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Münster, 11.7.2020
“Bahntrassenradeln” in Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 16. Mai 2020 um 00:00 Uhr

300 Kilometer idyllisches Radeln und Wandern ohne Motorlärm

Schmalspurbahn Aluksne-GulbeneEigentlich ist Lettland für Radfahrer hervorragend geeignet. Die Landschaft ist flach, zuweilen leicht hügelig (die mittlere Baltenrepublik verfügt über keinen einzigen Gebirgstunnel), grün und beschaulich. Allerdings fehlen noch häufig Wege, die für nichtmotorisierten Verkehr geeignet wären. Kommunen in der lettisch-estnischen Provinz haben allerdings die Chance erkannt, dass der Ausbau der Rad- und Wanderwege dem sanften Tourismus zugute kommt und der Naherholung der örtlichen Einwohner dient. Seit 2010 können Radfahrer das 1000 Kilometer lange Wegenetz “Tour de LatEst” (LP: hier) nutzen, das die lettische Daugava mit dem estnischen Peipussee verbindet. Nun kommen 300 Kilometer “Zalais dzelzcels” (Die grüne Eisenbahn) hinzu.

Eine umgewandelte Fahrradtrasse kreuzt die noch in Betrieb befindliche Schmalspurbahn zwischen Gulbene und Aluksne, Foto: Neaizsargāts darbs, Saite

2015 hatte sich die Latvijas Zalu Celu asociacija (Lettischer Verband Grüner Wege) gegründet, sie ist Teil der europaweiten Green Way Association, die Projekte in verschiedenen EU-Ländern fördert und die von der EU mitfinanziert werden. Inzwischen gehören zwölf Kommunen zum lettischen Verband: Aloja, Amata, Carnikava, Ergli, Gulbene, Limbazi, Ogre, Olaine, Ropazi, Rujiena, Jaunpiebalga und Vecpiebalga. Diese Kleinstädte und Ortschaften verfügen über alte Bahnstrecken, die schon lange nicht mehr von Lokomotive benutzt werden. Fünf Strecken wurden bis Ende des letzten Jahres in Rad- und Wanderwege verwandelt:

  • Ainazi - Valmiera (85 km)

  • Lade - Rujiena (95 km)

  • Melturi – Gulbene (99 km)

  • Valka/Valga – Ape (55 km)

  • Meizakila – Vilande (45 km)

Diese Routen haben Anschluss an Eisenbahnstrecken, die noch in Betrieb sind; auch zur “Banitis”, der 33 Kilometer langen Schmalspurbahn zwischen Gulbene und Aluksne, die für Touristen ein Vergnügen ist und noch täglich verkehrt (banitis.lv). Latvijas Zalu celu asociacija weist darauf hin, dass die umgewandelten Bahntrassen von allen Generationen zu jeder Jahreszeit genutzt werden können: Wandern und Nordic Walking im Sommer; Skilanglauf oder eine Fahrt mit Schlittenhunden im Winter. Wer allerdings die gesamte Wegstrecke zurücklegen möchte, wird wohl das Fahrrad vorziehen und sich am Ziel um eine Übernachtungsgelegenheit kümmern. Das Radwandern kann mit der Besichtigung örtlicher Kulturstätten verbunden werden. “Die grüne Eisenbahn” hat einige Kommunen dazu veranlasst, in Bahnstationen kleine Museen einzurichten: In Gulbene ist die Ausstellung “Eisenbahn und Dampf” zu sehen, am anderen Ende der Schmalspurbahn in Aluksne eine digitale Ausstellung zur örtlichen Bahngeschichte. In anderen Kleinbahnhöfen, die nun an gleislosen Trassen liegen, wurden Gaststätten oder Kinos eingerichtet. Informationen zu den fünf schienenlosen Bahntrassen erhalten Interessierte auf folgender englischsprachiger Webseite, die allerdings noch einen etwas spartanischen Eindruck macht:

greenrailways.eu

 

Keine aktuellen Veranstaltungen.


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