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Münster, 05.6.2020
Das LCM: Vom Gymnasium zum deutsch-lettischen Forschungszentrum - Interview mit Geert Franzenburg PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 10. Juni 2010 um 19:39 Uhr
Geert Franzenburg Das Lettische Centrum Münster (LCM) ist Exilletten und Deutschen, die an Lettland Interesse haben, eine bekannte Institution. Das Haus, das ehemals ein lettisches Gymnasium beherbergte, organisiert Kulturveranstaltungen, Sprachkurse und Jugendbegegnungen und es finanziert auch diese Webseite. Wie steht es im Jahr 2010 um das LCM? Was haben sich die (deutsch)lettischen Münsteraner für die Zukunft vorgenommen? Darüber sprach die Lettische Presseschau mit Geert Franzenburg, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des LCM. Herr Franzenburg ist gemeinsam mit Zuze Krēsliņš-Sils geschäftsführend tätig.
Die LP interviewte den stellvertretenden Vorsitzenden des LCM. Foto: LCM
LP: Wie ist die Umstellung vom Gymnasium auf ein Zentrum verlaufen?

Franzenburg: Nachdem 1998 zu wenige Schüler für die Fortsetzung des Lettischen Gymnasiums vorhanden waren, diente das Lettische Zentrum vor allem als Treffpunkt ehemaliger Schülerinnen und Schüler. Seit etwa 2003 wird eine verstärkte Öffnung zur deutschen, insbesondere Münsteraner Öffentlichkeit angestrebt, was sich z.B. in den Sommerschulen lettischer Schüler zusammen mit den Profis vom Cactus-Theater, aber auch in Vorträgen und Veranstaltungen äußert. Auch der Umbau des Internats zum Münsteraner Sportinternat gehört in diesen Zusammenhang. Deshalb freue ich mich, dass diese von Vorstand und Mitgliederversammlung getragene Entwicklung auch öffentlich bekannter wird.

LP: Für Nicht-Münsteraner: Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Sportinternat und dem LCM?

Franzenburg: Das LCM hat mehrere Etagen des ehemaligen Internates an den Verein zur Förderung des Leistungssports in Münster vermietet, der sie an SportlerInnen (SchülerInnen) weitervermietet, die am Leistungsstützpunkt in Münster trainieren und dort auch zur Schule gehen.

LP: Welche Aufgaben und Ziele hat sich das LCM gesetzt?

Franzenburg: Seit dem Wechsel des Vorstandes 2008 sind wir bestrebt, das Erbe des Lettischen Gymnasiums zu bewahren und fortzuführen, vor allem durch das TRIMDA Forum, in welchem Wissenschaftlern Forschungen und Begegnungen zum Thema lettisches Exil und Diaspora ermöglicht wird. Daher laden wir Interessierte auch auf diesem Wege ausdrücklich zur Projektarbeit (vor Ort oder virtuell über Kurse im Internet) ein.

LP:Hat das LCM Probleme zu meistern?
Franzenburg: Nach wie vor besteht der Verein überwiegend aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern, zum Teil auch Lehrenden bzw. Mitarbeitern des Gymnasiums, die in Münster oder Umgebung geblieben sind. Ohne neue Mitglieder und ohne eine neue Profilierung ist die Zukunft ungewiss. Daher wenden wir uns auch an die deutsche Öffentlichkeit und laden Interessierte zu Forschung und Begegnungen ein.
LP: Welchen Anklang findet das LCM bei den Münsteranern?
Franzenburg: Wie eine Marketinganalyse 2009 ergab, ist das LCM noch zu unbekannt unter den Münsteranern. Auch wenn dank des Sportinternats das LCM öfter in der Presse erscheint, muss in dieser Hinsicht noch einiges getan werden, auch wenn durch den Kirchenkreis und die Aktivitäten von DRAUDZIBA bereits manches erreicht wurde.
Das Gebäude des LCM
Das LCM steht allen Interessierten an deutsch-lettischen Kultur- und Forschungskontakten offen, Foto: LCM

LP: Mit welchen Organisationen arbeitet das LCM zusammen?
Franzenburg: Wir sind dankbar, dass Erzbischof Elmar Ernst Rozitis von der lettischen Kirche außerhalb Lettlands die Schirmherrschaft über das TRIMDA Forum übernommen hat. Von deutscher Seite her sind kirchlicherseits sowohl der Kirchenkreis über DRAUDZIBA als auch die Westfälische Landeskirche Kooperationspartner. Wir freuen uns genau so darüber, dass das lettische Außenministerium über die Botschaft in Berlin das TRIMDA Forum akkreditiert hat und auch die Stadt Münster und das Land NRW über das Sportinternat an der Arbeit des LCM als anerkannte Migrationsorganisation interessiert ist. Über das Netzwerk DRAUDZIBA sind darüber hinaus die deutsche Botschaft in Riga, verschiedene Stiftungen und Universitäten, Schulen, kirchliche und Bildungsinstitutionen in beiden Ländern mit beteiltigt; über das LCM sind wir auch mit der Lettischen Gemeinschaft in Deutschland und dem Lettischen Weltbund verbunden. Weitere Kooperation mit Institutionen und Einrichtungen, die an deutsch-lettischen Kontakten Interesse haben, sind sehr erwünscht.
LP: Kann man das LCM als Tagungsstätte mieten?

Franzenburg: Auch das ist viel zu wenig bekannt, dass das LCM auch für andere Institutionen zur Verfügung steht. Seitdem die Uppenbergschule aus den LCM-Räumen in eigene umgezogen ist, können mehrere Unterrichtsräume für Seminarzwecke oder auch als Büros vorübergehend oder dauerhaft gemietet werden. Die Räume sind mit Duschbädern und Kücheneinrichtungen ausgestattet. Entsprechende Anfragen nehmen wir gern entgegen.

LP: Welche Veranstaltungen sind in diesem Jahr geplant?

Franzenburg: Neben den regelmäßigen Treffen und Sprachkursen (Termine auf Anfrage) findet auch in diesem Jahr wieder eine Sommerschule für lettische Schüler statt, die mit Leuten vom Cactus-Theater ein Stück einstudieren und außerdem bei den Lehrkräften des Goetheinstituts Deutschprüfungen ablegen.

Außerdem findet im November eine Tagung mehrerer Institutionen statt, die sich mit den Fragen des lettischen Exils und lettischer Diaspora beschäftigen.

Um den Aufbau unserer Exil-Datenbank kümmern sich u.a. mehrere Praktikanten aus Ventspils, die im Herbst in Münster sein werden. Darüber hinaus werden wir Vorträge über deutsch-lettische Beziehungen anbieten und deutsch-lettisches Unterrichtsmaterial vorbereiten, das deutsch-lettische Themen im Bereich Geschichte, Literatur, Philosophie und Religion mit Sprachübungen verbindet und sich an Eltern und Kinder aus deutsch-lettischen Familien richtet. Über das Internet werden außerdem weitere Projekte entwickelt, die z.B. ab 2011 in Sommerschulen für Studierende umgesetzt werden sollen.

Auch hierzu sind Wünsche, Anregungen und Anfragen sehr willkommen.

 

Interviewer: UB

 

Externer Linkhinweis:

Webseite der Initiative DRAUDZIBA

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 31. Oktober 2011 um 07:08 Uhr
 

Keine aktuellen Veranstaltungen.


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