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Münster, 03.8.2020
Tour de LatEst - Mit dem Fahrrad durch Vidzeme und Südestland PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 29. Dezember 2009 um 17:40 Uhr
Biken - manchmal ein eisiges Vergnügen.Eigentlich müsste es Spaß machen, seinen Drahtesel in der baltischen Landschaft Gassi zu führen: Die flache, zuweilen nur leicht hügelige Landschaft, in der kalni, also Berge, dem Alpinisten höchstens wie Bodenwellen erscheinen, bereiten auch dem ungeübten Radfahrer keine Mühe. Er kann sich an dünn besiedelte Kultur- und Naturräume erfreuen: Fast endlos erstrecken sich die Kiefernwälder, doch dann schimmern zwischen den Baumstämmen Wiesen und Weiden, Seen oder ein Bachufer hervor. Historische Ortschaften und Kleinstädte bilden malerische Orientierungspunkte. Sie locken den Radwanderer zur Einkehr. Hier kann er verweilen, um die Stätten der livländischen Geschichte aufzusuchen… - doch `uneigentlich` ist das Fahrradfahren oft noch eine Qual: Angemessene Wege sind nicht immer vorhanden, wenn doch, fehlen die Hinweisschilder. Entnervt verirrt sich der wagemutige Radler, der eine Alternative zu einer trostlosen und gefährlichen Fahrt entlang der stark befahrenen Landstraßen sucht. Da dürfte sich ein Projekt, das Raitis Sijāts, der Vorsitzende des Tourismusverbandes der nordlettischen Region Vidzeme, organisiert, als vielversprechender Vorsatz für 2010 erweisen: Esten und Letten planen, demnächst zwischen Peipussee und Daugava ein 1000 Kilometer langes Radwegenetz auszuweisen. Einheimische und Touristen könnten dann die Reize Vidzemes und Südestlands vom Lenker aus auf neue Art entdecken.
Derzeit ist das Radwandern noch nicht zu empfehlen. Dieses Foto stammt allerdings nicht aus dem winterlichen Lettland, sondern aus dem österreichischen Graz. Foto: Dr. Markus Gossler auf Wikimedia Commons

 

Seit September 2009 treffen sich Vertreter beider Staaten, um die Details zu besprechen und die Routen festzulegen. Verkehrsministerien, Tourismus- und Fahrradverbände beteiligen sich. Die Initiative Ar velo pa Vidzemi un Dienvidigauniju/ Mit dem Rad durch Vidzeme und Südestland wurde von der ambitionierten EuroVelu-Idee des Europäischen Radfahrerverbandes angeregt. Ziel dieser Brüsseler Nichtregierungsorganisation ist es, Europa mit einem Radwegenetz von insgesamt 65.000 Kilometern zu verbinden.  Zwei dieser Fernrouten führen durch die baltischen Länder: Die EV 10 verbindet die Anrainerstaaten der Ostsee, die EV 11 osteuropäische Staaten vom Nordkap bis Athen. Einige der geplanten Strecken, die Sijāts` Planungsrunde den Namen Tour de LatEst (man beachte das groß geschriebene E) gab, könnten Teil der EV 11 werden.

Die wieder errichtete Burg Turaida bei Sigulda

LatEst führt an historische Orte vorbei. Hier die wieder errichtete Ordensburg Turaida bei Sigulda. Foto: "Brunswick" auf Wikimedia Commons


Für die wirtschaftlich arg gebeutelten baltischen Staaten ist die Finanzierung günstig: Von den 1,7 Millionen Euro Kosten wird der EU-Regionalentwicklungsfonds 85 Prozent übernehmen. So entsteht in schwieriger Zeit ein neues Angebot, das den Tourismus an entlegenen Orten fördert und zugleich die Umwelt schont. Bislang profitieren auf lettischer Seite vor allem Riga und der noble Küstenvorort Jūrmala von ausländischen Gästen. Tour de LatEst wird dazu beitragen, Touristen die Vorzüge und Eigenarten der bislang nur wenig beachteten Provinz zu erschließen. Orte, die Autofahrer kaum beachten, könnten von der Nachfrage nach Bewirtung, Übernachtungsmöglichkeiten, Fahrradverleih und –reparatur profitieren.

Die am besten erhaltene Ordensburgruine auf lettischem Gebiet

Cesis, fast so alt wie Riga, hat neben seiner Ordensburg und dem benachbarten Museum ein beschauliches historisches Zentrum in der idyllischen Landschaft des Gauja-Nationalparks zu bieten. Foto: "Greifen" auf Wikimedia Commons


LatEst führt über historische Orte des mittelalterlichen Livland: Besteigt man in Lielvarde an der Daugava den Sattel, so kann man beispielsweise die westliche Route wählen, die über die Ritterburgorte Sigulda und Cēsis, das regionale Zentrum Valmiera bis nach Rūjiena und zur estnischen Grenze führt. Extremsportler werden die Fahrt am Vörtsee und der Universitätsstadt Tartu vorbei bis zum Peipussee fortsetzen. Wer dann noch Puste hat bzw. gedopt ist, vermag auf der östlichen Route zurückzukehren. Zurück in Vidzeme wird sich der Supertourist, der auch am Geistigen interessiert ist, dann noch das Bibelmuseum in Alūksne anschauen, um danach über Gulbene, Cesvaine  und Madona zur Daugava zurückzuradeln. Für uns Durchschnittstreter empfiehlt es sich, aus den Tausend Kilometern eine beschauliche Etappe auszuwählen.

Das Hauptgebäude der Universität Tartu

Die Universität von Tartu wurde von den Schweden im 17. Jahrhundert gegründet. Sie ist Estlands älteste Hochschule. Im 19. Jahrhundert studierten dort auch viele Deutschbalten und Letten. Foto: "vdegroot" auf Wikimedia Commons


Derzeit dürfte sich der Radfahrer noch in der Landschaft verirren. Bis 2011 wird es voraussichtlich dauern, bis auf lettischem Gebiet alle 459 Hinweisschilder, 36 Informationstafeln und Karten sowie 111 Fahrradständer aufgestellt worden sind. Außerdem errichten die Bauarbeiter nordlettischer Kommunen in den kommenden Monaten neue Radwege, zwei kleine Brücken und 17 Rastplätze. Ein spezieller Reiseführer und Karten in sieben Sprachen werden die Routenplanung erleichtern. Eine eigene LatEst-Webseite ist ebenfalls vorgesehen.

Am Ufer des Peipussees

Der Peipussee ist ein weitgehend unbekannter Riese zwischen Estland und Russland. Er ist der fünftgrößte See Europas, größer als das Saarland. Foto: Christopher Voitus auf Wikimedia Commons


Noch müssen sich die Radfahrer also  ein wenig gedulden. Sijāts denkt an geeignete Werbeaktionen, um das länderübergreifende Projekt bekannt zu machen. So ist ab 11. Juli 2010 ein vierzehntägiger Fahrradmarathon über die Gesamtlänge von 1000 Kilometern geplant.

 

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