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Lettland: Regierung weiter auf Atom-Kurs PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 28. April 2012 um 00:00 Uhr

Geigerzähler in Visagina26 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl und ein Jahr nach der Fukushima-Katastrophe halten die Regierungen der baltischen Länder unbeirrt am Plan fest, in der litauischen Stadt Visaginas ein neues Atomkraftwerk zu errichten. Žīgimants Vaičūns, Stellvertreter des litauischen Energieministers, unterzeichnete am 30.3.12 einen Konzessionsvertrag mit dem japanischen Kraftwerksbauer Hitachi. Das Abkommen muss noch von der litauischen Regierung gebilligt und dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Nachrichtenagenturen LETA und ELTA nennen Kosten von mehr als fünf Milliarden Euro, die für den neuen 1300-Megawatt-Meiler benötigt werden. Litauen will sich mit 1,45 Milliarden Euro beteiligen. Die Litauer müssen derzeit 60 Prozent ihres Strombedarfs aus dem Ausland importieren. Letten und Esten beabsichtigen, das litauische Kraftwerk mitzufinanzieren. Der Energieversorger Polska Grupa Energetyczna hingegen ist im vergangenen Dezember erst einmal aus dem Projekt ausgestiegen. Der lettische Regierungschef und studierte Physiker Valdis Dombrovskis befürwortet nach wie vor das neue Akw, das an der Grenze zu Lettland gebaut werden soll.

Der Geigerzähler von Visagina, wo sich sechs Kilometer entfernt die Akw-Ruine Ignalina befindet, Foto: Feens auf Wikimedia Commons

 

Dombrovskis: "Vorantreiben, nicht verhindern"

Trotz zunehmender Kritik aus der Opposition rechtfertigt Dombrovskis die lettische Beteiligung. Er nahm im März 2012 dazu in der Wochenzeitschrift Veida Stellung: „Derzeit müssen wir darüber nachdenken, wie wir das Projekt vorantreiben und nicht, wie wir es verhindern.“ Alle begriffen die zunehmende Bedeutung einer gesicherten und unabhängigen Energieversorgung. Er glaubt, dass der Meiler, der ab 2020 ans Netz gehen soll, ein kommerzieller Erfolg für die Investoren wird. Darauf hofft auch Wirtschaftsminister Daniels Pavļuts, der sich am 25. April in Riga mit Hitachi-Vertretern traf. Der Minister deutete aber an, dass vieles nicht geklärt sei. Juris Pūce, Staatssekretär in Pavļuts` Ministerium, ist sich nicht sicher, ob sich der staatliche lettische Stromversorger Latvenergo tatsächlich am Kraftwerk im Nachbarland mit 20 Prozent beteiligen wird. Dies solle er nur, wenn sich das Vorhaben rechnet. Für die lettische Energiesicherheit sei Visagina nicht so bedeutend, dass sich der Staat engagieren müsse. Um rentabel zu sein, soll der Neubau, mit dem 2014 begonnen wird, billiger Strom liefern als ihn die skandinavische Strombörse Nord Pool Spot anbietet. Die lettische Regierung hofft auf Geschäfte mit den nordeuropäischen Ländern.

Domvrovskis und Kubilius

Am 2. Dezember 11 reiste Premier Valdis Dombrovskis (rechts) nach Litauen, um seinen litauischen Kollegen Andrius Kubilius zu treffen, der ebenfalls studierter Physiker ist. Beide befürworten die Kernenergie, Foto: valstskanceleja auf flickr.com


Finanzielle Details um Visaginas noch ungeklärt

Laut delfi.lv legte die litauische Regierung am 25.4.12 einen Business-Plan zu Visaginas vor, der feststellt, dass die Kreditfinanzierung günstig sei und für Litauen kein großes fiskales Risiko bestehe. Der litauische Premier Andrius Kubilius prognostiziert, dass die Betreiber weniger als die veranschlagten fünf Milliarden Euro aufwenden müssten. Doch Details nannte seine Regierung nicht und Rimants Vaitkus, Generaldirektor des Visaginas-Projekts, wollte sich zu den vagen Zahlen nicht äußern. Noch seien die Verhandlungen mit den Investoren nicht abgeschlossen. Deshalb könne man noch nicht präzise sagen, was das Kraftwerk kosten wird. Die Akw-Bauer suchen immer noch Geldgeber. Der litauische Energieminister Arvīds Sekmoks hofft, dass die Polen doch noch einsteigen und weitere Investoren Interesse zeigen.

 

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Externe Linkhinweise:

diena.lv: Lietuva parafējusi Visaginas AES koncesijas līgumu

diena.lv: Dombrovskis: Latvijai vissvarīgākais ir Visaginas AES komerciālais izdevīgums

delfi.lv: Pavļuts un 'Hitachi' pārstāvji pārrunā Visaginas AES projekta virzību

delfi.lv: Lietuva vēl neatklāj Visaginas AES projekta finansiālos riskus

 

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