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Münster, 18.7.2018
Lettlands Sportjahr 2013: Das Glas ist leer PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Samstag, den 07. Dezember 2013 um 00:00 Uhr

Tisch mit leerem GeschirrEs gibt angenehmere Aufgaben, als einen Jahresrückblick auf das lettische Sportjahr zu verfassen. So verflucht sich der Schreiber dieser Zeilen regelmäßig selbst, weil Lettland Sitz seiner Redaktion ist und nicht ein erfolgreicherer Staat ähnlicher Größe. Slowenien etwa, ein Land mit gleich großer Einwohnerzahl und ähnlich kaputter Wirtschaft wie Lettland, produziert im sportlichen Sektor zuverlässig positive Schlagzeilen. Das sogar in Mannschaftssportarten! Ob nicht doch ein freies Plätzchen in einer kleinen Redaktion in Ljubljana … ?

Wann wird in Lettland endlich mal was auf den Tisch kommen? Foto: Roger und Renate Rössing auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

Bleiben wir an der Ostsee. Slowenien besitzt nur eine lächerlich kleine Uferfläche an der Adria, die nicht einmal ausreichen würde, um einen Marathonlauf am Strand durchzuführen. Außerdem haben sich die Fußballer nicht für das Weltturnier in Brasilien qualifizieren können. Aber die Slowenen durften lange hoffen und gaben das WM-Ticket erst im letzten Spiel her, durch eine knappe Niederlage in der Schweiz. Statt ihrer durften die Isländer in den Playoffs ran, erzielten aber in zwei Spielen gegen Kroatien kein Tor. Gegen den ungeliebten Nachbarn hätten die Slowenen vermutlich eine bessere Figur abgegeben. Die izlase sicher nicht: Sie verlor das Qualifikationsspiel gegen eine andere Ex-Jugo-Elf daheim in Riga mit einem kläglichen Nullzufünf.

Karte Slowenien

Sloweniens Riviera ist unfassbar winzig, Karte: Nzeemin auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

Bosnien-Herzegowina hieß diese fußballerische Großmacht, Griechenland, Litauen, Liechtenstein und die Slowakei die weiteren Gegner in der Gruppe G. Eigentlich fünf Argumente, warum die Rot-Weiß-Roten mehr als die erreichten dürftigen acht Punkte hätten sammeln müssen. Gegen Liechtenstein und Litauen gab es je einen Heimsieg. Das war's auch schon. Hinzu kamen zwei Unentschieden - einmal im bedeutungslosen letzten Heimspiel gegen die Slowaken und, alle Achtung, beim Gastauftritt in Liechtensteins Hauptstadt Vaduz.

Nach dieser Pleite und der darauffolgenden Schmach gegen Bosnien-Herzegowina wurde izlase-Trainer Aleksandrs Starkovs gefeuert. Unter seinem Nachfolger Marians Pahars blieben größere Blamagen bislang aus, aber leider auch die Erfolge - sieht man von einem mühevollen 2:1 gegen die in der WM-Ausscheidung ebenfalls enttäuschenden Litauer ab. Nach Lettlands Versagen hatte Pahars immerhin fast ein ganzes Jahr zur Verfügung, um bis zur nächsten Qualifikation für ein Großturnier eine neue, schlagkräftigere Truppe aufzubauen. Die ersten Monate haben noch nichts gebracht. Aber warten wir mal ab …

 

Marians Pahars

Er soll es nun richten: Trainer Marians Pahars, Foto: Mārtiņš Bruņenieks auf Wikimedia Commons, Lizenz


In den europäischen Vereinswettbewerben lief es für den lettischen Fußball kaum besser. Der Provinzverein und Überraschungsmeister Daugava Daugavpils stand in der ersten Runde der Qualifikation zur Champions League dem schwedischen Provinzverein und Überraschungsmeister Elfsborg Boras gegenüber. Eine knappe Angelegenheit? Von wegen! Die Halbprofis aus Skandinaviens südlichem Zipfel setzten sich mit 7:1 und 4:0 durch! Noch Fragen? Vielleicht diejenige, ob die lettischen Klubs im anderen Wettbewerb nicht ein wenig besser abschnitten? Das schon. Der FC Ventspils überstand immerhin die erste und die zweite Qualifikationsrunde. Allerdings war der Auftaktgegner eine Betriebsmannschaft des Airbuswerks in Broughton (ja, in Wales spielen noch reine Amateure, die Profis verdienen ihr Geld in den fünf englischen Profiligen), und das Weiterkommen mittels zweier Unentschieden qua Auswärtstoreregel nicht gerade ruhmreich. Auch Skonto Riga setzte sich gegen den transnistrischen Verein FC Tiraspol, der dem moldawischen Fußballverband angehört, in Runde eins durch, wenn auch erst im Elfmeterschießen des Rückspiels. Die nächste Qualifikationshürde war mit Jeunesse Esch aus Luxemburg für Ventspils die erwartet leichte; gleich zwei Siege durften gefeiert werden. Höher einzuschätzen ist die Leistung von Skonto Riga. Die Hauptstädter schlugen den tschechischen Spitzenklub aus Liberec daheim 2:1 und verloren auswärts mit dem Minimalergebnis, was aufgrund der Auswärtstoreregel dann leider doch zum Ausscheiden führte. In der dritten und letzten Runde der Qualifikation hatte Ventspils sich mit Maccabi Haifa auseinanderzusetzen - und nicht den Hauch einer Chance. Nach einem torlosen Remis zu Hause setze es in der israelischen Hafenstadt eine 0:3-Niederlage.

Spannend war die Saison in der heimischen Virsliga. Vor dem letzten Spieltag hatte das bis dahin ungeschlagene Team von Skonto Riga nur zwei Punkte Rückstand auf Ventspils. Die letzte Begegnung führte den Spitzenreiter nach Riga. Leider nur zu den Emporkömmlingen von Daugava 90, dem Hauptstadtklub der russischen Minderheit. Der Aufsteiger der Vorsaison, im letzten Jahr nur durch eine erfolgreiche Relegation dem Abstieg entronnen, schlossen die 2013er Saison als guter Vierter ab, unterlag freilich abschließend dem neuen Meister mit dem knappsten aller Ergebnisse. Doch hätte Ventspils sogar verlieren können, da ein paar Kilometer entfernt Skonto gegen die Underdogs aus Jelgava keinen einzigen Treffer zu erzielen vermochte, statt dessen selber zwei kassierte.

Bahnschranke mit Bahn in Jelgava

Jelgava hat immerhin einen Gleisanschluss - und vielleicht sogar so etwas wie ein Fußballstadion, Foto: Ivars Indāns/ Panoramio auf Wikimedia Commons, Lizenz


Bei der diesjährigen Basketball-Europameisterschaft legten die lettischen Korbjäger einen guten Start hin. Dreimal gewannen sie gegen Teams aus dem ehemaligen Jugoslawien: Montenegro, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina. Durch die vierte Vertretung gab es dann eine Niederlage; allerdings galt Serbien auch als einer der Turnierfavoriten. Auch gegen den Nachbarn Litauen verloren die Letten, was ebenfalls keine Überraschung war. Immerhin hatten die Rot-Weiß-Roten die Zwischenrunde erreicht. Dort unterlag man dem späteren Titelträger Frankreich nach großem Kampf mit 91:102. Einen Sieg gab es auch. Mit 85:51 gegen die Ukraine fiel er sogar erfreulich klar aus. Das abschließende 56:60 gegen Belgien war bedeutungslos. Unterm Strich blieb ein geteilter elfter Platz. Gar kein so schlechtes Resultat, wie der Mitinhaber des gemeinsam besetzten Ranges unterstreicht: Die europäische Basketballgroßmacht Griechenland schnitt beim Kontinentalturnier um keinen Deut besser ab als die Letten.

Gemischte Eindrücke gibt es vom Eishockey zu vermelden. Eher Schlechtes von der letzten Weltmeisterschaft, wo Lettland bereits in der Vorrunde scheiterte und dennoch das Fazit lauten durfte: Alles halb so schlimm. Schließlich hatten die rot-weiß-roten Kufencracks das wichtigste Turnier des Jahres bereits einige Monate zuvor bestritten, noch dazu erfolgreich! Beim Turnier in Riga qualifizierte sich Lettland für die kommenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi. Na also! So gibt es beim Ausblick auf das Jahr 2014 etwas, auf das wir uns freuen dürfen.

 

Briefmarke yu den Olzmpischen Spielen in Sotschi

Winterspiele, auf die wir uns freuen dürfen: An einem mediterranartigen Ort der Homophobie und der ethnischen Probleme, ausgewählt von einer korrupten und senilen Funktionärselite, das große schäbige Geschäft des Sportrummels gelingt in einer neoliberalen Halbdiktatur eben noch besser und schmieriger. Einerseits beansprucht die russische Post für die Abbildung ihrer Briefmarke keine Lizenz, andererseits sind Lizenzfiguren mit entsprechenden Copyright-Warnhinweisen dargestellt. Das Olympia-Personal, wahrscheinlich Leibeigene des IOC, muss deshalb anonym bleiben. Foto: Wikimedia Commons


Ach ja, um den Bogen zum Anfang zu spannen: Die Slowenischen Eishockeyspieler haben sich für dieses Turnier natürlich auch qualifiziert! Und bei der Basketball-Europameisterschaft hatten sie den fünften Platz geschafft.

"Das Glas ist leer", lautete das Fazit im Rückblick der Presseschau auf das Sportjahr 2012. Voller ist es, um im Bild zu bleiben, in der aktuellen Bilanz nicht geworden. Aber es ist auch noch nicht kaputt.

 

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