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Münster, 20.9.2018
Lettland: Berliner "Buddies" bitten um Spenden für die medizinische Behandlung von Kindern PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 30. Juni 2018 um 00:00 Uhr

Auf dem Rigaer Domplatz ist demnächst der Bär los

Buddy in CharlottenburgBerlins Wappentiere, die Bären, gehen seit 2002 in einer knuffligen Teddy-Variante auf Weltreise, um als Botschafter des Friedens und der Völkerverständigung ein sympathisches Deutschlandbild zu vermitteln (buddy-bear.com). Jede dieser zwei Meter hohen Kunststoffskulpturen werden von Künstlern, vereinzelt auch von Schülergruppen bemalt. Inzwischen hat diese Berliner Bärenfamilie mehr als 2000 "Buddies", so ihr offizieller anglophiler Name, der so viel wie "Kumpel" oder "Freund" bedeutet. Die Buddies sind in allen Teilen der Erde zu finden, sie besuchen Ausstellungen, Kunstevents oder begrüßen Besucher vor deutschen Botschaften. Etwa 150 von ihnen (die Zahlen schwanken), welche die Mitglieder der Vereinten Nationen verkörpern, gehen regelmäßig auf Welttournee. Sie haben sogar etwas gemacht, was bislang nicht einmal Donald Trump gewagt hat: Sie besuchten 2008 die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang. Vom 12. Juli bis 22. August 2018 werden die Bären-Kumpel auf dem Rigaer Domplatz aufgestellt. Dies ist ein offizielles Geschenk der Bundesrepublik Deutschland zum 100jährigen Staatsjubiläum der lettischen Republik.

Berliner Buddy "Freund Nr. 2" vor dem Rathaus Charlottenburg, Foto: Angela M. Arnold, Berlin - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Werben für den guten Zweck

Ein Buddy, der am 12. Juli sich erstmals unter seine Gefährten mischt, wurde von einer lettischen Schülergruppe gestaltet. Einer seiner älteren Brüder befindet sich schon seit 2002 auf dem Gelände des Rigaer Gymnasiums Agenskalns, das sich auf die deutsche Sprache spezialisiert hat. Der Künstler Alekseijs Naumovs bemalte ihn und freut sich darüber, dass sein Bär nicht beschmutzt wurde und die Farben noch so leuchten (lsm.lv). "Und Freude, dass er hier in der Ecke steht, die Kinder kommen - sie rennen herbei. Als ich ging, umklammerten ihn gleich fünf Kinder, das war so herzerwärmend und toll." Die Bären, die stets kostenlos zu betrachten und zu umarmen sind, werben meistens für Kinderhilfsaktionen. Diesmal sollen die Spenden dem lettischen Kinderkrankenhausfonds zugute kommen, der die Kosten für medizinische Behandlungen übernimmt, für die der lettische Staat nicht aufkommt. Liene Dambina, Vorsitzende des Fonds`, beschreibt das Ausmaß des Problems: "Die Erfahrung des Kinderkrankenhausfonds` im vergangenen Jahr zeigt, dass wir für diese Aufgabe beinahe eine halbe Million Euro aufwendeten, und das bedeutet, dass dieser Bedarf sehr groß ist. Das bezieht sich sowohl auf Krebserkrankungen als auch auf schwere Allergien und kardiologische Erkrankungen der Kinder."

Buddys in Nordkorea

Buddy-Bear-Ausstellung in Pjöngjang, Foto: Martin Tutsch - Eigenes Werk, CC0, Link

Nicht alle sind erfreut

Die Schirmherrin und -herren der Rigaer Bären-Kompanie, die am 25. Juni 2018 die Presse informierten, sind die lettische Kulturministerin Dace Melbarde, der Rigaer Bürgermeister Nils Usakovs und Rolf Schütte. Der deutsche Botschafter deutete die umfassende Organisation an, die diese Bärenreise erfordert, er arbeite seit 37 Jahren für den diplomatischen Dienst, doch dies sei das größte Projekt, mit dem er jemals verbunden gewesen ist. Für das lettische Staatsjubiläum habe er nach einem besonderen Geschenk gesucht, das für alle Einwohner kostenlos zugänglich ist. Nicht alle erfreut diese öffentlich-private Partnerschaft. Auf den Buddy-Werbeplakaten sind die Logos privater Unternehmen zu lesen. Diese Vermischung von kommerziellen und öffentlichen Zwecken ärgerte den Künstler Andreas Siekmann. Er zerschredderte 2007 einige der putzigen Plastikfiguren, formte aus ihnen eine rauhe Kugel und postierte sie unter dem Titel: "Trickle Down: Der öffentliche Raum im Zeitalter seiner Privatisierung" auf dem Münsteraner Erbdrostenhof (skulptur-projekte.de). Mit Trickle Down ist die neoliberale Überzeugung gemeint, dass auch die Armen ihren Anteil erhalten, wenn die Reichen nur "genügend gemästet" werden, wie es der Psychologe und Gesellschaftskritiker Rainer Mausfeld einmal drastisch ausgedrückt hat. Für Siekmann sind solche lustigen Tierplastiken "das stumme Publikum einer umfassenden ökonomischen Transformation, bei der viele Bereiche öffentlichen Lebens in private Hände veräußert werden: Der städtische Raum ist zu einer käuflichen Größe geworden." Am 12. Juli 2018 findet um 12.30 Uhr eine Eröffnungszeremonie auf dem Rigaer Domplatz statt.

 

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