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Münster, 16.7.2018
Lettischer Fußball: Nationaltrainer Aleksandrs Starkovs entlassen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Dienstag, den 03. April 2018 um 10:51 Uhr

Das demütigende Nullzueins in Gibraltar war wohl doch zu schlimm

StarkovsAls Liam Walker in der 88. Minute den einzigen Treffer im Freundschaftsmatch Gibraltars gegen Lettland erzielte, ahnte man schon, was folgen würde. Die Rede soll hier nicht vom Jubel des gastgebenden Fußballzwergs nach seinem erst zweiten Länderspielsieg sein. (Zuvor gab es einmal einen Erfolg der Elf von der Südwestspitze des Kontinents über die Auswahl Maltas, ebenfalls mit dem Minimalergebnis). Nein, es ist die Reaktion der Gäste, von der allenfalls überraschte, dass sie so lange dauerte.

Aleksandrs Starkovs, Foto: Papuass - Paša darbs, CC BY-SA 3.0, Saite

 

Am heutigen Dienstag war es dann aber so weit. Der lettische Fußballverband entließ seinen Trainer Aleksandrs Starkovs. Der Zeitpunkt für einen Trainerwechsel ist nicht der schlechteste. Bis zum Beginn der Qualifikation für das nächste große Turnier nach der im Sommer stattfindenden WM ist es noch ein halbes Jahr hin. Da bleibt reichlich Vorbereitungszeit.

Dennoch sollten die Verantwortlichen in Lettland nicht nur Ruhe bewahren. Sie sollten sich auch die Zeit nehmen, um einmal etwas tiefer über das Dilemma nachzudenken, in dem die izlase nun schon seit geraumer Zeit steckt. Starkovs hatte seinen Posten erst seit einem Jahr inne, nachdem sein Vorgänger, ebenfalls nach einer demütigenden Niederlage in einem Freundschaftsspiel, seinen Platz hatte räumen müssen. Marians Pahars war ein Nullzufünf gegen Georgien zum Verhängnis geworden. Ironie der Geschichte: Pahars‘ Nachfolger im Amt war gleichzeitig sein Vorgänger. Aus diesem Paradoxon lässt sich messerscharf schließen, dass jener auf den Namen Aleksandrs Starkovs hört – und dass die Auswahl an lettischen Trainern offenbar nicht besonders groß zu sein scheint.

Der neue Trainer – sofern es denn nicht schon wieder Pahars ist – wird gegenüber den entlassenen Amtsträgern den Vorteil haben, dass er wirklich von ganz unten kommt. Position 131 in der FIFA-Weltrangliste ist die schlechteste Platzierung, die Lettland je einnahm. Zum Vergleich: Die Konkurrenz aus Estland liegt aktuell an 86. Stelle. Nicht von ungefähr: Das kleinste baltische Land verbuchte bei seinem jüngsten Gastspiel auf Gibraltar im Herbst letzten Jahres immerhin einen 6:0-Erfolg; die Qualifikation zur WM in Russland schloss man als Gruppenvierter ab. Lettland hingegen wurde Vorletzter, gerade eben noch vor Andorra, aber hinter den Färöerinseln.

Wer immer auch die Nachfolge Starkovs‘ antritt – bislang gibt es nur Spekulationen, an denen sich die Lettische Presseschau nicht beteiligen möchte – wird bald Gelegenheit zu einer Standortbestimmung (und hoffentlich auch -verbesserung) haben. Nächster Länderspielgegner der izlase ist am 2. Juni ausgerechnet Nachbar Estland. Dann geht es um den Einzug ins Finale des Baltic Cup.

 

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