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Münster, 22.8.2019
Die Spiele sind vorbei –ein Rückblick auf die Eishockey WM 2006 PDF Druckbutton anzeigen?
Montag, den 29. Mai 2006 um 15:16 Uhr
Ehre, wem Ehre gebührt: Schweden hat sich in Riga mit dem klaren 4:0 Finalsieg über Tschechien völlig verdient zum neuen Eishockey Weltmeister 2006 gekürt. Damit bewiesen die Skandinavier, dass ihr Olympiasieg von Turin kein Zufall war.  Die „Tre Kronors“ schrieben mit diesem Double ein Stück Eishockeygeschichte. "Es ist toll, Teil der Eishockey-Geschichte zu sein", kommentierte Trainer Bengt-Ake Gustafsson daher nicht ohne Stolz den historischen Erfolg seiner Mannschaft.
Trainer Gustafsson hat allen Grund zur Freude. Schließlich gelang seiner Mannschaft diese herausragende Leistung ganz ohne NHL Stars wie Peter Forsberg, Mats Sundin oder Nicklas Lidström. So war es die Jugend, die ihre Chance bekam. Rückblickend läutete das 70. WM Turnier einen Generationswechsel in vielen Nationalteams ein. Neben dem 18-jährigen Kanadier  Sidney Crosby, dem 19-jährigen Russen Alexander Owetschkin, war es auch der 18-jährige Schwede Nicklas Bäckström, die sich auf der Weltbühne in Riga nach vorne spielen konnten.
 
 alle raus
 
(alle raus! Freies Bild, Wikipedia)
 
 
Das 11’ er Spiel

Und die lettischen Gastgeber? Nun ja, auch sie schrieben ein wenig Geschichte. Zwar gelang den lettischen Kufencracks im Auftaktmatch ein überaus respektables 1:1 gegen den zu dieser Zeit noch amtierenden Weltmeister Tschechien. Unglücklicherweise gerieten sie aber dann in der Zwischenrunde gegen recht namenlose Kanadier mit 0:11 so gehörig unter die Räder, was den DSF Kommentator zu der Aussage bewog: „Die Kanadier wischen ja mit den Letten den Boden ihrer eigenen Arena auf.“ Das deutsche Sportfernsehen übertrug  ausgerechnet das Skandalspiel live in die deutschen Wohnzimmer. Womit hiesige Eishockeyfans –auch noch am 11 Mai - die zweit höchste Niederlage eines WM-Gastgebers verfolgen konnten. Grund genug dieses skandalöse Match näher zu betrachten:

Was war geschehen? Der US-amerikanischen Schiedsrichter Rick Looker erkannte gegen Lettlands Mannschaft rekordverdächtige 32 Strafminuten (16 Strafen), während das Strafmaß gegen Kanada mit 14 Strafminuten (7 Strafen) eher moderat ausfiel. Somit spielten die Letten mehr als die Hälfte dieses Matches in Unterzahl. Hatte Looker, der sein Geld in Deutschland verdient, etwa mit zweierlei Maß gemessen? Jein, zum Unglück der Letten pfiff der Schiedsrichter vor allem zu Beginn der Partie übertrieben kleinlich. Maris Zembergs kommentierte in der Diena:“ Wir waren schwach und langsam und Schiedsrichter Rick Looker pfiff wie ein einprogrammierter Roboter nach jedem Bully gegen uns.“ Das brachte die lettischen Zuschauer -eigentlich bekannt als die „besten Eishockeyfans der Welt “-  in der Riga Arena derart aus der Fassung, dass diese allerlei Gegenstände auf die Eisfläche warfen, was im letzten Drittel zum vorübergehenden Spielabbruch führte. Lettlands nun umstrittener Trainer Piotr Vorobiev übte sich eher in Selbstkritik: "Es ist falsch, den Schiedsrichter als Entschuldigung zu missbrauchen. Unsere Spieler waren einfach nicht richtig eingestellt. Mir haben die richtigen Worte gefehlt, sie aufzubauen. Die Kanadier wissen, wie man sich unter einem solchen Schiri zu verhalten hat, wir eben nicht." Abwehrspieler Atvars Tribuncovs resümierte doppeldeutig: „Wir können ja auch in allem den Schiri beschuldigen, aber wir müssen auch spielen.“

„Begeisterung der Leute unglaublich“

Dieses Match hatte Lettland eigentlich nicht verdient, verlief die Weltmeisterschaft ansonsten organisatorisch doch recht reibungslos. „Positiv fielen mir vor allem die Begeisterung der Leute fürs Eishockey und die Bedeutung des Sports auf. Dass die Teambusse mit Blaulicht und Sirene zum Stadion eskortiert wurden, zeugt vom Respekt und dem Stellenwert, den die Politiker dem Sport entgegen bringen“ sagte Gian Gilly in einer Pressekonferenz. Gilly ist der Chef des Organisationskommitees für die Eishockey WM 2009 in der Schweiz. Viele Schweden, Finnen, Norweger und Schweizer kamen nach Riga und bevölkerten friedlich die alte Hansestadt. Sie erfreuten sich an guten und aus ihrer Sicht günstigen Bier und nutzen die eigens für die Weltmeisterschaft aufgestellten Partyzelte. Nur am Ende kehrte kurz der Pannenteufel ein:  Als der schwedische Spieler Niklas Krönwall die Ehrung des MVP (most value player) entgegennahm und seine Mannschaft den Weltmeisterpokal nach oben stemmte, sahen die Fernsehzuschauer wegen eines kurzzeitigen Stromausfalles in Riga nichts von alledem.
 
-JvR-
 

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