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Münster, 26.6.2017
9. Jugend-debattiert-Finale in Riga PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 24. Oktober 2015 um 05:30 Uhr

Osteuropäische Deutschschüler maßen sich in der Flüchtlingsdebatte

Anna Ryan mit SiegerurkundeDie Anspannung war am Morgen des 23.10.2015 groß. Die Kandidaten hatten am Frühstückstisch kaum einen Bissen herunter bekommen. Die Deutschlerner mit Spaß an politischen Diskussionen mussten sich einem großen Publikum stellen, zahlreiche Kameras waren positioniert und prominente Ehrengäste füllten die erste Reihe im großen Saal der lettischen Nationalbibliothek. Etwa vierhundert Neugierige erwarteten die vier Finalteilnehmer, die ein brandheißes Thema vor den Augen und Ohren einer gestrengen Jury debattieren mussten. Auf die Frage „Sollen alle Mitgliedsstaaten des Europarats jährlich eine Mindestzahl von Flüchtlingen aufnehmen?“ sollten sie eine entschiedene Pro- oder Contra-Position einnehmen, wobei ihnen Pro oder Contra per Losentscheid zugewiesen wurden. So entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet zwei Ungarinnen pro Flüchtlingsquote argumentieren mussten, aber bei der Nachfrage des Moderators sagten, dass das Pro-Los in etwa der eigenen Überzeugung entspreche. Alle Diskutanten meisterten die schwierige Aufgabe souverän, sich in einer Fremdsprache ein politisches Wortgefecht zu liefern. Die Jury entschied, dass die 18jährige Anna Ryan aus Ungarn sie am besten gelöst habe. Sie wurde zur Siegerin des „9. Jugend debattiert“-Finales erklärt.

Die Gewinnerin des Wettbewerbs Anna Ryan aus Ungarn, Foto: Kaspars Garda

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Gert von Pistohlkors: Die Deutschbalten und ihre Livländische Ritterschaft – Fluch oder Segen für Esten und Letten? PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 10. Oktober 2015 um 16:01 Uhr

Lettisches ParlamentsgebäudeAuf diese – nicht gestellte – journalistische Frage antwortete der Historiker in seinem Vortrag auf den Domus-Rigensis-Tagen 2015 in Wenden (Cēsis) wissenschaftlich differenziert. Der ausgewiesene Kenner deutschbaltischer Geschichte lieferte ein überzeugendes `sowohl als auch`, vereinte damit die gegensätzlichen „Narrative“, die jeweils einseitige geschichtliche Interpretationen hervorgebracht haben. Einige Historiker würdigen die ehemalige protestantisch-deutschbaltische Adelsschicht, weil sie eine spezielle baltische Kultur entwickelt hatte, die sich von der orthodox-russischen abhob. Trotz zaristischer Russifizierungsversuche misslang die Assimilierung der baltischen Einwohner. Andere kritisieren dagegen, dass deutschbaltische Besitzstandswahrung die Herausbildung des estnischen bzw. lettischen Nationalstaats verzögert hat. Pistohlkors wies auf die finnische Entwicklung hin, wo die schwedische Oberschicht früh die Nationalbewegung akzeptiert und unterstützt hatte, so dass sich dort bereits 1863 ein Landtag konstituierte, an dem finnische Bürger und Bauern beteiligt waren. In Livland hingegen, der mittleren Ostseeprovinz, die große Teile der späteren Staaten Lettland und Estland vereinte, blieb das Verhältnis der deutschbaltischen Oberschicht zu den Mehrheitsethnien widersprüchlich. Dies wird am wichtigsten Gremium adeliger Selbstverwaltung, der Ritterschaft, deutlich. Die Livländische Ritterschaft als regionale Selbstverwalterin leistete zwar einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung, der für alle Einwohner von Nutzen war. Der adelige Konservatismus verhinderte aber die rechtzeitige Teilhabe der indigenen Bevölkerung an Macht und Besitz – ein Versäumnis, das sich nach Erlangung der lettischen und estnischen Unabhängigkeit rächen sollte. Diese zwiespältige Historie erläuterte Pistohlkors an verschiedenen historischen Ereignissen und Entwicklungen.

Dieses Gebäude steht für historischen Wandel: Im heutigen lettischen Parlament, der Saeima, tagte einst die Livländische Ritterschaft, Foto: LP

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Mindaugas und Marta in Aglona – Eine Herzblattgeschichte eint Litauer und Letten PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 24. September 2015 um 00:00 Uhr

Ihr Denkmal wurde feierlich enthüllt

Denkmal für Mindaugs und Marta

Denkmal für Mindaugas und Marta in Aglona, Foto: Tatjana Komare, aglona.lv

Europäer nehmen die Balten einheitlicher wahr, als sie sind. Litauer und Letten beispielsweise sprechen zwar verwandte Sprachen, aber diese sind so unterschiedlich, dass sie sich auf Russisch oder Englisch verständigen. Recht verschieden sind auch die historischen Entwicklungen. Litauen stieg im Mittelalter zur europäischen Großmacht auf. Die Stämme, aus denen die Letten hervorgingen, wurden vom livländischen Orden und später von Russen, Schweden, Polen und einer deutschsprachigen Oberschicht beherrscht. Im 18. Jahrhundert eroberten die Zaren die gesamte baltische Region und machten aus ihr russische Ostseeprovinzen. Die Balten hatten zwischen konkurrierenden Großmächten ein oft grausames Schicksal. Zwischen den vielen Kriegen und Hungersnöten erfassten die Chronisten aber auch Herrscherromanzen. Mindaugas I., der die litauischen Stämme vereinte und damit die Basis für ein Großlitauen schuf, heiratete Marta, die der Legende nach aus dem lettischen Aglona stammte. Demnach war sie Lettgallerin, kam also aus einem der Stämme, aus denen später die lettische Nation hervorging. Zwischen katholischen und orthodoxen Herrschern waren sie die letzten Heiden. Auf Druck der benachbarten deutschen Mönchsritter ließen sich die beiden taufen und wurden 1253 als katholisches Königspaar in Vilnius gekrönt. Dieses Datum ist heute litauischer Feiertag. Litauer und Letten betrachten das christliche Paar als Teil einer gemeinsamen baltischen Geschichte. Der litauische Bildhauer Vidmants Gilikis (lettische Schreibweise) fertigte eine Skulptur zur Erinnerung an Mindaugas und Marta an. Sie wurde am 21.9.2015 auf dem Gelände der Wallfahrtsbasilika im lettischen Aglona enthüllt.

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