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Münster, 11.12.2017
Afrikanische Schweinepest nun auch in Lettgallen festgestellt PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 22. Juli 2017 um 00:00 Uhr

„Schwer zu sagen, wie wir das alles überstehen sollen“

Infiziertes SchweineohrEin fröhliches Schweinegesicht schwebt über den Schriftzug „Latgales Bekons“. Er ziert Wurst und Pasteten auf der hauseigenen Webseite (bekons.lv). Der Fleischproduzent ist der größte in der ostlettischen Region Lettgallen. Der Betrieb befindet sich in der Gemeinde Viski, in der 2000 Menschen und dazu 6000 Schweine in Bekons` Ställen leben - letztere wahrscheinlich nicht mehr lange. Denn die staatlichen Veterinäre haben auch in ihren Reihen die afrikanische Schweinepest entdeckt, die nur durch Massentötungen bekämpft werden kann. Darüber informierte die zuständige Behörde am 15.7.2017 (zm.gov.lv ).

Ohrblutung als Symptom der afrikanischen Schweinepest, Foto: Gemeinfrei, Link

 

Unbeherrschbare Seuche

Dies ist schon der dritte lettische Großbetrieb, bei dem die hochinfektiöse Tierseuche festgestellt wurde. Die Besitzer versichern, alles für die „Biosicherheit“ getan zu haben. Die Prüfer hätten keine Sicherheitslücken festgestellt. Wahrscheinlich übertragen Wildschweine den Virus. In den nächsten Tagen enden auch die 6000 Schweine von Viski in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt. Der staatliche Veterinärdienst legt wieder einmal Sicherheitszonen fest, in denen Schweine nicht mehr transportiert werden dürfen und Ordnungshüter die aus den Tieren wertgeschöpften "Produkte" verschärft kontrollieren. Derweil beklagt Dzintra Lejniece, Vorsitzende des Lettischen Verbandes der Schweinezüchter (LCAA), den Seuchenbefund als „Tragödie“, der Besitzer sei „im Schock“. Sie fügt resignierend hinzu: „Wir haben begriffen, dass dieser Virus völlig unbeherrschbar ist, das ist mit dem Verstand nicht nachvollziehbar. Wir können diese Krankheit tatsächlich weder bekämpfen, noch mit ihr zurechtkommen (lsm.lv).“ Radiojournalistin Karina Vaznaja befragte zudem den Gemeindevorsteher von Viski, Janis Proms. Der Betrieb, der 69 Mitarbeiter beschäftigt, habe für seinen Ort eine sehr große Bedeutung. „Momentan wird überhaupt niemand ins Unternehmen gelassen. Das Gelände ist abgesperrt, Polizeiposten sind aufgestellt, dort arbeitet der Lebensmittel- und Veterinärdienst. […] Es ist schwer zu sagen derzeit, wie wir das alles überstehen sollen und was dann weiter geschieht.“ Russland untersagte wegen der afrikanischen Schweinepest in polnischen und baltischen Gebieten die Einfuhr von Schweinen und Schweinefleisch aus der gesamten EU. Deutsche Behörden fürchten ein Einschleppen der Seuche. Der Erreger kann in Fleisch und Wurst monatelang überleben, ist aber für Menschen ungefährlich. Im Juni 2014 wurde die Krankheit erstmals auf lettischem Territorium festgestellt, seitdem wurden bereits viele tausend Schweine getötet und entsorgt.

 

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