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Münster, 26.9.2017
Lettlands Kranke zahlen mehr als ihre Nachbarn in Estland und Litauen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 25. April 2013 um 00:00 Uhr

Klimts MedizinDer Pressesprecher des Gesundheitsministeriums, Oskars Šneiders, gestand am 24.4.13 dem Webportal tvnet.lv, dass die Selbstbeteiligung lettischer Patienten bei den Krankheitskosten höher ist als in den Nachbarstaaten Estland und Litauen. Aus dem Staatsbudget finanziert der Gesundheitsminister zwar 60,3 Prozent aller medizinischen Kosten (laut Eurostat, diese und die folgenden Zahlen wurden 2008 ermittelt, eine neuere Angabe liegt nicht vor), doch 37,3 Prozent müssen die Kranken aus eigener Tasche zahlen (zum Vergleich: Deutschland 12,7 Prozent). Ein Krankenkassensystem existiert hierzulande nicht und nur wenige Arbeitgeber gewähren ihren Angestellten Krankenversicherungen. Diese decken nur zwei Prozent der Ausgaben. Für Ärmere werden Krankheitskosten zum sozialen Risiko. Vieles muss der Betroffene selbst zahlen, der Staat finanziert nur Hilfe in medizinischen Notfällen und investiert wenig in die Vorsorge.

Gustav Klimts Vorstellung von Medizin, Bild: Wikimedia Commons

 

In Zukunft sollen sich die Krankenhausgebühren halbieren

Seit 2008 dürfte sich die Lage kaum verbessert haben. Die Regierung kürzte 2009, als die staatliche Übenahme der bankrotten Parex-Bank den Fiskus überforderte, bei der medizinischen Versorgung drastisch: Krankenhäuser wurden geschlossen, Personal entlassen, Gehälter gekürzt und Patienten müssen seitdem noch mehr zuzahlen. Außerdem verlangen nicht wenige Ärzte Schwarzgeld. Šneiders nannte baltische Vergleichszahlen: In Lettland betrage der staatliche Anteil für medizinische Leistungen nur 3,2 Prozent vom Bruttoinlandprodukt, in Estland und Litauen sind es hingegen um die 5 Prozent. Die Folgen sind höhere Eigenbeteiligungen. Nach einer Tabelle, die tvnet auf facebook fand, leisten Letten deutlich höhere Eigenbeteiligungen als ihre Nachbarn. Ein lettischer Patient muss für den Besuch des Hausarztes 1 Lats, für den Facharzt 3 Lats, für einen Tag im Krankenhaus 9,50 Lats und für eine Operation 30 Lats (43 Euro) aufbringen. Das klingt - an deutschen Gesundheitskosten gemessen - noch recht übersichtlich. Doch auch lettische Löhne sind deutlich geringer, schon eine Operation ist unter solchen Umständen für manchen unerschwinglich. Zumindest in Sachen Gesundheitskosten lebt es sich in den baltischen Nachbarländern unbekümmerter: In Litauen ist der Gang zu den Ärzten und eine Krankenhausbehandlung kostenlos, in Estland weitaus günstiger. Šneiders betont, dass auch in Lettland bestimmte Gruppen von Zuzahlungen befreit sind. Aber Armut ist dabei nicht das einzige und vorrangige Kriterium. So müssen Kinder, Schwangere und Mütter bis 42 Tage nach der Geburt nicht ins Portemonnaie greifen. Auch Personen, die politisch verfolgt wurden, Aktivisten der lettischen Widerstandsbewegung und Invalide, die an den Folgen ihres Katastrophen-Einsatzes von Tschernobyl leiden, müssen nichts zahlen. Aber eine generelle Kostenbefreiung für alle, die kein Mindesteinkommen erzielen, existiert nicht. Šneiders stellte den Plan seines Ministeriums in Aussicht, die Krankenhausgebühren in Zukunft auf die Hälfte zu senken.

 

Externe Linkhinweise:

eurostat.ec: Healthcare expenditure by financing agent, 2009

tvnet.lv: Latvija atkal izceļas negatīvi: mūsu slimniekiem jāmaksā visdārgāk

 

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