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Münster, 12.7.2020
Eine lettische Drachengeschichte zu Weihnachten PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 22. Dezember 2018 um 00:00 Uhr

Martins Lapa, der Sagenausschmücker

VW-Käfer mit WeihnachtsbaumSchafe, Ochse, Esel, Rentiere, Hirsche, Elche - solche kuscheligen Pelztiere bevölkern gewöhnlich Weihnachtsgeschichten. Wie stehts mit Drachen? Sie haben im Abendland einen schlechten Ruf, derjenige, der sie mit dem Schwert tötet, wird Held oder Heiliger oder beides zusammen. In der lettischen Mythologie ist der Drachen der typische Lindwurm mit mehreren Köpfen, kann fliegen und speit Feuer. So scheußlich seine Gestalt, so ungeheuerlich sein Benehmen: Er ist mit dem Teufel im Bunde, hält Menschen gefangen und frisst sie gelegentlich. Das lettische Wort für Drachen ist "Pukis". Peteris Smits, der Herausgeber der bekanntesten lettischen Märchen- und Sagensammlung, meinte, das Wort könne aus der deutschen Sprache stammen. In dieser ist von einem Puck die Rede, der inzwischen zu einer kleinen schwarzen Eishockeyscheibe geschrumpft ist, die im Spiel zu verfolgen, den Zuschauern dieses Sports zum verzwickten Sehtest gerät - Seht mal: Der kleine flinke Puck macht Bully vor dem Tor. Einst aber war er eine Sagengestalt mit Tarnkappe, die auf Dachböden hauste oder sich auf Schiffen Klabautermann schimpfen ließ. Laut Wikipedia empfiehlt es sich, einen Puck pfleglich zu behandeln: "Wird der Puk mit regelmäßigen Speisen und Getränken gut behandelt, so ist er, im Verbund mit anderen Sagengestalten wie Zwergen und Riesen, in der Lage, das Wohlergehen der Bewohner und deren Tiere positiv bis hin zum Reichtum zu beeinflussen. Wird er jedoch schlecht behandelt, fügt er den Bewohnern schwere Schäden zu, die nicht selten in Wahnsinn oder mit dem Tod enden." Laut Wikipedia stammt das deutsche Wort Puk "möglicherweise aus dem baltischen Volksglauben (Pukis)" - so schließt sich der Kreis. Martins Lapa wusste zum Drachenpukis eine unglaubliche Weihnachtsgeschichte zu erzählen, die Peteris Smits trotz der ungewöhnlichen Länge in seine Sammlung aufnahm.

Käfer mit Weihnachtsbaum auf großer Fahrt, Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F038543-0006A / Mehmet, Sonal / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link
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Aufführung „Andrievs Niedra“ im Dirty Deal Teatro in Riga am 3. November 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 15. Dezember 2018 um 00:00 Uhr

Von Manfred von Boetticher

Andrevs Niedra Zu einer der umstrittensten Personen der lettischen Geschichte des 20. Jahrhunderts gehört der Pastor und Schriftsteller Andrievs Niedra (1871-1942), der im April 1919 im Zusammenwirken mit deutschbaltischer Landeswehr und reichsdeutschen Kräften zum Ministerpräsidenten berufen wurde und für einige Wochen dieses Amt bekleidete. Im Gegensatz zu Niedras späteren offiziellen Charakterisierung als „deutscher Marionette“, seiner Verurteilung in den 20er Jahren als „Volksverräter“ und seiner Verbannung aus Lettland unter seinem politischen Gegner Kārlis Ulmanis1 hat Niedras Persönlichkeit in den vergangenen Jahren zumindest ansatzweise eine Neubewertung erfahren. Vor diesem Hintergrund hat sich in Riga im jungen „Dirty Deal Teatro“ ein Zwei-Mann-Schauspiel dieses Stoffes mit der Aufführung „Andrievs Niedra. Eine Tragödie“ angenommen. Im Mittelpunkt steht dabei Niedra, der seine wohlüberlegten Positionen diversen Widersachern gegenüber in vielfältigen Dialogen zum Ausdruck bringt. Die Erstaufführung fand im Dezember 2015 statt und hatte ein weithin positives Echo. Am 3. November 2018 konnte das lettisch-deutschbaltische Kulturzentrum DOMUS RIGENSIS nun eine Aufführung des Stückes mit deutscher Übersetzung und anschließender zweisprachiger Diskussion unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Kaspars Zellis organisieren. Dabei sollten die Schauspieler erklären, was sie zu ihrer Inszenierung bewogen hat. Zugleich sollten Betroffene und Historiker zu Wort kommen, um noch einmal zum Schauspiel Stellung zu nehmen. Der Besuch der Veranstaltung war an diesem Abend dank der großzügigen Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien kostenlos. Schon mehrere Wochen vor der Aufführung war die Nachfrage nach den begehrten Plätzen so groß, dass zahlreiche Interessenten abgewiesen werden mussten.

Andrievs Niedra, Foto: Domus Rigensis

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Lettisches Gedenken an die Holocaust-Zeit PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 13. Dezember 2018 um 00:00 Uhr

Spielfilm „Tevs Nakts“ über den Retter Zanis Lipke entfacht großes Interesse

Lipke-Briefmarke„Für Zanis war ich ein völlig fremder Mensch und ich konnte nicht begreifen, weshalb er das tat, als rundherum Mord geschah. Dieser Mensch erwies sich als ein Wunder – einfach in aller Ruhe die für den Tod Bestimmten zu retten. Geld nahm er nicht, er war kein Kommunist und ich konnte nicht begreifen, weshalb er diese Bürde auf sich nahm und sich jeden Tag den Schrecken des Todes aussetzte,“ sagte Izaks Drizins über seinen Retter Zanis Lipke (web.archive.org). Der derart Verehrte arbeitete als Hafenarbeiter, als die Deutschen in Lettland einfielen und sogleich begannen, seine jüdischen Mitbürger zu verfolgen. Am 30. November und 8. Dezember 1941 hatten SS-Soldaten mit Hilfe lettischer Kollaborateure 25.000 lettische Juden im Wald von Rumbula erschossen. Danach entschloss sich Lipke, die Verfolgten zu verstecken. Ihm gelang gemeinsam mit seiner Frau Johanna sowie Freunden und Bekannten, 55 Juden das Leben zu retten. Der Staat Israel ehrte das Paar Lipke 1977 mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“, denen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ein Baum gepflanzt wurde. Seit Oktober ist im lettischen Kino der Spielfilm „Tevs Nakts“ (Vater der Nacht) von David Simanis zu sehen, der die Geschichte der Retter nacherzählt (tevsnakts.lv). Seitdem steigen die Besucherzahlen des Janis-Lipke-Museums auf der Insel Kipsala. Zudem scheint sich das Gedenken an den Blutsonntag 30. November zur alljährlichen Tradition zu entwickeln.

Briefmarke der lettischen Post erinnert an das Paar Johanna und Zanis Lipke, Foto: Latvijas Pasts (Latvian Post) - wnsstamps.ch/en, Neaizsargāts darbs, Saite

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