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Münster, 24.4.2019
“Fridays For Future Latvia“ PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 16. März 2019 um 00:00 Uhr

Nun protestieren auch lettische Schüler freitags gegen die klimapolitische Ignoranz der Erwachsenen und ihrer politischen Vertreter

Greta ThunbergLettische Medien berichten von „mehr als hundert Schülern“ (lsm.lv) oder von „mehreren hundert Schülern“ (delfi.lv), die am 15. März 2019 erstmals dem Aufruf der Schwedin Greta Thunberg folgten, um freitags gegen das weltweit verbreitete Nichtstun in Sachen Klimaerwärmung zu protestieren. Allerdings erfolgte die Freitagsaktion verdächtig spät: Um 15:30 Uhr nachmittags. So kann von einem echten Streik noch nicht die Rede sein, denn es blieb zuvor noch genügend Zeit, die Schulbank zu drücken. Doch „sakums ir“, sagt der Lette – der Anfang ist gemacht...

Greta Thunberg und ihre Mitkämpferinnen und Mitkämpfer müssen sich vielfach des Hohns und Spotts und der umweltpolitischen Ignoranz mancher Erwachsener erwehren, Foto: Anders Hellberg - Own work, CC BY-SA 4.0, Link

Die Jugendlichen trafen sich im Wöhrmannpark in Rigas Innenstadt, um mit Plakaten vom benachbarten Ministerkabinett bis zum Parlament zu ziehen. „Aufwachen, die Erde brennt“, „Unser Planet, unsere Verantwortung“ oder „Act now“ lauteten die Parolen. Das Lettische Radio befragte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, weshalb sie mit dem Verhalten ihrer Regierung und ihrer (häufig) älteren Mitbürger unzufrieden sind. Ein Demonstrant antwortete, dass die politischen Maßnahmen im Umweltbereich sehr kurzfristig seien und die Politiker nicht an die Zukunft denken. Bei den Problemen des Klimawandels müsse die ganze Welt zusammenarbeiten, nicht nur die EU, sondern auch China, Russland, USA. Ein anderer meinte, dass sich die Zivilisation weit ausgebreitet habe, der Mensch mit seiner Arbeit, mit Industrie, Landwirtschaft, auch sonstige menschliche Tätigkeiten, „und wir, die Jugendlichen und alle übrigen Menschen, welche dieses Thema besorgt, müssen sich solidarisieren und von den Politikern Taten einfordern.“ Und eine Demonstrantin wies darauf hin, dass für eine große Menge das Thema wichtig sei. „Wenn Kinder und Heranwachsende eine schöne Zukunft wollen, müssen sie selbst diese gestalten, man darf nicht darauf warten, dass andere an unserer Stelle hingehen, um für ein schönes Lettland zu kämpfen.“

Damit gehört nun auch Lettland zu den inzwischen über 120 Ländern, in denen die Bewegung “Fridays For Future“ Fuß gefasst hat. Auch hierzulande stellen die Klimaforscher eine langfristige Tendenz zur Erwärmung fest (LP:hier). In den letzten Jahren bereiteten ungewöhnliche Wetterereignisse den Landwirten Probleme. Den heftigen Regenfällen im Herbst 2017, welche große Teile der Ernte verdarben (LP:hier), folgte im letzten Jahr der nach metereologischen Kriterien längste Sommer Lettlands (LP:hier), der mit Temperaturrekorden und Dürreperioden einherging (LP:hier). Die heiße Trockenheit verursachte großflächige Brände auf dem Militärgelände von Adazi und in einem kurländischen Torfgebiet (LP:hier). Wie in anderen EU-Ländern bleibt das Engagement für die Umwelt der politisch Verantwortlichen bislang gering (LP:hier).

“Fridays For Future Latvia“ organisiert sich über eine eigene Facebook-Seite. Lettische Nichtregierungs- und Umweltorganisationen unterstützen die Schüler. Vita Jaunzeme, Vorsitzende der Umweltinitiative „Liela Talka“ begrüßt Schülerstreiks, gerade diese Schüler gehörten zu einer Generation, die sehr mutig, talentvoll und mit sehr guter Gesundheit ausgestattet sein müsse, um gegen die alten Dogmen und Gewohnheiten vorzugehen. „Das wird eine einzigartige Generation,“ meint Jaunzeme. Zwar könne ein solcher Streik nicht unmittelbar etwas bewirken und sich mit der Zeit zur missbrauchten Show entwickeln, dennoch hofft sie, dass viele darüber nachdenken werden, welche Signale die Jugendlichen aussenden und dass sie in einer sauberen, schönen, gesunden Umwelt leben wollen. „Und das wollen wir in Wirklichkeit doch alle.“ (delfi.lv)

 

Externer Linkhinweis:

youtube.de: BPK: "Scientists for Future" zu den Protesten für mehr Klimaschutz - 12. März 2019

 

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