logo
Münster, 16.7.2018
Lettische Medaille in Pyeongchang: Kein Grund zum Jubeln PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Dienstag, den 20. Februar 2018 um 07:58 Uhr

MelbardisOskars Melbardis holt nur Bronze im Zweierbob

Am Ende sahen Oskars Melbardis und Janis Strenga nicht wie strahlende Medaillengewinner aus. Eher wie erleichterte. Immerhin gewannen sie Bronze, noch dazu Lettlands erstes Edelmetall bei diesen Winterspielen. Andererseits mussten sich die Beiden eingestehen: Es gab nur Bronze! Nach vier Rennen auf der olympischen Bobbahn in Pyeongchang wurde jedem neutralen Beobachter klar: Da war mehr drin! Wer etwas anderes behauptet, hat keine Ahnung vom Bobsport.

Oskars Melbardis, Foto: CC BY-SA 2.0, Saite

Offenbar gibt es unter den Sportjournalisten sehr viele solcher Ahnungsloser, die alles durch eine nationale Brille sehen, jeden Tag auf den Medaillenspiegel blicken, Gold-, Silber- und Bronzemedaillen zählen und in ihrer Heimat einen Rausch erzeugen, der mit gesundem Patriotismus nur noch wenig zu tun hat. Vor allem deutsche Journalisten tun sich mit der Medaillenzählerei hervor, ihre vor nationalem Pathos strotzenden Berichte wirken wie aus schwarz-rot-senf-farbener Feder dahingegossen. Mal ganz ehrlich: Was war so toll an der Performance der deutschen Zweierteams im Eiskanal von Pyeongchang? Nicht sie lieferten, trotz Goldmedaille, die größte Leistung ab, und auch nicht die Kanadier, die sich letztlich das Edelmetall mit den Michels teilten. Nein, am besten fuhren die Letten!

Melbardis/Strenga schafften die Bestzeit im ersten Lauf, legten im dritten Lauf die zweitbeste Zeit hin und fuhren wieder Bestzeit im abschließenden vierten Lauf. Doch es half nichts mehr. Sie hatten den zweiten Durchgang verpatzt, gehörig verpatzt und sich alle Chancen auf die verdiente Goldmedaille verdorben. Knapp wurde es dennoch: Nach dem grandiosen Finaldurchgang fehlten dem lettischen Duo gerade mal fünf Hundertstelsekunden auf Gold.

Die Siegermedaille durften sich gleich zwei Fahrerpaare umhängen: Der am wenigsten fehlerbehaftete deutsche Pilot Francesco Friedrich mit Anschieber Thorsten Margis und das von drei mittelmäßigen kanadischen Duos solideste, bestehend aus Justin Kripps an den Lenkseilen und seinem Hintermann Jesse Lumsden. Die Tragik, dass in Pyeongchang nicht der beste Fahrer gewann, wurde schließlich zur Farce, als der deutsche und der kanadische Bob nach vier Durchgängen die exakt gleiche Zeit aufwiesen.

Sicher, man würde sich als schlechter Verlierer outen, würde man, nach immerhin vier Läufen, den beiden Siegerteams die Berechtigung des Erfolgs absprechen. Aber nach dem ganzen Unsinn, den vor allem die deutschen Medien über ihren Goldbob bereits in der ersten Stunde nach Ende des Wettbewerbs verzapft haben, dürfen sie dieses zweifelhafte Prädikat der Lettischen Presseschau auch noch gerne anheften. Der Schreiber dieser Zeilen ist stolz darauf, ein schlechter Verlierer zu sein!

Unterm Strich bleibt: Die Goldfahrten der mit Ahornblatt beziehungsweise Bundesadler geschmückten Zweierbobs waren weder souverän noch dominant und erst recht nicht frei von Fehlern. Aber so ist der Schlittensport nun mal. Im Rodeln der Männer ging der zweifellos beste Fahrer in dieser Disziplin, der Deutsche Felix Loch, leer aus, nachdem er, die Goldmedaille sicher vor Augen, in der neunten Kurve so bös patzte, dass er bis auf Rang fünf durchgereicht wurde. Da war das Gejammer bei den Michels natürlich groß!

Anders als Loch haben Melbardis und Strenga nicht nur eine Medaille gewonnen. Sie haben sogar noch die Chance auf ein zweites Edelmetall. Ob es ein goldenes wird? An den Abschlusstagen der Winterspiele steigt der Wettbewerb im Viererbob. Dann kann Melbardis zeigen, wer wirklich der beste Pilot in der Eisrinne ist. Andererseits sollte der Ruf nach Revanche nicht zu laut und die Erwartung nicht zu hoch gesteckt sein. Kleine Fehler darf man sich auf dieser Bobbahn erlauben, aber keine großen Patzer wie im zweiten Durchgang des Zweierwettbewerbs.

 

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||