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Münster, 23.3.2017
Lettland: Ärzte und Pfleger emigrieren, Patienten bleiben unbehandelt PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 01. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Ärzteorganisation sieht das lettische Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch

Medizin, Gustav KlimtIn der EU-Charta der Grundrechte heißt es paradiesisch: „Die Völker Europas sind entschlossen, auf der Grundlage gemeinsamer Werte eine friedliche Zukunft zu teilen, indem sie sich zu einer immer engeren Union verbinden. In dem Bewusstsein ihres geistig-religiösen und sittlichen Erbes gründet sich die Union auf die unteilbaren und universellen Werte der Würde des Menschen, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität.“ - Die Realität ist eine andere. Auf dem Arbeitsmarkt organisieren die EU und die Regierungen ihrer Mitgliedstaaten beinharte Konkurrenz zwischen Nationen und einzelnen Arbeitnehmern. Für die Gesundheitsversorgung wirtschaftlich benachteiligter Länder hat das schlimme Folgen. Die sogenannte Arbeits„agentur“ in Nürnberg (die politisch weniger tendenziöse Bezeichnung „Arbeitsamt“ wäre für eine Behörde angemessener) beteiligt sich am Konkurrenzkampf um „die besten Köpfe“, wie es in der Agentursprache heißt. Dass diese „Fachkräftegewinnung aus dem Ausland“ in den Herkunftsländern neue Lücken aufreißt, ignorieren deutsche Personalvermittler. In Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegediensten ist der Bedarf nach ausländischen Mitarbeitern derart groß, dass – um im Menschenbild der Agentur zu bleiben – auch die `weniger guten Köpfe` willkommen sind: Ob bei der Vermittlung ausländischer Ärztinnen und Ärzte, Gesundheits- und Altenpflegekräfte oder Haushaltshilfen für Privathaushalte mit pflegebedürftigen Angehörigen - die deutsche Arbeitsagentur hilft gerne. So steht in der kommerzialisierten deutschen Gesundheitsversorgung dem schlecht bezahlten und überarbeiteten deutschen Pflegepersonal eine osteuropäische Reservearmee gegenüber, die unfreiwillig in die Rolle des Lohndrückers gerät. Was bedeutet dieser medizinische und pflegerische Braindrain für Lettland? Sarmīte Veide, Vorsitzende des Lettischen Verbandes der Hausärzte (LĢĀA), sieht das Gesundheitssystem ihres Landes kurz vor dem Zusammenbruch und verlangt öffentliche Aufmerksamkeit für diese „katastrophale Situation“. Am 31.5.2016 protestierte ihr Verband vor dem Ministerkabinett.

So reizvoll wie hier auf dem Gemälde von Gustav Klimt präsentiert sich die Medizin in Lettland nicht, Foto: http://www.artchive.com/artchive/k/klimt/klimt_hygeia.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=926096

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Lettland: Sozialminister Jānis Reirs unterzeichnet Istanbuler Konvention PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 19. Mai 2016 um 00:00 Uhr

Debatten um das „soziale Geschlecht“

Michelina de CesareJānis Reirs hat am 18.5.2016 in Sofia die Istanbuler Konvention unterzeichnet, die 2011 von 13 Staaten beschlossen wurde. Lettland ist eines der wenigen Länder, die sich diesem „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ bislang fernhielten. Von den 47 Mitgliedstaaten der Straßburger Organisation bleiben nun noch Armenien, Aserbaidschan, Liechtenstein, Moldau und Russland, die nicht unterschrieben haben. Das lettische Kabinett stritt in den letzten Wochen über die Konvention, beschloss dann am 10.5.2016, sie zu unterzeichnen. Zwei Minister der Nationalen Allianz (NA) lehnen sie weiterhin ab. Nach Ansicht des Justizministers Dzintars Rasnačs (NA) ist das Übereinkommen nicht mit der lettischen Verfassung vereinbar. Er prophezeit, dass die Konvention von der Saeima nicht ratifiziert werde.

Die Brigantessa Michelina De Cesare, Foto: Unbekannt - http://www.viselli.it/brigantaggio.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2252499

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Die baltische Furcht vor dem weißrussischen Ostrovets PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 06. Mai 2016 um 16:21 Uhr

Lukaschenko lässt ein schönes Atomkraftwerk bauen

Neris in VilniusDie ständige Unsicherheit, die Aachenern das belgische „Tihange“ und Freiburgern das französische „Fessenheim“ bereitet, könnte zukünftig auch Balten beim weißrussischen Ortsnamen „Ostrovets“ überkommen: Die Unsicherheit entsteht aus der Gefahr radioaktiver Verseuchung, die bei einem Störfall im nahegelegenen Atomkraftwerk des Nachbarlandes droht. Die Minsker Regierung plant seit 2012, an der Grenze zu Litauen das erste eigene Akw zu errichten. Russland stellt dafür Kredite bereit. Die Tochterfirma Atomstroiexport der russischen Konzernbehörde Rosatom baut derzeit die umstrittene Anlage. Bereits 2018 soll der erste von zwei Blöcken Strom liefern. Das Akw Ostrovets befindet sich 30 Kilometer von der litauischen und 110 Kilometer von der lettischen Grenze entfernt. Im Falle des „GAU“ (Größten anzunehmenden Unfalls) erreicht radioaktiver Ostwind die litauische Hauptstadt Vilnius bereits nach 50 Kilometern. Aus der Neris, die aus Weißrussland kommend Vilnius durchfließt, soll das Kühlwasser entnommen werden. Während der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko das erste eigene Akw rühmt, beklagen Litauer die Informationspolitik des Nachbarn und wollen mit internationaler Hilfe den Bau stoppen. Lettische Energieexperten teilen die litauischen Befürchtungen.

Die Neris in Vilnius, Foto: Es wird Beny Shlevich als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=307302

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