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Lettland: Neue Lehrerinnen-Proteste - Bessere Gehälter nicht in Sicht PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 11. Dezember 2014 um 10:04 Uhr

Lehrerinnen am ParlamentsgebäudeIn dunkler Morgenstunde des 11.12.2014 versammelten sich wieder mehrere hundert Lehrerinnen vor dem lettischen Parlament (hier ist die weibliche Form angebracht, denn unter den Demonstrantinnen waren nur vereinzelt Männer zu sehen). Sie waren aus den verschiedenen Landesteilen von Ventspils bis Daugavpils angereist. Ihre Forderung nach besseren Gehältern richtete sich an die Abgeordneten, die in der Saeima gerade über das Budget für 2015 debattierten. Der Haushaltsplan für das nächste Jahr, der von Brüssel genehmigt werden muss, lässt keinen Spielraum für weitere Ausgaben. Finanzminister Jānis Reirs hat das maximale Defizit von einem Prozent bereits ausgereizt. Das wird von den EU-Kommissaren gerade noch akzeptiert. Regierungsvertreter vertrösteten die kämpferischen Pädagoginnen erneut mit Versprechungen. Diese begreifen allmählich, dass Demonstrationen nicht reichen.

Lehrerinnenproteste am 11.12.2014 vor der Saeima, Foto: LP

 

Politiker vertrösten weiter

Die Lehrerinnen harrten mit Trillerpfeifen und Transparenten vor dem Eingang der Saeima. Als die Parlamentsvorsitzende Ināra Mūrniece auf der Treppe erschien, lud sie die Vertreter der Bildungsgewerkschaft LIZDA zum Gespräch. Unter ihnen befand sich Gewerkschaftsvorsitzende Ingrīda Mikiško. Wenig später verkündete sie den Versammelten das ernüchternde Ergebnis dieser Unterredung. Es werde keine Gehaltserhöhungen geben. Die Politiker versprachen lediglich, nach Lösungen zu suchen. Solche Rhetorik vernehmen die Demonstrantinnen bereits seit geraumer Zeit.

Protestplakate in der Morgendämmerung

"Die Krise setzt sich in den Portmonees der Lehrer fort" klagt dieses Plakat, auf dem benachbarten Transparent rechts steht "Wir wollen Kinder unterrichten, und nicht Champignons in Irland lesen!", Foto: LP

 

Streikforderungen aus der Menge

Insbesondere auf dem Land ist ihre Lage prekär. Wirtschaftskrise und Landflucht leert die Klassen. Da aber das Gehalt von der Schülerzahl abhängt, reicht der Lehrersold in der Provinz kaum zum Überleben. Vija Dikule, LIZDA-Bezirksvorsitzende in Rezekne, informierte die Journalisten des Lettischen Fernsehens über die finanzielle Situation der Kolleginnen. Im nächsten Jahr werde das Lehrergehalt nur noch 60 Euro mehr als der Mindestlohn betragen. Dieser wird ab 1.1.2015 auf 360 Euro erhöht. Mikiško appellierte an die Versammelten, bei ihren Forderungen zu bleiben und die gewählten Abgeordneten an ihre Versprechungen zu erinnern. Ministerpräsidentin Laimdota Straujuma kümmere sich selbst um die Ausarbeitung eines neuen Gehältermodells und die Gewerkschafterinnen werden sich aktiv daran beteiligen. Nach Mikiškos Rede ertönte aus der Menge der Ruf "streiku, streiku".

 

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Externe Linkhinweise:

lizda.lv: Pedagogi Saeimas deputātus sagaidīs uz sarkanā paklāja

lsm.lv: Pie Saeimas pulcējās vairāki simti skolotāju

 

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