köpfen, kann fliegen und speit Feuer. So scheußlich seine Gestalt, so ungeheuerlich sein Benehmen: Er ist mit dem Teufel im Bunde, hält Menschen gefangen und frisst sie gelegentlich. Das lettische Wort für Drachen ist "Pukis". Peteris Smits, der Herausgeber der bekanntesten lettischen Märchen- und Sagensammlung, meinte, das Wort könne aus der deutschen Sprache stammen. In dieser ist von einem Puck die Rede, der inzwischen zu einer kleinen schwarzen Eishockeyscheibe geschrumpft ist, die im Spiel zu verfolgen, den Zuschauern dieses Sports zum verzwickten Sehtest gerät - Seht mal: Der kleine flinke Puck macht Bully vor dem Tor. Einst aber war er eine Sagengestalt mit Tarnkappe, die auf Dachböden hauste oder sich auf Schiffen Klabautermann schimpfen ließ. Laut Wikipedia empfiehlt es sich, einen Puck pfleglich zu behandeln: "Wird der Puk mit regelmäßigen Speisen und Getränken gut behandelt, so ist er, im Verbund mit anderen Sagengestalten wie Zwergen und Riesen, in der Lage, das Wohlergehen der Bewohner und deren Tiere positiv bis hin zum Reichtum zu beeinflussen. Wird er jedoch schlecht behandelt, fügt er den Bewohnern schwere Schäden zu, die nicht selten in Wahnsinn oder mit dem Tod enden." Laut Wikipedia stammt das deutsche Wort Puk "möglicherweise aus dem baltischen Volksglauben (Pukis)" - so schließt sich der Kreis. Martins Lapa wusste zum Drachenpukis eine unglaubliche Weihnachtsgeschichte zu erzählen, die Peteris Smits trotz der ungewöhnlichen Länge in seine Sammlung aufnahm.

Käfer mit Weihnachtsbaum auf großer Fahrt, Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F038543-0006A / Mehmet, Sonal / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link
Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 4 von 46

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||