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Münster, 26.9.2017
Nachricht des Tages mit Videolink (3.2.07): Lettischer Zöllner läßt sich nicht bestechen PDF Druckbutton anzeigen?
Samstag, den 03. Februar 2007 um 10:15 Uhr
"290 Lastkraftwagen vor mir und draußen Minusgrade, das tue ich mir doch nicht an", muß sich wohl ein deutscher Fahrer gesagt haben, als er sich am 30. Januar  dem lettisch-russischen Grenzübergang Terehova näherte. Wo sich doch in der Baltenrepublik bekanntlich die einer oder andere Geschwindigkeitsübertretung durch ein kleines Bakschisch aus dem Wege räumen, ohne Polizeiprotokoll und späterem Ärger mit der Justiz. Gesagt, getan. So zog der wackere Bundesbürger denn mit seinem Mercedes-Benz-Transporter an der Schlange der wartenden Kollegen vorbei und fuhr direkt bis zur Zollkontrolle vor. Jetzt hat er ein förmliches Verfahren nach § 323 Absatz 1 Strafgesetzbuch der Republik Lettland an der Backe, im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Gefängnisstrafe bis zu sechs Jahren. Der Vorwurf: Bestechung einer Amtsperson.
 
Nach übereinstimmenden Angaben der Nachrichtenagenturen LETA und dpa (2. Februar) hatte der Deutsche nämlich neben einem Zivilfahrzeug des Zolles angehalten und dem Beamten am Steuer für eine "problemlose und umgehende Abfertigung" des Transporters ein "Unkostenbeitrag" von 20,00 Euro angeboten. Pech für den Fahrer: erstens erwies sich der Zöllner als standhaft, zweitens wurde der eigentliche Bestechungsversuch am Fensterchen des Abfertigungsschalters in Wort und Bild astrein dokumentiert, nachzusehen im übrigen unter http://www.youtube.com/watch?v=i8latZZ1Qog/.

Der Unglücksrabe wurde nach einer gründlichen Überprüfung seines Fahrzeugs nach §  241 der Strafprozeßordnung der Republik Lettland wieder auf freiem Fuß gesetzt, da keine Anhaltspunkte dafür vorlägen, daß er seine kriminellen Handlungen fortsetzen oder sich dem Strafverfahren entziehen werde. Die Agenturen melden leider nicht, ob er auch zurück ans Ende der Warteschlange mußte...

Es gibt allerdings auch böse Zungen, die nicht ausschließen wollen, daß der Bestechungsversuch nicht an der  Standhaftigkeit des Letten, sondern der Knauserigkeit des Deutschen gescheitert sei. Noch vor nicht allzu langer Zeit galten nämlich gerade die Grenzübergänge nach Rußland als notorischer Sumpf der Korruption, in dem Schmuggler und Gesetzeshüter zu beiderseitigem Vorteil im Trüben fischten. Ob dies alles schon zur Vergangenheit gehört, bezweifelt in Lettland so mancher Beobachter.

-OJR-
 

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