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Münster, 24.11.2017
Lettische Messergeschichten PDF Druckbutton anzeigen?
Donnerstag, den 12. Oktober 2006 um 13:10 Uhr
Wer kennt sie nicht, die Eingangstrophe von Friedrich Schillers Die Bürgschaft : "Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich / Damon, den Dolch im Gewande: / Ihn schlugen die Häscher in Bande, / 'Was wolltest du mit dem Dolche? sprich'". Und Generationen von Penälern führten den Text an dieser Stelle nicht ganz im Sinne des Dichters weiter: "Kartoffeln schälen, verstehst du mich?". Uh, was ein Scherz, mit sprichwörtlichem Bart.
Gar nicht zum Lachen zumute war jedoch der 28-jährigen Studentin Solvita S. aus Lettland, als ihr verflossener Liebhaber sie Ende Juli in der beschaulichen Westfalen-Metropole Münster mit einem Messer attackierte. Der SPD-Kommunalpolitiker und Dozent am dortigen Studienkolleg Ludger B.-G. hatte die schwangere Frau unter einem Vorwand in sein Büro gelockt und dann mit einer etwa 20 cm langen Klinge mehrfach auf sie eingestochen.

 

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der verheiratete, 50 Jahre alte Täter den Tod seines Opfers wohl in Kauf genommen und bereits Vorkehrungen zum Abtransport der Leiche getroffen, so Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Allerdings sei es der schwerverwundete jungen Frau gelungen, dem Angreifer zu entkommen, der sie bis in den Keller des Gebäudes verfolgt, hier aber von ihr abgelassen habe. Trotz ihrer Verletzungen habe es Solvita S. noch geschafft, über Handy eine Bekannte zu verständigen, die ihrerseits die Polizei alarmiert habe.

 

Den Ärzten sei es gelungen, das Leben der Studentin in einer Notoperation zu retten; gleichzeitig sei das Kind per Kaiserschnitt entbunden worden - ein Junge. Wie durch ein Wunder habe er die Attacke unversehrt überstanden und sei wohlauf.

 

Ludger B.-G. habe sich unmittelbar nach der Tat entschlossen, sich der Polizei zu stellen, und sich bereits auf dem Weg zum Präsidium am Friesenring befunden, als er der Besatzung eines Streifenwagens in die Arme lief. Es folgte ein umfassendes Geständnis, das inzwischen auch durch die Erklärungen von Solvita S. weitgehend bestätigt worden sei, so W. Schweer Mitte August.

 

Hintergrund des Mordversuchs: die Studentin habe den Kolleg-Dozenten offensichtlich wegen ihrer Schwangerschaft bedrängt. Er solle sich dazu bekennen und finanziell für das Kind aufkommen. Auf Anfrage hat die Staatsanwaltschaft Münster der lettischen Tageszeitung Diena bestätigt, daß ein Gentest Gewißheit erbracht habe - Ludger B.-G. sei tatsächlich der Vater (4. September; Bild Zeitung, 29. Juli; Westfälische Nachrichten, 19. August).

 

Hauen und stechen aber auch im fernen oberösterreichischen Linz. Wie die örtlichen Medien berichten, war hier Anfang Oktober ein lettisches Ehepaar in heftigen Streit geraten, wie sich nachhinein herausstellte, nicht zum ersten Mal. Umbringen werde er sie, habe der 41-jährige Mann seiner Gattin mehrfach gedroht, und ihr schließlich ein Messer in den Oberschenkel gerammt.

 

Die 29-jährige Frau habe zunächst keinen Arzt aufgesucht und den Vorfall auch nicht der Polizei gemeldet. Tags darauf habe sie es sich aber anders überlegt, noch auf der Wache sei von ihrem Gatten per Telefon mit weiteren wüsten Morddrohungen überschüttet worden. Die Ordnungshüter hätten den rabiaten Ehepartner umgehend festgenommen, während das Opfer zur Versorgung der Stichwunde in das AKH Linz eingeliefert worden sei.

 

Pressemeldungen zufolge sei der Mann bereits in Lettland für Gewaltdelikte verurteilt worden, der Sender ORF wußte darüber hinaus zu berichten, er habe mehr als die Hälfte seines Lebens in Gefängnissen verbracht (3. Oktober; Oberösterreichische Nachrichten, 3. Oktober).

 

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