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Münster, 17.8.2018
Lettland: Rätselraten um mögliche ukrainische oder russische Käufer von Liepājas Metalurgs PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 11. September 2014 um 06:47 Uhr

Geriffelte MetallstangenEs war ein schwerer Schlag für die westlettische Hafenstadt Liepāja: Ihr größter Arbeitgeber, der Stahlproduzent Liepājas Metalurgs (LM) meldete im letzten Jahr Zahlungsschwierigkeiten. 1600 Arbeiter verloren ihre Stelle und der bürgende Staat musste den UniCredit in Höhe von 73,59 Millionen Euro übernehmen. In dieser Woche machen zwei Kaufinteressenten Schlagzeilen: Die ukrainische KVV Group und der russische Millionär Igor Shamis. Obwohl Shamis 13 Millionen Euro mehr bietet, soll die KVV Group den Zuschlag erhalten.

Das Produkt von Liepājas Metalurgs: Moniereisen, Foto: Magnus Manske auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

Bērziņš und Straujuma wollen die Ukrainer

Die lettischen Medien meldeten am 9.9.2014, die KVV Group sei der Käufer von Metalurgs. Die Ukrainer bieten für das verschuldete Stahlwerk 107 Millionen Euro. LM-Konkursverwalter Haralds Velmers hat sich offenbar für dieses Angebot entschieden, obwohl die in Luxemburg registrierte United Group, die Shamis gehört, mehr zahlen will. Staatspräsident Andris Bērziņš und Laimdota Straujuma begrüßten bereits diese Entscheidung. Vor Journalisten verkündete Bērziņš seine Zufriedenheit, es sei eine vernünftige und angemessene Wahl. Auch Straujuma hält die Ukrainer für die besseren Käufer. Nicht nur die Kaufsumme sei entscheidend, sondern auch Zahlungsgarantien und die Möglichkeit, noch in diesem Jahr die Produktion wieder aufzunehmen. Doch inzwischen hegen Journalisten erste Zweifel. Reporter des lettischen Fernsehens LTV gelang es bislang nicht, Vertreter der möglichen Käufer zu einer Stellungnahme zu bewegen. Angekündigte Pressekonferenzen wurden verschoben. Im Privatsender LNT bekannte Straujuma, dass die KVV Group eng mit dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch verbunden gewesen sei, das Untenehmen habe einem Parteifreund Janukowitschs gehört. Doch vom lettischen Geheimdienst habe sie nichts erfahren, was gegen die Käufer spricht und nicht alle Unternehmer, die wie die KVV Group auf der Krim tätig sind, seien Separatisten oder für die derzeitige Lage dort verantwortlich. Die Regierung hofft auf eine Vertragsunterzeichnung bis Ende September. Konkurrent Igor Shamis informierte derweil die Journalisten. Er sieht sich noch nicht aus dem Rennen.

Viele kleine Teile als Altmetall

Der Rohstoff von Liepājas Metalurgs: Schrott, Foto: Sandstein auf Wikimedia Commons, Lizenz

Shamis warnt vor ukrainischem Schrott

Shamis will die Entscheidung der lettischen Regierung respektieren, aber er sehe sich noch nicht als Verlierer. Seines Wissens sei der Vertrag noch nicht entworfen und unterzeichnet. Da könne es noch Änderungen geben und sein Gefühl sage ihm, dass diese eintreten werden. Er stellt eine Modernisierung von Metalurgs in Aussicht. Bislang produziert das Stahlwerk aus Schrott Moniereisen. Dafür ist auf dem Weltmarkt die Nachfrage zu schwach. Möglicherweise müssten die westlettischen Stahlwerker neue Produkte entwickeln, die zunächst zu Dumpingpreisen neue Käufer finden könnten. Das alles müsste in einem Plan zur geschäftlichen Entwicklung untersucht werden. Shamis versteht nicht, warum die Letten bislang die KVV Group bevorzugten und hofft, dass keine politischen Erwägungen die Entscheidung beeinflussten. Über seine Konkurrenten wisse er nicht viel, nur dass die Basis der KVV Group das Sammeln und Aufbereiten von Schrott sei. Es sei für Lettland nicht vernünftig, den eigenen Schrotthändlern Konkurrenz zu machen und Altmetall aus der Ukraine einzuführen. Importierter Schrott komme immer teurer.

 

Zusatz am 12.9.2014: Nach dem Auftritt von Shamis hat nun auch ein KVV-Vertreter sich der Presse gezeigt. Er kündigte Investitionen in Höhe von 30 Millionen Euro an. Die Produktion soll in diesem Jahr beginnen. Mit dem lettischen Konkursverwalter Haralds Velmers wurde ein Vorvertrag geschlossen. Dieser begründete seine Entscheidung für das niedrigere Kaufangebot betriebswirtschaftlich: Die Ukrainer böten bessere Zahlungsgarantien.

 

Weiterer LP-Artikel zum Thema:

Lettischer Stahlproduzent Liepājas Metalurgs in Zahlungsschwierigkeiten

 

Externe Linkhinweise:

diena.lv: Straujuma: No drošības iestādēm nav saņemta informācija, kas liegtu "Liepājas metalurga" pircējam darboties Latvijā

liepajniekiem.lv: Papildināts - Šamiss par "Liepājas metalurgu" piedāvāja samaksāt 120 miljonus eiro

lsm.lv: «Metalurga» pircēji «KVV Group» vēl nestāsta par saviem plāniem; Šamiss neatmet cerības

lsm.lv: Krievijas uzņēmējs par «Metalurgu» bija gatavs maksāt par 13 miljoniem vairāk

 

 

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