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Münster, 16.12.2017
Manche LP-Leser könnten die Rail Baltica noch erleben PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 14. November 2013 um 00:00 Uhr

Züge in RigaDer baltische Passagier lebt auf großem Fuß, zumindest im ökologischen Sinne, denn er nimmt für weitere Reisen häufig das Flugzeug. Als umweltschonendere Alternativen bleiben ihm nur tagelange Busreisen oder noch langwierigere Holperfahrten in sowjetischen Museumsbahnen. Abhilfe könnte die Rail Baltica schaffen. Diese ist eine geplante Schnellzugverbindung in westeuropäischer Spurbreite, die die baltischen Länder in ferner Zukunft mit Helsinki, Warschau und Berlin verbinden soll. Bislang besteht sie nur aus papiernen Konzepten. Immerhin machte der Baltische Rat, das institutionalisierte Treffen der drei Regierungschefs aus Estland, Litauen und Lettland, bei der letzten Zusammenkunft in der lettischen Hauptstadt etwas konkretere Hoffnung. Am 8.11.2013 einigten sich die Politiker darauf, ein Unternehmen zu gründen, das die Planung zwischen den Ländern koordiniert und leitet. Es soll seinen Sitz in Riga haben.

Bislang ist die lettische Eisenbahn für Schnellverkehr nicht geeignet, Foto: LP

 

Der lange Weg nach Westen soll endlich schneller werden

Etwa 800 bis 1000 Kilometer Schienenstrang müssten zwischen dem estnischen Tallinn und dem litauischen Marijampole gelegt werden. Schnellzüge könnten dann in etwa vier Stunden das gesamte Baltikum durchqueren. Bislang benötigt ein Fahrgast allein für die 168 Kilometer lange Strecke zwischen Riga und dem lettischen Grenzort Valga drei Stunden und zwölf Minuten. Mit der Rail Baltica bekunden die baltischen Regierungen den Willen, ihre Länder mit dem Westen Europas zu verbinden. Schnellerer Verkehr ohne Spurwechsel dürfte die Bahn auch für Exporteure attraktiver machen und somit Fernstraßen entlasten. Regierungschef Valdis Dombrovskis und seine Kollegen lockt gewiss auch das Geld des EU-Kohäsionsfonds`. Dies erfordert, das Projekt endlich voranzutreiben. Bis zu 85 Prozent der Kosten könnte mit EU-Mitteln finanziert werden. Derzeit wird der Gesamtpreis auf 3,68 Milliarden Euro geschätzt, für den lettischen Rail-Baltica-Teil sind 1,27 Milliarden Euro vorgesehen. Vieles steht noch nicht fest, weder bei der Geschwindigkeit noch bei der Wegführung und den Haltepunkten. Der lettische Verkehrsminister Anrijs Matīss prognostizierte im April 2013 die Fertigstellung für das Jahr 2025. An dem zukünftigen Rail-Baltica-Unternehmen können sich auch die Nachbarländer Polen und Finnland beteiligen. Die Anbindung von Helsinki wäre besonders aufwändig, denn dafür müsste ein 50 Kilometer langer Unterwassertunnel zwischen der finnischen und estnischen Hauptstadt gegraben werden.

 

Weiterer LP-Artikel zum Thema:

Eine Zugreise nach Riga – fast so spannend wie der Weltraumbahnhof Baikonur

 

Externe Linkhinweise:

youtube.com: Rail Baltica

Rail-baltica-Webseite

ltv.lv: Dibinās "Rail Baltica" uzņēmumu (Video)

ir.lv: Vienojas par "Rail Baltica 2" kopuzņēmuma dibināšanas pamatprincipiem

 

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