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Münster, 18.6.2018
Kirchenbrände in Carnikava und Smiltene PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 19. Dezember 2017 um 00:00 Uhr

Gerade restaurierte Holzkirche völlig zerstört

Brennende Kirche von SiguliDen Gläubigen von Carnikava, einem Landkreis an der Rigaer Bucht, wurde die vorweihnachtliche Freude gründlich verdorben: Am Morgen des zweiten Advents standen sie vor der ausgebrannten Ruine ihrer kleinen Holzkirche in Siguli, dem ältesten hölzernen Gotteshaus an der Küste Vidzemes. Viele Jahre war das Gebäude restauriert worden, die Fassade glänzte in hellen Farben. 2018, zum 100. Jubiläum der lettischen Republik, sollte die Kirche feierlich wiedereröffnet werden. Statt dessen wurden die Kirchgänger vor einigen Tagen aufgerufen, die verbrannten Überreste zu beseitigen. Inzwischen wird schon Geld für den Wiederaufbau gesammelt. Am 14. Dezember 2017 wurde die Feuerwehr von Smiltene alarmiert: Auf die lutherische und die katholische Kirche gab es Brandanschläge, doch die Sachschäden halten sich in Grenzen.

Die Kirche von Siguli ist völlig ausgebrannt, Foto: baltezerabaznica.lv

 

Jahrlange Bauarbeiten zunichte

Die Holzkirche von Siguli wurde 1728 eingeweiht. 1851 renovierte man sie gründlich: Sie erhielt ein Ziegeldach und einen Turm. Meister Augusts Martins baute eine Orgel und ein Künstler aus Riga, Johans Karls Ludvigs Madaus, malte das Altarbild. In den beiden Weltkriegen wurde die Kirche stark beschädigt und im Frieden dann wieder erneuert. 1954 fand die letzte Messe statt, dann wurde die Gemeinde aufgelöst. Im Gebäude war fortan der Elektroverteiler für eine Kolchose untergebracht. Seit 1992 besteht wieder eine evangelische Gemeinde (carnikavasbaznica.lv). Doch ihre Kirche war bislang in derart schlechtem Zustand, dass sich die Gläubigen zur Messe im Gemeindehaus treffen müssen. Die Kirche wurde seit 2008 mit Spenden und öffentlichem Geld, teilweise aus EU-Fonds, restauriert. Zunächst haben Bauarbeiter die Fenster erneuert, dann neue Stromleitungen verlegt. Teile des Fundaments wurden verstärkt und die Fassade erneuert, der Turm neu aufgebaut und schließlich die Dachziegeln ausgetauscht. Beinahe wäre alles fertig gewesen (carnikasbaznica.lv). In diesem Jahr feierten die Gemeindemitglieder bereits das Johannisfest in ihrer Kirche und beim traditionellen Essen der Neunaugensuppe wurde viel Geld eingesammelt, um die Restaurierungsarbeiten abzuschließen. Arturs Veispals, Verwalter der zuständigen evangelischen Gemeinde, kommentiert den Schaden: "Emotional sind die Verluste riesig. Materiell haben wir in den letzten vier Jahren 130.000 Euro für die Restaurierung ausgegeben." In den letzten vier Jahren war Veispals dafür verantwortlich. Er schließt eine Brandursache aus: "Im Gebäude gab es keine alten Elektroinstallationen mehr. Die Stromversorgung bestand aus einem neuen Kabel, das für die Werkzeuge benötigt wurde. Es gab keine Heizung und überhaupt nichts, das einen Brand hätte entfachen können."(lsm.lv) Inzwischen ermittelt die Polizei, ob Brandstiftung die Ursache ist. Schon vor einiger Zeit flog eine brennende Flüssigkeit durch ein Kirchenfenster. Danach wurde eine Alarmanlage eingebaut. Die Gemeinde will nicht aufgeben und hat ein Spendenkonto für den Wiederaufbau eingerichtet.

Siguli-Kirche vor der Restaurierung

In diesem Zustand befand sich die Kirche vor der Restaurierung, Foto: carnikavasbaznica.lv

Verwendungszweck: „Wiederaufbau der Kirche von Carnikava”

Organisation: Evangelisch-lutherische Gemeinde von Adazi

Adresse: Baltezera baznīca, Adazu novads, LV-2164, Latvija

Reg. Nr. 90000345040

Bank: SEB Bank

Konto: LV39UNLA0002000701636

Restaurierte Kirche von Siguli

Die fast vollständig restaurierte Kirche kurz vor dem Brand, Foto: carnikavasbaznica.lv

 

Brennende Autoreifen am Portal

In der Nacht zum 15. Dezember 2017 wurden auch an der evangelischen Kirche in Smiltene Flammen gesichtet (lsm.lv). Jemand hatte vor dem Hauptportal und am Eingang zur Sakristei Autoreifen in Brand gesetzt. Der Täter hatte sein Brennmaterial einem benachbarten Autoservice entwendet. Die Tür des Haupteingangs kann restauriert, jene der Sakristei muss ausgetauscht werden. Zunächst wird sich die Gemeinde mit einer provisorischen Tür begnügen. Sie muss besondere Vorschriften beachten, denn ihre Kirche ist denkmalgeschützt. Einige Stunden später, um fünf Uhr morgens, wurde die Feuerwehr erneut alarmiert: Auch in der katholischen Kirche brannte es. Doch der elektronische Brandmelder hatte schon den Dompropst aufgeschreckt, der mit eigener Hand das Feuer zu löschen vermochte. Auch hier fand sich eine brennende Abfalltüte vor dem Kircheneingang. Das Feuer hatte schon begonnen, sich im Inneren auszubreiten. Die Polizei hat bereits einen Verdächtigen festgenommen.

 

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