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Münster, 16.8.2017
Lettland gelingt die Überraschung PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Montag, den 14. November 2016 um 11:41 Uhr

Leider nur zwischenzeitlich, am Ende folgt die erwartete Niederlage in Portugal

Estadio AlgarveNach zwei aufeinanderfolgenden Nullzuzweipleiten daheim in der WM-Qualifikation, gegen die Färöer und Ungarn, fuhr die von Marians Pahars trainierte izlase ohne viel Hoffnung nach Portugal. Immerhin ging es in einen besonders schönen Landesteil, an die Algarve. An der Südküste, zwischen Faro und Loulé, haben sie rechtzeitig zur EM 2004 ein schmuckes Stadion errichtet, von dessen Flutlichtmasten aus man den Atlantik sehen kann. Die lettischen Fußballanhänger knüpfen sehr positive Erinnerungen an jenes Turnier, war es doch das bislang einzig große, für das sich die Auswahl ihres Verbandes qualifizieren konnte.

Das Estadio Algarve, Foto: CC BY-SA 2.0, Link

 

Der Abend im Estádio Algarve war ein Abend der Elfmeter. Gleich zwei davon bekamen die Gastgeber zugesprochen. Den ersten gab es nach einer weitgehend ereignislosen ersten halben Stunde. Gints Freimanis foulte Nani im Strafraum, Cristiano Ronaldo verwandelte sicher. Kurz darauf parierte Andris Vanins glänzend gegen Ronaldo und verhinderte eine höhere Halbzeitführung. Sie war verdient, weil die Portugiesen nach dem Führungstreffer deutlich mehr offensive Aktionen zeigten. Die der Letten ließen sich an einer Faultierhand abzählen. Igors Tarasovs Schuss aus sehr spitzem Winkel wurde eine sichere Beute von Rui Patricio im Tor, Artjoms Rudnevs Versuch zwei Minuten vor dem Seitenwechsel blockierte ein Abwehrbein, sodass der portugiesische Keeper gar nicht erst eingreifen musste.

Nach dem Pausentee passierte zunächst nicht viel. Portugal war das angriffslustigere Team, allerdings wurde Vanins in der ersten Viertelstunde nie ernsthaft gefordert. Auch die einzige Torannäherung der Gäste, wieder von Rudnevs, blieb in der portugiesischen Abwehr hängen. Dann gab es den nächsten Elfmeter. Glebs Kluskins legte André Gomes im Sechzehner, auch diesen Strafstoß konnte man geben. Doch Ronaldo scheiterte an Vanins und dem linken Pfosten.

Eine Stunde absolviert, nur mit einem Tor hinten: Pahars hielt die Zeit für gekommen, einen Spielerwechsel vorzunehmen. Er brachte einen Stürmer für einen Stürmer und ersetzte den ineffektiven Davis Ikaunieks durch Arturs Zjuzins. Letzterer stürmt für Baltika Kaliningrad in der zweiten russischen Liga. Im früheren Königsberg, ältere Leser erinnern sich, war auch Imanuels Kants eine Zeitlang aktiv. Nur sieben Minuten benötigte Zjuzins, um ein Postulat des großen Fußballweisen in die Tat umzusetzen: Wer seine Aufgabe erfüllen soll, der muss auch frei sein. Zjuzins war frei, zumindest passte die gegnerische Abwehr einmal nicht richtig auf. Des Kantjüngers Schuss aus zentraler Position schlug rechts unten ein.

Kant-Denkmal in Königberg

Imanuels Kants, einst Aktiver in Königsberg, bestimmt noch heute die Spieltaktik, Foto: CC BY-SA 2.5, Link

Aufgabe erfüllt, Ausgleich erzielt! Lange jedoch durften sich die Letten nicht am unentschiedenen Spielstand erfreuen. Nur zwei Minuten später nickte William Carvalho eine Flanke von Ricardo Quaresma aus kurzer Distanz ein. Nicht nur Kant, auch Fußball ist manchmal Kopfsache. So ging die Partie dahin, der Spielfluss erlahmte. Rui Patricio hätte ein Buch lesen können, so selten kamen die Gäste auch nur in die Nähe seines Sechzehners. Die Portugiesen waren kaum gefährlicher. Fünf Minuten vor dem Ende machte Ronaldo mit seinem zweiten Treffer alles klar. Es war ein sehenswerter Volleyschuss, und wieder hieß der Vorbereiter Quaresma.

Das war aber noch nicht alles. Die Portugiesen hatten plötzlich wieder Spaß am Fußball. Zunächst versiebte Ronaldo eine Riesenchance, als er, vom eingewechselten Renato Sanches glänzend freigespielt, das Tor verfehlte. In der Nachspielzeit traf er dann, wenn auch nur die Latte. Den 4:1-Endstand besorgte schließlich Bruno Alves per Kopfball nach einer Ecke.

Lettland hatte sich ganz gut aus der Affäre gezogen. Letztendlich erwiesen sich die Portugiesen jedoch als zu stark. In der Qualifikationsgruppe B führt die Schweiz nach vier Siegen aus ebenso vielen Spielen; zuvor am Abend hatten die Eidgenossen die Färöer 2:0 geschlagen. Portugal folgt auf Rang zwei vor den Ungarn. Lettland ist Vorletzter, weist drei Zähler mehr auf als das punktlose Andorra, aber einen weniger als die viertplazierten Färöer. Das nächste Mal ist Pahars‘ Mannschaft am 25. März 2017 gefordert. Dann geht es zum Tabellenführer in die Schweiz.

 

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