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Münster, 24.11.2017
Lettland verabschiedet sich von der Eishockey-WM 2014 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Ralf Hoeller   
Mittwoch, den 21. Mai 2014 um 00:00 Uhr

Lettisches Nationalteam auf dem EisZwei Minuten und 23 Sekunden waren noch auf der Uhr, als Zemgus Girgensons einen Schlagschuss von Kristaps Sotnieks abfälschte und den Anschlusstreffer markierte. Zuvor hatten Damien Brunner, Dominik Schlumpf und Yannick Weber zum zwischenzeitlichen 3:0 für die Schweiz getroffen. Da waren gerade mal 21 Minuten gespielt. Hätte nicht Koba Jass umgehend den ersten lettischen Treffer erzielt, wäre die Partie wohl entschieden gewesen. Es war ein harmloser Distanzschuss, den der eidgenössische Goalie Reto Berra locker hätte halten können.

Das lettische Nationalteam, hier bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010, Foto: Chase N. auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

Doch wusste die izlase das Geschenk nicht zu nutzen. Ein paar halbe Chancen im zweiten Drittel für Miks Indrasis, Juris Stals, Girgensons und Sotnieks, mehr sprang vorerst nicht heraus. Die Schweizer blieben bei ihren wenigen Kontern gefährlicher, scheiterten aber am aufmerksamen Kristers Gudlevskis im lettischen Kasten.

Auch im abschließenden Drittel konnten die Letten keinen Druck erzeugen. Lag es daran, dass sie erst 18 Stunden zuvor ihr bis dahin letztes Vorrundenspiel gegen Weißrussland absolviert hatten? In der 47. Minute kam eine reichlich müde izlase, nach drei vergebenen Powerplays im ersten Drittel, endlich wieder in den Genuss einer Überzahlsituation. Doch was machte sie daraus! Eine volle Minute gelang es den vier auf dem Eis verbliebenen Schweizer Feldspielern, die Scheibe in ihren eigenen Reihen zu halten! Immerhin kam Guntis Galvins in der zweiten Hälfte des Powerplays zum Abschluss, traf aber nur den Pfosten.

Guntis Galvins auf dem Eis

Der Lette Guntis Galviņš, Foto: Vladislav Bezrukov auf lv.wikiipedia.org, Lizenz

 

Ein Weckruf für die Letten? Leider nicht. Sie mussten dieses Spiel unbedingt gewinnen, um noch das Viertelfinale zu erreichen. Eigentlich waren sie ja schon durch. Einen Sieg brauchten sie, um sicher zu gehen. Der sollte nach dem 1:4 gegen Russland und dem 1:3 gegen Weißrussland gegen die bereits ausgeschiedenen Schweizer eingefahren werden. Doch das einzige, was den Letten im letzten Abschnitt noch zu gelingen schien, war das Sammeln von Strafminuten. Innerhalb von viereinhalb Minuten mussten Georgijs Pujacs, Kaspars Daugavins und Ronalds Kenins nach Fouls vom Eis. Als letzterer von der Strafbank zurückkehrte, waren noch fünf Minuten zu spielen.

Dann traf Girgensons. 20 Sekunden zuvor hatte Trainer Ted Nolan das Time-out genommen, seinen Torwart vom Eis geholt und durch einen sechsten Feldspieler ersetzt. Die Maßnahme griff sofort. Jetzt brauchten die Letten ein weiteres Tor, um die Verlängerung zu erreichen, die sie durch einen sudden death-Treffer ebenfalls für sich entscheiden mussten. Plötzlich waren alle Rot-Weiß-Roten hellwach.

Daugavins kam zum Abschluss, Berra parierte - allerdings auf Kosten eines Bullys im Schweizer Verteidigungsdrittel. Darauf hatten die Letten gewartet. Wieder nahm Nolan seinen Goalie Gudlevskis vom Eis. Immerhin eine Minute und 45 Sekunden gewährte die Uhr noch. Doch was passierte? Lassen wir den Schweizer Kommentator zu Wort kommen: "Daugavins mit dem Puckverlust im Mittelfeld - Suri zieht Richtung Tor zusammen mit Rüfenacht, legt dann unnötigerweise noch nach vorne zu Rüfenacht, statt einfach den Puck ins leere Tor zu lupfen - der Puck prallt an den Pfosten - kein Tor! Was machte Suri da? Das Tor ist weg, Sotnieks und Rüfenacht fallen ins Tor. Unglaubliche Szene!"

Reto Berra auf dem Eis

Der schweizerische Torhüter Reto Berra, Foto: Simon Bohnenblust auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

Noch einmal erholten sich die Rot-Weiß-Roten von dem Schock. 56 Sekunden vor Schluss gab es endlich wieder ein Bully. Zum dritten Mal brachte Nolan für den Torhüter einen sechsten Feldspieler. Allein, es half nichts mehr. Lettland verlor die Partie mit 2:3 und schied als sechster der Vorrundengruppe B, noch hinter den Schweizern, aus dem WM-Turnier aus.

Stark angefangen, genauso stark nachgelassen: So lautet das Fazit der letzten anderthalb Wochen von Minsk. Es gab Licht und Schatten bei der izlase. Das Highlight war sicherlich das aufregende 6:5 über die USA. Auch der Sieg über Finnland war nicht schlecht! Unnötig erschienen die beiden Niederlagen gegen schwache Deutsche und zwar wesentlich bessere Schweizer, die sich freilich schon vom Turnier verabschiedet hatten. Dennoch müssen die lettischen Spieler und ihr Coach den Kopf nicht hängen lassen. Viel wichtiger in diesem Jahr war das Turnier der Winterolympiade in Sotschi, wo man das Viertelfinale erreichte. Auch da ging es im entscheidenden Spiel vor dem Erreichen der K.o.-Runde gegen die Eidgenossen, und man gewann. Was folgte, war jenes legendäre Spiel gegen Kanada. Und dieses grandiose Duell wird auch über das Jahr 2014 hinaus in Erinnerung bleiben. Nicht nur in Lettland, auch im Mutterland des Eishockeys!

 

 

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