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Münster, 20.11.2017
Lettland überzeugt bei der Eurobasket 2017 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Mittwoch, den 13. September 2017 um 14:54 Uhr

Wieder Viertelfinale

Ainars BagatskisWie schon vor zwei Jahren (siehe Bericht Lettland unterliegt Frankreich, hält aber lange Zeit mit) erreichte Lettland bei der 40. Auflage der Basketball-Europameisterschaft das Viertelfinale. Dort unterlag das von Ainars Bagatskis gecoachte Team nach großem Kampf Slowenien erst in der Schlussphase. Bis dahin hatten die Letten viel Spaß im Turnier. Der erwarteten, mit 82:92 aber recht knapp ausgefallenen Auftaktniederlage gegen Vizeolympiasieger Serbien folgten Siege über die Außenseiter Belgien und Großbritannien. Dann ging es ins Duell mit dem Erzrivalen Russland. Auch hier war der Gegner favorisiert. Zur Halbzeit lagen die Rotweißroten zehn Punkte zurück. Im dritten Viertel hielt man die Russen auf ganze acht Punkte und steuerte selber 18 bei, sodass der Spielstand vor dem Schlussabschnitt wieder ausgeglichen war. Am Ende spielten sich Kristaps Porzingis, Janis Strelnieks und Kollegen in einen Rausch, erzielten 32(!) Punkte, ließen nur 17 zu und hatten zu diesem Zeitpunkt den Achtelfinaleinzug bereits klargemacht. Ein abschließender, ebenfalls nicht unbedingt erwarteter Sieg über Gastgeber Türkei (89:79) rundete die gute Vorstellung ab und bescherte den Letten den zweiten Tabellenplatz in ihrer Vorrundengruppe.

Trainer Ainars Bagatskis, Foto: Romualds Vambuts, sportacentrs.com - Foto: Veiksmi jums, vīri!, Saite

In der Ko.-Runde wartete mit Montenegro eine lösbare Aufgabe. Tatsächlich gaben sich Bagatskis‘ Schützlinge keine Blöße und dominierten die Begegnung von Beginn an. Zwölf Punkte betrug der Vorsprung nach dem ersten, 22 nach dem dritten Viertel. Am Ende standen für die Rotweißroten satte 100 Punkte zu Buche, bei den Montenegrinern nur 68. Bester Werfer der Letten war diesmal Janis Timma mit 21 Punkten. Bagatskis konnte es sich sogar leisten, seinen besten Spieler Porzingis ein Stück weit zu schonen.

Im Viertelfinale wartete schon wieder ein Gegner aus Ex-Jugoslawien. Slowenien hatte seine Gruppe trotz namhafter Konkurrenz aus Frankreich und Griechenland als Erster abgeschlossen, und das sogar verlustpunktfrei. Im Achtelfinale folgte der sechste Sieg, gegen hoffnungslos unterlegene Ukrainer (79:55). Das Duell mit Lettland versprach ebenfalls recht wenig Spannung. Beide Länder haben zwar in etwa gleich viele Einwohner. In der Rangliste der Basketball-Nationalmannschaften sind die Slowenien als Zwölfter jedoch wesentlich besser platziert als die Letten, die an Position 35 gelistet sind.

Im Auftaktviertel sah es gar nicht gut aus für Lettland. Elf Zähler betrug der Rückstand. Im zweiten Viertel war dieser freilich schon wettgemacht, zur Halbzeit führten die Rotweißroten nun ihrerseits mit vier Punkten. Doch was nutzt die gute Vorstellung, wenn im dritten Abschnitt ein Einbruch erfolgt? Ganze elf Punkte brachte der Außenseiter zustande, der Vorsprung der Slowenen betrug wieder solide zehn Zähler.

Im abschließenden Viertel keimte für den Außenseiter noch einmal Hoffnung auf. Porzingis brachte sein Team auf 92:93 heran, da waren weniger als zwei Minuten auf der Uhr. Überhaupt hielt der für die New York Knicks in der nordamerikanischen Profiliga NBA spielende Power Forward seine Mannschaft im Spiel, dank insgesamt 34 eigener Punkte – eine Wahnsinnsausbeute für ein EM-Viertelfinale. Anschließend behielten die Slowenen die Nerven, versenkten zwei Freiwürfe und legten, nachdem die Letten im Gegenzug nicht getroffen hatten, rasch noch zwei Punkte obendrauf. Hinzu kam, dass Porzingis nach seinem fünften persönlichen Foul nicht mehr weiterspielen durfte. Am Ende hieß es 103:97 für die Slowenen.

Auf sie wartet im Halbfinale Turnierfavorit Spanien. Das Starensemble um das in der NBA unter Vertrag stehende Brüderpaar Pau (San Antonio Spurs) und Marc (Memphis Grizzlies) Gasol schlug in einer weiteren Viertelfinalbegegnung Deutschland, deren NBA-Star Dennis Schröder im Ligaalltag für die Atlanta Hawks aufläuft, nach anfänglichen Problemen noch recht klar mit 84:72. Die Letten fahren erhobenen Hauptes nach Hause; sicherlich auch mit der leisen Hoffnung, es in zwei Jahren vielleicht doch einmal ins Halbfinale eines Eurobasket-Turniers zu schaffen.

 

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