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Münster, 26.6.2017
WM 2017: Perfekter Start für Lettlands Eishockeyteam PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Mittwoch, den 10. Mai 2017 um 08:44 Uhr

3:0, 3:1, 2:1

Lanxess-ArenaWenn ein Gegner nicht ganz ernstgenommen wird bei einer Eishockey-WM, sagt dies einiges über den bisherigen Verlauf aus. Tatsächlich hatte die izlase ihre ersten beiden Turnierspiele gewonnen, was selten vorkommt. Beim Auftaktspiel gegen Dänemark gab es keinerlei Probleme, am Ende stand ein klares Dreizunull (Torschützen: Gints Meija und, doppelt, Miks Indrašis, beide spielen beim KHL-Klub Dinamo Riga).

Die Lanxess-Arena in Köln ist ein Austragungsort der Eishockey-WM 2017, Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC-BY-SA 4.0, Link

 

Es folgte ein nicht unbedingt erwartetes 3:1 gegen die Slowakei. Hier trafen für die Rot-Weiß-Roten Janis Sprukts, NHL-Profi Zemgus Girgenssons (stürmt im Ligaalltag für die Buffalo Sabres) und Andris Dzerins. Garant des Sieges aber war zweifellos Elvis Merzlikins. Der schon bei der letzten WM vorzügliche Keeper des Schweizer Spitzenklubs HC Lugano hielt seinen Kasten mit einer Ausnahme sauber. Der Treffer zum zwischenzeitlichen 1:2 aus slowakischer Sicht fiel in der 50. Minute durch Michel Miklik, im Gegenzug bereits machte Dzerins alles klar.

Plötzlich fanden sich die Letten, nach zwei Spieltagen, an der Spitze der Vorrundengruppe A wieder. Die Aussichten, dass dies auch nach der dritten Begegnung so bleiben würde, waren gut. Hieß der Kontrahent doch Italien, das nach einer respektablen, erst in der Overtime erlittenen Niederlage durch die Slowaken gegen Russland zweistellig untergegangen war. 1:10 hatte es am Ende geheißen. Unterschätzen wollte man die Italiener dennoch nicht, dafür sorgte schon der erfahrene, NHL-gestählte kanadische Coach der izlase, Robert Hartley. Informationen über den Gegner konnte er sich aus erster Hand bei Janis Sprukts holen.

Sprukts hat die abgelaufene Ligasaison in Italien verbracht, bei Ritten Sport, immerhin amtierender italienischer Meister. Was der 34-jährige, in der nordamerikanischen NHL früh gescheiterte, dafür aber in der Kontinentalen Hockeyliga KHL erfolgreiche Stürmer über die Spielstärke der italienischen Liga zu berichten wusste, wird Hartley nicht allzu viel Angst eingeflößt haben. Vielleicht lag’s an der mangelnden Ehrfurcht lettischerseits, dass der Underdog beim WM-Aufeinandertreffen in Köln bereits in der vierten Minute in Führung ging. Marco Insam schloss einen Konter der Italiener perfekt ab und ließ Merzlikins keine Chance.

Lanxess-Arena im Kölner Stadtteil Deutz

Die Lanxess-Arena im Kölner Stadtteil Deutz wird auch "Henkelmann" genannt, nach der Blechdose mit dem Henkel, den Arbeiter früher als Proviantbehälter zur Schicht mitnahmen, Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC-BY-SA 4.0, Link


Überhaupt fanden die Letten nicht ins Spiel. Erst eine umstrittene Foulentscheidung gegen Italien brachte eine Überzahlsituation, die Andris Dzerins in der 13. Minute zum Ausgleich nutzte: Vor dem gegnerischen Tor stehend fälschte er einen Distanzschuss von Kaspars Daugavins unhaltbar ab. Wer geglaubt hatte, die Rot-Weiß-Roten würden sich anschließend finden und einen sicheren Sieg einfahren, sah sich getäuscht. Die izlase fand weiterhin kein Rezept, die kompakte italienische Defensive zu knacken. Chancen blieben Mangelware. Als sich manche Beteiligten bereits auf die Verlängerung vorbereiteten, kam der zweite große Auftritt von Dzerins. Kristaps Sotnieks passte vom linken Flügel in die Mitte zurück, Dzerins nahm direkt ab und vollstreckte. 2:1 in der 59. Minute! Dabei blieb es.

Zwei Fragen gäbe es jetzt noch zu beantworten. Was können die Letten noch reißen im restlichen Turnierverlauf? Und wer ist Andris Dzerins? Der 29-jährige, in Jekabpils geborene Angreifer verdient sein Geld nach sieben Jahren in der KHL (Dinamo Riga) seit einer Saison im ostböhmischen Hradec Kralové. Das ehemalige Königgrätz, Schauplatz des militärischen Triumphs Preußens über Österreich anno 1866, beheimatet den Mountfield HK in der tschechischen Hockeyliga. Dort sind sie mächtig stolz auf ihren lettischen Gastarbeiter und verfolgen natürlich auch dessen Leistungen bei der WM in Köln. Drei Treffer sind es bislang, künftig weitere zu erzielen dürfte Dzerins wesentlich schwerer fallen - denn die nächsten Gegner, womit wir bei der Beantwortung der ersten Frage wären, haben es in sich.

Zunächst wartet am Donnerstag Schweden, dann folgen Samstag die USA, bevor es am Montag gegen Russland geht. Allein nur in einem dieser Spiele die Verlängerung zu erreichen und damit einen Punkt zu gewinnen wäre eine Überraschung. An einen Sieg ist kaum zu denken. Der müsste denn auch im allerletzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Deutschland her, um das nach dem guten Start neu gesteckte Ziel zu erreichen. Das lautet: Viertelfinale. Doch auch wenn die Deutschen, vom Auftaktsieg gegen die US-Amerikaner abgesehen, bislang wenig überzeugend auftraten - es setzte klare Niederlagen gegen Schweden und Russland - stehen die Chancen für Lettland alles andere als günstig. Hauptgrund ist der Spielplan: Während Deutschland nach zwei Tagen Rast ausgeruht ins letzte Gruppenspiel am Dienstag gehen darf, müssen die Letten bereits 22 Stunden nach Ende ihres Russlandduells wieder aufs Eis.

 

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