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Münster, 24.6.2017
Lettland: Rätselraten um Investoren und Preis - US-Holding Ripplewood will sich an der Citadele-Bank beteiligen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 19. September 2014 um 00:00 Uhr

Neue Citadele-Zentrale hinter BaumästenDer Name „Parex“, unter dem Waleri Kargin und Wiktor Krassowizki ihre Bank als ganz großen Mitspieler an den Finanzmärkten platzieren wollten, erwies sich ab Herbst 2008 als ein Unwort der lettischen Volkswirtschaft. Die größte Bank in lettischem Privatbesitz hatte sich mit Immobilien- und Wertpapiergeschäften verspekuliert. Kurz nach der Lehman-Pleite hielt die damalige Regierung die bankrotte Parex-Bank für systemrelevant. Ihr Erhalt erforderte nicht nur hunderte Millionen Lats vom lettischen Steuerzahler. Lettland geriet selbst in Verdacht der Zahlungsunfähigkeit und musste schließlich einen 7,5-Milliarden-Kredit von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF), Schweden und Dänemark beanspruchen. Fortan diktierten Manager des IWF und der Weltbank die Kürzung des lettischen Staatshaushalts – mit denen in der LP oftmals beschriebenen Folgen. Die Parex-Krone verschwand von den roten Reklameschildern. Die Krisenverwalter nennen den „guten“, also profitablen Teil der Geschäftsbank seit 2010 „Citadele Banka“, den „schlechten“, also hoffnungslos verschuldeten Teil, seit 2012 „Reverta“. Letztere wird wohl noch lange den Steuernzahlern treu bleiben. Laut Nachrichtenagentur LETA schuldet die Reverta dem Staat derzeit 759,3 Millionen Euro. Die Citadele begnügt sich hingegen mit 174,2 Millionen und erwirtschaftet inzwischen wieder Gewinn. Immerhin vermochten die Parex-Krisenmanager fast die Hälfte der staatlichen Rettungszahlungen wieder einzutreiben. 2009 erreichten sie den Höchststand von 1,734 Milliarden Euro, diese Summe hat sich bis Ende August 2014 auf 933,5 Millionen verringert. In Zeiten, wo die Machenschaften der Privatbanken ins Gerede gekommen sind, könnte die Citadele eigentlich eine solide Staatsbank bleiben. Doch die EU-Kommission besteht auf ihren Verkauf bis zum 30.9.2014 – vier Tage vor der lettischen Parlamentswahl. Daher begab sich die lettische Regierung im letzten Jahr auf eine umstrittene Käufersuche. Sie wählte den US-Finanzinvestor Ripplewood. In Deutschland hat dieses Unternehmen schon für unrühmliche Schlagzeilen gesorgt.

Die neue Citadele-Zentrale in Riga, Foto: LP

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Merkel-Besuch in Riga: Der Nato-Vertrag steht nicht nur auf dem Papier PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 19. August 2014 um 12:04 Uhr

Angela Merkel neben Andris BerzinsAm 18.8.2014 reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel in die lettische Hauptstadt. Der seit Anfang Juli geplante Besuch wird vom ukrainisch-russischen Konflikt überschattet. Militärische Sicherheitsfragen waren daher ein vorrangiges Thema, das Merkel mit ihrer lettischen Amtskollegin Laimdota Straujuma und Staatspräsident Andris Bērziņš besprach. Merkel bekannte sich in der Pressekonferenz mit Straujuma zu Deutschlands Bündnisverpflichtungen. Der fünfte Paragraph des Nato-Vertrags, der die Mitglieder des Militärbündnisses zum Beistand verpflichtet, sei nicht lediglich eine theoretische Vereinbarung. Damit reagierte sie auf die Sorgen der baltischen Länder und Polen. Die Osteuropäer fürchten sich vor einer russischen Invasion. Auf die Forderung lettischer Intellektueller, sich für eine lettische Nato-Basis einzusetzen, entgegnete sie zurückhaltend.

Angela Merkel beim lettischen Staatspräsidenten Andris Bērziņš, Foto: president.lv

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Lettland: Furcht vor neuem deutsch-russischen Pakt? Intellektuelle fordern von Angela Merkel Unterstützung für eine lettische Nato-Basis PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 14. August 2014 um 00:00 Uhr

Angela Merkel mit bösem GesichtAm 23.8. jährt sich zum 75. Mal der Hitler-Stalin-Pakt von 1939, der u.a. den Einmarsch der Roten Armee in die baltischen Länder vorsah. Fünf Tage vor diesem Gedenktag wird Angela Merkel Lettland besuchen. Gestern, am 13.8.2014, veröffentlichten 31 lettische Repräsentanten des öffentlichen Lebens einen offenen Brief, der sich an die deutsche Regierungschefin richtet. Unter den Unterzeichnern befinden sich die Schriftstellerinnen Māra Zālīte und Gundega Repše, die Künstler Solveiga Vasiļjeva und Eižens Valpēters, die Historiker Ritvars Jansons und Mārtiņš Mintaurs und auch der bekannte Komponist Pēteris Vasks. Ihr Schreiben wurde in den lettischen Medien verbreitet. Die Intellektuellen kritisieren Merkels Nein zu einer dauerhaften Nato-Präsenz in der mittleren Baltenrepublik. Dies lasse Zweifel an der Solidarität der Deutschen mit den Balten aufkommen. Der Brief verdeutlicht die mentalen Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropäern. Es scheint so, als ob Balten und Polen, die zu den Opfern des Zweiten Weltkriegs zählten, ein anderes Fazit aus der Geschichte als die Deutschen gezogen haben. Merkel soll sich aus moralischen Gründen für eine Nato-Basis einsetzen – damit sich keine Neuauflage eines verhängnisvollen deutsch-russischen Paktes wiederhole.

Angela Merkel schlecht gelaunt, Foto: www.GlynLowe.com auf Wikimedia Commons, Lizenz

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