logo
Münster, 24.1.2020
Handball-EM Lettland gegen Deutschland: 27 zu 28 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 15. Januar 2020 um 00:00 Uhr

Eine Niederlage als Achtungserfolg des EM-Neulings

Von Ralf Bongartz

TrondheimDie Sache in Trondheim schien klar: Das deutsche Team, eine Mannschaft mit langjähriger internationaler Erfahrung und Titelambitionen, traf im Vorrundenspiel der Gruppe C am 13. Januar 2020 auf den Neuling Lettland, als dessen größter Erfolg bislang gilt, sich erstmals für eine Handball-Europameisterschaft qualifiziert zu haben. Doch nach klarem und erwartbarem Vorsprung der Deutschen gelang den Letten in der zweiten Halbzeit eine überraschende Aufholjagd. Zuletzt fehlte nur ein Tor für eine Handball-Sensation.

Das norwegische Trondheim, hier findet ein Teil der derzeitigen Handball-EM statt, Foto: Åge Hojem/Trondheim Havn from Trondheim, Norway - Nidelva og TrondheimUploaded by beagle84, CC BY-SA 2.0, Link

Experte Anatolijs Kreipans benannte die Nachteile des lettischen Teams: Es hatte als einziges noch nie an einem internationalen Turnier teilgenommen und als Vorbereitungsspiel nur ein Trainingsmatch gegen Norwegen absolviert – und zwar gegen die zweite Mannschaft des Wikingerlandes. Zudem war unklar, in welcher Verfassung sich der lettische Spielmacher Dainis Kristopans befindet (sportacentrs.com).

In einer denkbar guten, wie sich bald herausstellte: Der lettische Riese von 2,14 Metern, der derzeit noch beim Spitzenclub Vardar Skopje unter Vertrag steht und im Sommer nach Paris wechseln wird, vermochte sich aus den Fesseln der deutschen Verteidigung zu befreien, warf selbst sieben Tore und hätte seine Mannschaft nach klarem Rückstand fast doch noch zum Ausgleich geführt, doch der Reihe nach...

In der ersten Viertelstunde gelang den Letten ein ausgeglichenes Spiel, ihnen gelang es, Tempo herauszunehmen. Trotz einer Strafzeit gegen Ingars Dude hielten sie einen Gleichstand von vier zu vier. Danach häuften sich auf lettischer Seite die Fehlwürfe und die deutsche Mannschaft spielte bis zur Pause einen Vorsprung von 16 zu 11 heraus. Die Letten hatten Schwierigkeiten mit Julius Kühn, der mit Würfen bis zu 120 km/h die Bälle ins Netz versenkt. Der linke Rückraumspieler der Deutschen traf acht mal das gegnerische Tor.

Bis zur 50. Minute schien das Spiel entschieden, die Deutschen hatten ihren Vorsprung auf sieben Treffer ausgebaut. Doch die Letten verzagten nicht, stemmten sich leidenschaftlich gegen die Niederlage. Kristopans, Dude und Aivis Jurdzs kamen nun immer wieder zu Toren. Nun häuften sich auch auf deutscher Seite die Fehler. Hendrik Pekeler, der gegen Kristopans verteidigen sollte, gab offen zu, dass seinem Team die Kontrolle über „Lettlands stärkste Waffe“ entglitten war - also über Kristopans, der laut stuttgarter-nachrichten.de über „Hände wie Bratpfannen“, „Unterarme wie Schraubstöcke“ sowie über „ein Kreuz“ verfüge, „hinter dem sich jeder Möbelpacker verstecken könnte“.

Kristopans wusste die deutsche Schwäche gut zu nutzen und setzte seine Mitspieler immer wieder routiniert in Szene. Tor um Tor kamen die aufopferungsvoll kämpfenden Letten heran und hätten ein Unentschieden mehr als verdient gehabt. Zuletzt fehlte nur ein Tor, die Deutschen retteten sich mit 28 zu 27 ins Ziel und entgingen nur knapp einer Blamage. Ein Unentschieden hätte für den achtmaligen Weltmeister Deutschland das vorzeitige Aus und für Lettland eine ähnliche Sensation wie 2004 bedeutet. Bei der damaligen Fußball-EM in Portugal hatten die Letten gegen die Deutschen ein Null zu Null gehalten, der bislang größte Erfolg des lettischen Fußballs.

Gegen Deutschland zeigte das lettische Handball-Team, das zuvor gegen Spanien mit 22 zu 33 und gegen die Niederlande mit 24 zu 32 verloren hatte, seine beste Leistung. Die knappe Niederlage ist ein Achtungserfolg, vielleicht findet lettischer Handball in Zukunft mehr Beachtung.

 

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||