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Münster, 26.6.2017
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Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Mittwoch, den 17. Mai 2017 um 15:25 Uhr

Lettische Achterbahnfahrt mit unglücklichem Ende

Lanxess-ArenaEine halbe Stunde lang passierte recht wenig im entscheidenden deutsch-lettischen Duell um die Teilnahme am Viertelfinale. In den ersten zehn Minuten mussten die Letten gleich zweimal eine Unterzahlsituation überstehen – ohne Folgen. Am Ende des Eingangsdrittels hatte Deutschland 19-mal, die izlase dagegen nur viermal aufs gegnerische Tor geschossen. Zum Glück stand bei den Rot-Weiß-Roten Elvis Merzlikins im Kasten, laut Statistik bislang der Goalie mit dem besten Verhältnis aufs Tor bekommener und gehaltener Schüsse.

Turbulente 60 Minuten im Henkelmann, so nennt man die Mehrzweckhalle in Köln-Deutz, Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC-BY-SA 4.0, Link

Im zweiten Abschnitt riskierten die Letten mehr. Bob Hartley, ihr kanadischer Coach, hatte wohl eingesehen, dass bei einem Torschussverhältnis wie bis dahin ein deutscher Treffer nur eine Frage der Zeit sein würde. Die erste lettische Überzahlsituation resultierte in einem sehr ordentlichen Powerplay. Über eine Minute lang kam kein Deutscher an die Scheibe, doch leider brachten die Letten den Puck nicht im Tor unter. Etwas mehr als die Hälfte des Drittels war absolviert, als Stürmer Arturs Kulda wegen Beinstellens auf die Strafbank musste. Es war ein selten dämliches, da komplett unnötiges Foul, zumal ein lettischer Verteidiger in dieser Szene zur Stelle gewesen wäre. Fast hatte die izlase die Zweiminutenunterzahl schadlos absolviert, als Merzlikins ein Missgeschick passierte. Einen zugegeben harten Schuss von Dennis Ehrhoff ließ er nur abklatschen. David Wolf war zur Stelle, es hieß 1:0 für Deutschland. Nur 26 Sekunden später fiel das 2:0. Wieder packte Merzlikins nicht richtig zu, Dennis Seidenberg ließ sich die Chance nicht entgehen.

War’s das für die Letten? Keineswegs! Hartley setzte nun voll auf Offensive, und die Chancen blieben nicht aus. Die beste hatte Kaspars Daugavins. Kurz vor dem Torkreis angespielt, schaufelte er den Puck am deutschen Goalie vorbei – aber nicht ins Netz. In einer fantastischen Reaktion parierte Philipp Grubauer den Schlenzer mit der Torwartkelle. Es war vielleicht die Parade des Turniers, aber sie demoralisierte die Letten nicht. Im Gegenteil: Eine Minute vor dem Drittelende vollendete Gunars Skorcovs eine Vorarbeit von Kristaps Sotnieks zum Anschlusstreffer. Mit 1:2 ging es in die Pause.

Im letzten Abschnitt stürmte Hartleys Horde munter weiter. Die Chancen häuften sich, doch zeigte Grubauer nicht die kleinste Unsicherheit. Auch Merzlikins fand bei den seltener werdenden, aber gefährlichen deutschen Gegenstößen zu alter Sicherheit zurück. Das Spiel wurde immer besser, und immer häufiger schnürten die Letten die Deutschen in deren Drittel ein. Ein sehr schöner Spielzug führte zum Ausgleich: Miks Indrasis legte per Rückhand auf, Janis Sprukts bewahrte vor dem Tor die Ruhe, düpierte einen Verteidiger und ließ auch Grubauer keine Chance. 2:2 in der 48. Minute!

Lettland blieb am Drücker. Fünf Minuten vor dem Ende bekam die izlase ihre große Gelegenheit: Erhoff erhielt eine Zweiminutenstrafe. Es kam eine typische Überzahlsituation: Uvis Balinskis zog aus der Distanz ab, Andris Dzerins hielt den Schläger rein, und die abgefälschte Scheibe landete unhaltbar für Grubauer im Netz. Es war Dzerins‘ vierter Treffer im Turnier. Drei Minuten und 52 Sekunden verblieben auf der Uhr.

Nun intensivierten die Deutschen ihre Angriffe. Inzwischen war aber Merzlikins zu großer Form aufgelaufen. Es sah so aus, als würden die Gastgeber am lettischen Goalie verzweifeln. Doch ziemlich exakt zwei Minuten vor dem Ende beging Kulda seine zweite große Dummheit in dieser Begegnung: Am Boden liegend umschloss er den Puck mit seinem Handschuh. Hart für die Letten, sie mussten die letzten beiden Minuten des Spiels in Unterzahl verbringen. Es wurde sogar eine doppelte, denn der deutsche Coach entschloss sich zu einem gewagten Schritt. Er nahm Grubauer zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Die Maßnahme hatte Erfolg. In der resultierenden 6:4-Überzahl kamen die Letten nicht mehr an die Scheibe. 32 Sekunden vor Schluss setzte Leon Draisaitl seinen Stürmerkollegen gekonnt in Szene, Felix Schütz nutzte die perfekte Vorlage zum Ausgleich. Keine Chance für Merzlikins!

Es ging in die fünfminütige Verlängerung. Auch in dieser hatte die izlase spielerisch eine klare Übermacht. Es kam aber nichts Zählbares zustande. Am Ende musste also ein Penaltyschießen über den Einzug ins Viertelfinale entscheiden. Allen drei lettischen Schützen scheiterten an Grubauer. Bei den Deutschen versagten nur zweien die Nerven, Frederik Tiffels verwandelte seinen Versuch. Die Letten müssen, nach insgesamt guter Leistung, die WM nach der Vorrunde verlassen. Deutschland trifft im ersten K.o.-Spiel auf Topfavorit Kanada.

 

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