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Münster, 17.10.2017
Umfangreichste Ausstellung moderner deutscher Kunst in Riga eröffnet PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 18. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Goethes „Wahlverwandtschaften“ als Titel einer viel beachteten Werkschau

Plakat zu den

Ausstellungsplakat, Foto: LNMM

In Goethes gleichnamigem Roman definiert eine Figur den chemischen Begriff „Wahlverwandtschaften“: „Denken Sie sich ein A, das mit einem B innig verbunden ist, durch viele Mittel und durch manche Gewalt nicht von ihm zu trennen; denken Sie sich ein C, das sich ebenso zu einem D verhält; bringen Sie nun die beiden Paare in Berührung: A wird sich zu D, C zu B werfen, ohne daß man sagen kann, wer das andere zuerst verlassen, wer sich mit dem andern zuerst wieder verbunden habe.“ Das Prinzip ist auf Verbindungen jeglicher Art übertragbar. Bei Goethe ruiniert es Ehen, in der Kunst bewirkt es Trennung und Herstellung von Beziehungen. Es wird dekonstruiert und konstruiert. So werden stereotype Vorstellungen aufgelöst und neue Perspektiven eröffnet. Die bislang größte lettische Ausstellung über deutsche Kunst folgt diesem Leitmotiv. Die Organisatoren präsentieren 77 Werke von 52 bekannten Künstlern. Kurator Mark Gisbourne stellt folgende vier Leitlinien vor, zwischen denen der Besucher der Kunsthalle Arsenals (Torna iela 1) neue Beziehungen stiften kann: A: Expression, Imagination und Subjektivität, B: Geschichte und Geschichten, C: Abstraktion und Konzeption sowie D: Präsentation und Kritik. Auch die neuere deutsche Geschichte lässt sich wahlverwandtschaftlich deuten: Bis 1989 malten, zeichneten und formten deutsche Künstler getrennt dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs.

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Riga erhält ein Museum für moderne Kunst PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 17. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Update: Gewinner inzwischen bekannt

Wer sich in Riga nach zeitgenössischer Kunst umschaut, findet sie in Wechselausstellungen und auf Festivals. Ein Museum, das ständig moderne Kunst präsentiert, fehlt bislang. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Zwei private Stiftungen stellen 30 Millionen Euro zur Verfügung. Mit diesem Geld soll im Neubaugebiet, das auf Lenglisch (Lettisch + Englisch) „New Hanza City“ heißt, der neue Kunsttempel entstehen. Am 6.6.2016 präsentierten sieben Architektengruppen der Jury ihre Entwürfe. Eine britische Consultingagentur hatte die Teams ausgewählt, in denen jeweils ein lettisches Büro mit einem ausländischen Partner kooperieren sollten. Im Wettbewerb befindet sich u.a. ein deutsch-lettischer Vorschlag.

Moderne Kunst findet in Lettland bislang nur vorübergehend Unterschlupf, wie hier eine Survival-Kit-Ausstellung in einer leerstehenden Fabrikhalle, Foto: LP

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Lettische Lutheraner verbieten Frauenordination PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 07. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Kreuzkirchengemeinde Liepāja beschließt den Austritt aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands

Turmspitze des Rigaer DomsWie von den Medien prophezeit (die LP berichtete darüber) beschloss die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands (LELB) am 3.6.2016, dass nur noch Männer ordiniert, also zum Priesteramt zugelassen werden dürfen. Von den im Rigaer Dom versammelten Bischöfen, Pröpsten, Pastoren und Laien stimmten 201 dafür, die LELB-Verfassung diesbezüglich zu ändern. 59 stimmten dagegen, 22 enthielten sich. Das ergab eine Mehrheit von 77,3 Prozent, weil die Enthaltungen nicht beachtet wurden und nur so die notwendige Dreiviertelmehrheit zustande kam. Die lettischen Geistlichen begründen ihre Entscheidung biblisch. Lsm.lv zitierte den Rigaer Erzbischof Jānis Vanags, der sich auf die Bibelstelle 1. Korinther 14,34 bezog: „Die Frauen sollen schweigen in den Versammlungen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in den Versammlungen zu reden.“ Am Dom protestierten fünf Frauen spontan gegen den Beschluss der versammelten Männerrunde. Eine Befragte wies gegenüber lsm.lv auf den großen Einfluss hin, den die katholische und protestantische Kirche auf Politik und Gesellschaft, damit auch auf ihr Leben ausübten. “Daher möchte ich nicht, dass solche mittelalterlichen, hinterwäldlerischen, finsteren Ansichten, die im Inneren der Kirche herrschen, von dieser auf die heutige lettische Gesellschaft übertragen werden können.” Auch innerhalb der LELB dürfte der Beschluss zum Zwist führen. Zum Beispiel ist Linards Rozentāls, Pfarrer der Luther-Gemeinde in Riga, der größten Lettlands, nicht einverstanden. Als Student habe er noch gemeinsam mit Studentinnen gelernt. Alle hätten das Ziel gehabt, Geistliche zu werden. Doch dann änderten sich die Verhältnisse und die Frauen hätten sich ins Ausland begeben, weil ihnen seit dem Amtsantritt Vanags` als Erzbischof die Ordination verwehrt wurde. Das berichtete Rozentāls im Programm von LTV. Am 5.6.2016 reagierte die Kreuzkirchengemeinde in der westlettischen Hafenstadt Liepāja. Sie entschied sich, aus der LELB auszutreten. Lettlands erzkonservative Lutheraner isolieren sich im Lutherischen Weltbund und provozieren den Bruch mit befreundeten Kirchen. Oberkirchenrat Wolfgang Vogelmann war als Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche Norddeutschlands als Gast auf der Synode anwesend. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses verkündete er den Versammelten offen, dass ihre Kirchen zukünftig in einigen Fragen getrennte Wege gingen.

Die Turmspitze des Rigaer Doms, Foto: LP

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