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Münster, 26.9.2017
Letten liefern den Ungarn Stacheldraht PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 26. September 2015 um 00:00 Uhr

"Lösung der Flüchtlingsfrage": Die EU zäunt sich ein

Vogel auf StacheldrahtWas für die einen das Ende des europäischen Gedankens bedeutet, gilt anderen als notwendiges Übel. Die ungarische Regierung lässt von 500 Soldaten eine 175 Kilometer lange Grenzanlage aufbauen. Sie ist mit scharfen Dornen bespickt. Ungarns Christnationale wollen Flüchtlinge an der Grenze zu Serbien vom „illegalen“ Grenzübertritt abhalten. Nun meldete Rigas „SIA Žogu fabrika“, also die „Zäunefabrik GmbH“, dass sie für Viktor Orbans EU-Grenzmark Stacheldraht liefern wird. Ihr Chef Dmitrijs Gorņevs nutzt diesen Handel als PR-Aktion und informierte die Medien. Seine firmeneigene Webseite macht aus der Lieferung keinen Hehl.

Ein afghanischer Dornenvogel, Foto: „Galerida cristata -Kandahar, Afghanistan-8“ von Chris McArdle from Mission BC, Canada - Kandahar BirdUploaded by snowmanradio. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons.

 

"Lösung der Flüchtlingsfrage"

Nach eigenen Angaben beschäftigt die Rigaer Zaunfabrik mehr als 20 qualifizierte Mitarbeiter in einem vollautomatisierten Betrieb. Zu ihren Produkten gehören Metallzäune aller Art, ihr martialischster, der verzinkte Stacheldraht Ezis, könnte sich zum Exportschlager entwickeln. Großhändler suchen momentan solche Hersteller. In Europa ist die stachelige Ware sehr gefragt. Žogu Fabrika bezeichnet sich als einzige Firma aus dem baltischen Raum, die solche Qualität, die EU-Anforderungen genüge, liefern könne. Am 22.9.2015 verschickten die Rigaer Hersteller die ersten Drahtballen mit einer Gesamtlänge von vier Kilometern nach Ungarn. Sie erhielten postwendend einen Folgeauftrag. Innerhalb der nächsten beiden Wochen sollen die Letten weitere 30 Kilometer ihrer messerscharfen Ware für die ungarisch-serbische Grenze bereitstellen. Firmenchef Gorņevs wähnt Begriffe wie „Verantwortungsgefühl“ und „Lösung der Flüchtlingsfrage“ auf seiner Seite: „Wir sind uns unserer Produktionskapazität gewiss und werden die Bestellung in der zugesagten Zeit und Qualität liefern. Diesen Auftrag erfüllen wir mit großem Verantwortungsgefühl, denn die Lösung der Flüchtlingsfrage steht auf der Tagesordnung eines jeden EU-Mitgliedslandes,“ meint Gorņevs in seinem PR-Text.

Stacheldrahtzaun an der ungarisch-serbischen Grenze

Ungarischer Grenzzaun demnächst auch aus lettischer Produktion, „Hungarian-Serbian border barrier 5“ von Foto: Délmagyarország/Schmidt Andrea - http://www.delmagyar.hu/szeged_hirek/mar_lathato_a_kettos_kerites_morahalomnal/2441345/. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Auch Esten und Letten wollen die Stachelgrenze

Stacheldrahtproduzenten haben Zukunft in Europa. Die LTV-Nachrichtensendung „Panorama“ berichtete am 24.9.2015, dass auch Estland und Lettland ihre Außengrenzen mit abweisendem Stachelzaun unantastbar machen wollen. Die Letten teilen sich mit den ungeliebten Nachbarn, den Russen und Weißrussen, eine insgesamt 463 Kilometer lange Grenze. Das Wort „Zaun“ klingt recht blumig für das, was Spanier, Bulgaren, Ungarn, Griechen und demnächst dann auch die Balten an den EU-Außengrenzen errichten. Winston Churchills Metapher vom Eisernen Vorhang, die er für die Absperrungen der Ostblockstaaten benutzte, wäre die angemessenere Wortwahl – mit umgekehrten Vorzeichen natürlich, Leute werden nicht am Verlassen eines Landes, sondern am Hineinkommen gehindert. Todsicher wird diese Antwort auf die Flüchtlingsfrage allerdings nur mit Schießbefehl.

 

Externe Linkhinweise:

lsm.lv: Dzeloņstieple no Latvijas sargās Ungārijas robežu

zogufabrika.lv: paaugstinatas drosibas dzelonstieples piegade ungarijas robezai

 

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