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Münster, 12.7.2020
"Die Deutschen erschossen [sie] damals" - Vienotība-Politikerin twitterte ihren Schwulenhass frei heraus PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 04. Dezember 2014 um 00:00 Uhr

Gedenktafel Es ist eigentlich eine Beleidigung der Singvögel, wenn man das, was das Vorstandsmitglied der Regierungspartei Vienotiba, Inga Priede, am 1.12.2014 schrieb, als "twittern", also "zwitschern" bezeichnet. Priedes Parteifreund und Außenminister Edgars Rinkēvičs hatte sich vor einem halben Monat zu seinem Dasein als Gay bekannt. Parteifreundin Ilze Vinkele will lettische Gesetze ändern, um homosexuelle Partnerschaften staatlich anzuerkennen. Das ist wohl alles zuviel für die Konservativen dieser Regierungspartei. Auf dem Parteitag vom letzten Wochenende erhielt die ehemalige Sozialministerin Vinkele eine Abfuhr: Ihre Gegner wollen nicht, dass sie parlamentarische Staatssekretärin wird. Priede zeigte sich schadenfroh. Vinkele habe sich nur auf das Gesetz für homosexuelle Partnerschaften verstanden. Darüber seien auf dem Lande alle schockiert, twitterte sie Krista Baumane. Diese sendete den Dialog an weitere Vienotība-Mitglieder. Diese waren nun ebenfalls schockiert, nicht über Homosexuelle, sondern über Priedes Sprüche. Auf Baumanes Frage, ob es auf dem Lande keine Homosexuellen gebe, antwortete Priede, diese seien darauf nicht stolz und hätten dennoch Grundwerte. Und auf Baumanes Entgegnung, die Schwulen vom Lande flüchteten ins Ausland, wo Homophobie nicht die Norm sei, erklomm Priede den braunen Gipfel der Polemik, der auch hierzulande zum politischen Absturz führt...

Im NS-Regime diente Sexualität der Aufzucht von "Ariern". Homosexuelle entsprachen nicht dem NS-Zuchtgedanken und mussten Verfolgung fürchten. Tausende endeten im KZ. Diese Gedenktafel ist in Dachau angebracht, Foto: Wikimedia Commons

 

Weniger Homos, mehr Geburtenfreude?

Auf Baumanes Hinweis, dass Homosexuelle vom lettischen Lande auswanderten, gab Priede folgende Antwort: "Gott sei Dank! Die Deutschen erschossen [sie] damals. Die Geburtenzahlen werden sich verbessern," erläuterte Priede im Sinne des NS-Zuchtgedankens. Das "sie" im Zitat ist hier in eckigen Klammern auf Deutsch hinzugefügt, jede Silbe ist umstritten. Mit ihren Kritikern diskutiert Priede nun, wie ihre Worte gemeint waren. Dass sie das `Missverständliche` wenig später wieder löschte, half ihr wenig. Das Internet speichert alles und schon bald war die gesamte lettische Öffentlichkeit über den waghalsigen Bezug auf die deutsche Vergangenheit informiert. Ilze Vinkele warnte ihre innerparteiliche Gegnerin: Solche Äußerungen könnten strafbar sein. Die parteiinterne Ethikkommission wird sich demnächst mit diesem Fall beschäftigen. Deren Vorsitzender Didzis Šēnbergs bezog sich am 2.12.2014 auf die gerade eingefügte Verfassungspräambel. Demnach sei jegliche Rechtfertigung nazistischer oder sowjetischer totalitärer Verbrechen - insbesondere Massenrepression und Genozid - kategorisch untersagt, zitiert ihn lsm.lv. Priede kündigte ihren Rückzug aus dem Parteivorstand an. Sie wolle niemanden bestrafen, aber sie sei gegen das Gesetzesvorhaben, das homosexuelle Partnerschaften anerkennt. "Nicht nur ich, sondern alle meine Parteifreunde im Bezirk," fügte die Parteibezirksvorsitzende von Kandava hinzu.

 

Weiterer LP-Artikel zum Thema:

Außenminister Edgars Rinkēvičs bekennt als erster lettischer Politiker seine Homosexualität

 

Externe Linkhinweise:

ir.lv: "Vienotības" Ētikas komisija ierosina lietu par savu biedreņu izrunāšanos tviterī

lsm.lv: «Vienotības» valdes locekle tviterī pauž naidīgus homofobiskus izteikumus

lsm.lv:Priede atsauc sevi no «Vienotības» valdes; viņas nākotne partijā ir neskaidra

 

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