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Münster, 14.12.2018
Lettischer Staatspräsident Raimonds Vejonis zum 100jährigen Jubiliäum der Republik PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 24. November 2018 um 15:43 Uhr

„Höchste Bekundung des Patriotismus`“

Raimonds Vejonis, ParadeTraditionell hält der lettische Staatspräsident am Nationalfeiertag, an dem am 18. November 1918 die lettische Republik verkündet wurde, zwei öffentliche Ansprachen, nachmittags vor der Armee, die ihm im Kriegsfall unterstellt ist, und abends am Nationaldenkmal. Seit 2015 übt Raimonds Vejonis das Amt des Staatsoberhauptes aus. Er ist Mitglied der Union der Grünen und Bauern und war vor seinem Einzug in die Rigaer Burg Verteidigungsminister. Auf der Tribüne am Daugava-Ufer, an der Soldaten, Grenzschützer, Polizisten, Nationalgardisten, Junggardisten und Feuerwehrleute vorbeidefilierten, erinnerte Vejonis an die Ereignisse, die vor 100 Jahren die Staatsgründung ermöglichten, dabei sparte er nicht mit militärischem Pathos und Nationalstolz.

Staatspräsident Raimonds Vejonis, ganz rechts im Bild, bei der Abnahme der Militärparade am 18.11.18 am Daugava-Ufer, Foto: Kanzlei des lettischen Staatspräsidenten, president.lv


Der Präsident wies die Versammelten darauf hin, wie prächtig nun die lettische Flagge auf seinem amtlichen Sitz, der Rigaer Burg, und im ganzen Land wehe. „Lettlands Soldaten trugen unsere Flagge in den Freiheitskämpfen von Liepaja und Cesis her. Sogar während der Kämpfe gegen Bermondt behütete sie das Volk hoch erhoben über Riga. Damals erhoben sich Groß und Klein für unser Land. Die lettischen Studenten gehörten zu den ersten, die sich damals für die Verteidigung Lettlands einsetzten, indem sie die Gesonderte Studentenrotte formierten. Und neben ihnen in unserem ewigen Gedächtnis: Die Schülerrotte des Cesis-Regiments. Kinder, die von der Schulbank aus in den Kampf für Lettland zogen. Sie opferten ihre Träume und ihr Leben, damit Lettland eine Zukunft habe und wir heute unsere Träume leben können.“ (president.lv) Doch in der weiteren Geschichte des 20. Jahrhunderts missachteten benachbarte Großmächte die eigene Souveränität, die eigene Unabhängigkeit: „Wir wissen, wie schwer sie zu schützen ist, denn wir haben erlebt, wie schnell wir sie verlieren können und wie schwer es ist, sie wieder zu gewinnen. Die Geschichte hat stets die patriotische Entschlossenheit Lettlands bekundet, das eigene Land zu verteidigen.“

Panzerparade

Lettisches Militär präsentierte seine Neuanschaffungen, Foto: Kanzlei des lettischen Staatspräsidenten, president.lv

Dann erinnerte der Präsident daran, dass Lettland seine Verteidigungsfähigkeit in den letzten Jahren beachtlich verbessert habe. Die Armee sei gestärkt, ihre Ausstattung modernisiert und die militärische Bereitschaft erhöht worden. An der Nationalen Verteidigungsakademie habe man in dieser Zeit eine neue Offiziersgeneration ausgebildet. Er zeigte Genugtuung, dass sich immer mehr Lettinnen und Letten in den Freiwilligenverbänden der Zemessardze, einer Art Nationalgarde, und in der militärischen Nachwuchsorganisation Jaunsardze engagierten: „Immer mehr lettische Bürger entschließen sich zur Mitwirkung in der Zemessardze, um freiwillig dem eigenen Land zu dienen und sich um seine Verteidigung zu kümmern. Das zeugt nicht nur vom hohen Ansehen der Zemessardze, sondern vom wachsenden Wunsch der Einwohner, sich einzubringen und Verantwortung für sich, ihre Angehörigen und für die Zukunft des Vaterlandes zu übernehmen.“ Damit verbindet Vejonis Patriotismus eng mit dem Militärischem, heißt dies auch für Heranwachsende gut: „Indem eine Jaunsardze-Schar heranwächst, formt sich in Lettland eine neue patriotische Generation, die Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, wie man unser Lettland verteidigt,“ und: „Mit den Waffen in den Händen für die eigene Heimat einzustehen ist die höchste Bekundung des Patriotismus`.“

Burschenschaftler bei der Militärparade am 18.11.18

Auch Burschen im Halbwichs, mit Deckel und in Farben, machten ihre Aufwartung bei der Militärparade, Foto: Kanzlei des lettischen Staatspräsidenten, president.lv

Auch am Abend betonte Vejonis am Nationaldenkmal das Glück, in einem unabhängigen, freien Lettland zu leben und erinnerte an eine Wendung des Dichters Janis Rainis: Wer keine Demokratie wolle, der wolle auch keinen lettischen Staat (president.lv). Für Vejonis bedeuten diese Worte auch eine Verpflichtung für die Zukunft: „Nur der demokratische Staat garantiert gleiche Rechte vor dem Gesetz und Sicherheit für jeden von uns.“ Auf dieser Grundlage entwickelte der Präsident eine Zukunftsvision: „Ich sehe in Zukunft ein Volk, das stolz sich in lettischer Sprache unterhält und dessen Kultur die ganze Welt bewundert. Ein Land, wo stets die Schwächsten unterstützt werden und die Hervorragendsten jeden dazu inspirieren, seine Ziele zu erreichen,“ und: „In hundert Jahren gestählt und geschmiedet sind wir zur Nation gereift. Gereift für die Verantwortung für das eigene Land und dessen unantastbaren Platz in Europa. Wir werden auch unseren Teil für das gemeinsame Schicksal unseres Planeten annehmen.“

Vejonis am Nationaldenkmal vor der Menge

Vejonis bei der abendlichen Ansprache am Nationaldenkmal, Foto: Kanzlei des lettischen Staatspräsidenten, president.lv

Von der LSM-Journalistin Odita Krenberga um einen Kommentar gebeten, wertete die Leiterin des Think Tanks "Providus", Iveta Kazoka, die vom Staatspräsidenten gewählten Worte am Nationaldenkmal recht positiv. „Denn meiner Meinung nach waren die zusammengefügten Akzente – welches Lettland müsste eine Zukunft haben, eines mit Selbstbewusstsein, eines, das schon herangewachsen ist, welches von anderen weniger fordert, mehr selber gibt, das sich in Europa befindet, das über globale Angelegenheiten nachdenkt und sich für diese verantwortlich zeigt. Nun, das sind solche für die lettische Politik recht erfrischenden Akzente.“ (lsm.lv)

 

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