logo
Münster, 26.6.2017
Letten gedenken der Barrikadenzeit vor 25 Jahren PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 20. Januar 2016 um 00:00 Uhr

Mit zivilem Widerstand die militanten Angreifer besiegt

Barrikadenmauer vor dem Parlament in Riga„Die Erneuerung des lettischen Staats und damit das Erwachen des Volkes sind bedroht. Heute schickt das Imperium ebenso wie im Jahr 1905 schwarze Hundertschaften gegen uns, ebenso wie 1940 will uns der rote Faschismus auslöschen.“1 Das verkündete am 12.1.1991 die lettische Volksfront, die für die Unabhängigkeit ihres Landes von der Sowjetunion kämpfte. Das Zitat zeigt, dass am Ende der Sowjet-Ära die historischen und politischen Zuordnungen durcheinander geraten waren. Die UdSSR hatte die Hoffnungen vieler längst enttäuscht. Vor 25 Jahren, als der Krieg zwischen den USA und dem Irak die Medien beschäftigte, versuchten sowjetische Politiker, mit militärischer Gewalt die baltischen Befreiungsbewegungen zu stoppen. Am Neujahrstag 1991 besetzten OMON-Milizen des sowjetischen Innenministeriums das Rigaer Pressehaus. Das war der Beginn eines mehrwöchigen Kampfes um die Zentralen der Macht in der lettischen Hauptstadt. Es war ein Streit zwischen einem stark bewaffneten Goliath und einem militärisch wehrlosen David. In der Rolle des Letzteren befand sich die lettische Volksfront. Sie hatte nur die Chance, mit Barrikaden und zivilen Fahrzeugen die OMON-Panzer vom Parlament, Regierungssitz, Radio- und Fernsehstationen sowie der Telefonzentrale fernzuhalten. Dieser scheinbar aussichtslose Widerstand ohne Waffen entwickelte sich zu einem Lehrstück der zivilen Verteidigung. Nach gewaltsamen Angriffen, bei denen fünf Menschen direkt oder indirekt ihr Leben verloren, mussten die OMON-Milizen wieder abziehen und die Letten waren der ersehnten Unabhängigkeit etwas näher gekommen. Die Barrikadenzeit ist Teil des kollektiven Gedächtnisses. An sie wird in diesen Tagen mit vielen Gedenkveranstaltungen erinnert.

Auch eine Mauer wurde vor dem Parlament errichtet, Foto: "Riga barricade 1991" by Apdency - Paša darbs. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Weiterlesen...
 
Jānis Vaišļa starb in der Berliner Charité PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 09. Januar 2016 um 17:21 Uhr

Die lettische Nachrichtenagentur BNS berichtete am 9.1.2016, dass der Künstler und Weltreisende in der Nacht zum Samstag der seltenen Krankheit Amyloidose erlag. Diese hatte sein Herz in kurzer Zeit so sehr geschädigt, dass Vaišļa am Dienstag letzter Woche zur Transplantation nach Berlin gebracht werden musste. Die Krankheit erforderte schnelles Handeln. Nach einem europaweiten Aufruf spendeten im Dezember etwa dreieinhalbtausend Menschen, um sein Leben zu retten. 95.863 Euro kamen zusammen, den Rest brachten Angehörige und Freunde auf. Für die Transplantation wäre insgesamt ein Betrag von 120.000 Euro erforderlich gewesen. Nun muss Vaišļas Familie entscheiden, was mit dem Geld geschieht, denn leider wird es für die Operation nicht mehr benötigt.

Weiterlesen...
 
Krišjānis Barons` Daina-Schrank PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 07. Januar 2016 um 11:38 Uhr

Wie die lettischen Volkslieder als Kulturgut entdeckt wurden

Der geöffnete Daina-Schrank1915 wurde der letzte Band der lettischen Volksliedsammlung "Latvju dainas" veröffentlicht. Die Mitarbeiter des LU-Instituts für Literatur, Folklore und Kunst nahmen das 100jährige Jubiläum im letzten Jahr zum Anlass, am 2. und 3.11.2015 eine Konferenz zum Thema zu organisieren und zudem ein Buch mit dem Titel "No dainu skapja līdz `Latvju dainām`" (Vom Daina-Schrank bis zu "Latvju dainas") herauszugeben. In diesem Forschungsbericht ermittelten die Autorinnen Māra Vīksna, Elga Melne und Beatrise Reidzāne die Entstehungsgeschichte einer der weltweit umfangreichsten Liedersammlungen. Sie ergründeten die Prinzipien, nach denen der "Vater der Dainas", Krišjānis Barons, die 268.815 Zettel mit einzeln notierten Volksliedern in seinem Schrank ordnete und redigierte. Außerdem untersuchten sie die orthographische Vielfalt, in der die Liedzeilen notiert wurden. Das Buch enthält zusätzlich eine viele Seiten umfassende Liste der Sammler, die vor Ort mündlich überlieferte Lieder aufzeichneten, um sie Barons und anderen Sammlungsinitiatoren zu schicken. Nicht nur die mündliche Entstehung von Volksliedern, sondern ebenso ihre Aufzeichnung und Sammlung war eine Kollektivarbeit von vielen. Auch in diesem Fall regten Deutschbalten zur akademischen Entdeckung eines wichtigen Teils der lettischen Kultur an.

Der geöffnete Daina-Schrank, Foto: Didzis Grodzs 

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 9 von 33

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||