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Münster, 15.12.2018
Wegen der Dürre in Lettland: Landwirtschaftsminister Janis Duklavs traf EU-Kommissar Phil Hogan PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Montag, den 30. Juli 2018 um 00:00 Uhr

Klimaschutz nur proportional zu den Subventionszahlungen

Trockener WegLettischen Bauern macht weiterhin die Trockenheit zu schaffen. Darüber sprach Duklavs am 25. Juli mit dem EU-Agrarkommissar Phil Hogan in Brüssel. Die lettischen Bauern müssen mit Ernteeinbußen von 20 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr rechnen. Doch Hogan will für dieses Jahr keine Kompensationszahlungen bewilligen, stellt sie frühestens - wenn überhaupt - für das nächste Jahr in Aussicht. Zugleich äußerte der lettische Minister seine Unzufriedenheit mit den Kürzungen der Agrarsubventionen, die die EU-Kommission plant.

Nahaufnahme eines trockenen Feldwegs, Foto: Gohnarch 22:45, 18 January 2008 (UTC) - Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Duklavs zeigte sich nach seinem Treffen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Leta diplomatisch. Er meinte, dass Brüssel bereits Entgegenkommen demonstriert habe, beispielsweise erfolgten die Direktzahlungen für Landwirte in diesem Herbst früher als in den Vorjahren. Doch zusätzliche Kompensationszahlungen konnte er mit Hogan nicht vereinbaren. Beim EU-Kommissar klopfen momentan viele Bittsteller an. Wegen der diesjährigen Dürre haben bereits acht EU-Länder Bedarf angemeldet und weitere könnten folgen. Der Ire beauftragte den lettischen Minister, erst einmal einen detaillierten Bericht über die lettischen Ernteausfälle vorzulegen. Duklavs hatte bereits im Juni den Ausnahmezustand für die gesamte Landwirtschaft seines Landes verkündet. Das berechtigt lettische Bauern, Kredite zu stunden und macht staatliche Hilfen möglich. (laukos.lv)

Ein weiteres Thema der Unterredung waren die geplanten Kürzungen der Direktzahlungen, mit denen die EU die Landwirtschaft subventioniert. Lettische Minister beklagen schon seit Jahrzehnten, dass heimische Bauern bei der derzeitigen Subventionspraxis zu kurz kommen und deshalb auf den europäischen Märkten benachteiligt werden (LP: hier). Nun plant die EU-Kommission, das Agrarbudget ab dem Jahr 2021 um 15 Prozent zu kürzen. Duklavs ist damit nicht einverstanden. Das habe ungünstige Auswirkungen auf die lettische Landwirtschaft und kündigte weitere Gespräche über dieses Streitthema an. Zudem erörterte er mit Hogan neue EU-Vorschriften, die Bauern dazu verpflichten, mehr in den Umwelt- und Klimaschutz zu investieren. Der ZZS-Politiker verlangt, dass diese zusätzlichen finanziellen Ausgaben, zu denen die EU die Landwirte verpflichten will, nur proportional zu den erhaltenen Subventionen geleistet werden. Das bedeutet, dass lettische Bauern dann weniger für ökologische Maßnahmen ausgeben müssten, weil sie auch weniger Subventionen erhalten als ihre Konkurrenten in anderen EU-Ländern. Bei national unterschiedlichen Höhen der Subventionszahlungen seien gleiche Standards im Umweltschutz für alle Bauern nicht zu rechtfertigen. Hogan wies darauf hin, dass nicht er, sondern der Europäische Rat mit seinen nationalen Regierungschefs über die zukünftige Subventionspolitik entscheiden wird.

Die Ernte des kurländischen Sommerweizens begann zwei Wochen früher als bei normaler Witterung. Die Bauern berichten, dass die Ernte zwar geringer ausfällt, die Qualität aber überraschend gut sei. Es fehle aber an der niedrigsten Qualität, die zu Viehfutter verarbeitet wird. (lsm.lv) Edgars Ruza, Leiter der größten lettischen Kooperative im Getreideanbau, schätzt den Ernteausfall für lettische Landwirte auf rund 500 Millionen Euro. (lsm.lv) Allerdings hofft er auf höhere Preise an den Getreidebörsen: "Unsere Qualität ist besser als in Deutschland oder Frankreich. Damit kann unser Getreide für den Verkauf besser bewertet werden. Die Preise an den Börsen sind höher, wie das nun begründet wird, weiß man. Das ganze Frühjahr über sagte Russland, dass es eine riesige Ernte geben werde, aber den letzten Meldungen zufolge erwiesen sich die Ernten als gering. Möglicherweise ist es Spekulation, doch uns kommt es zugute, wenn die Preise für die Ernten hoch sind." Derzeit betrage der Preis für Weizen hoher Qualität 200 Euro pro Tonne, 60 Euro mehr als im Vorjahr. (lsm.lv)

 

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