logo
Münster, 24.4.2019
Unterbezahlt und überfordert: In Lettland fehlen medizinische Pflegekräfte PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 04. April 2019 um 14:32 Uhr

„Leggings sind keine Hose und die Krankenschwester ist kein Mensch“

Klinik GailezersEine der vielen Hiobsbotschaften über die medizinische Versorgung verbreitete Lsm.lv, die Webseite der staatlichen Medien, ausgerechnet am 1. April. Ihr Inhalt war für einen entsprechenden Scherz dieses Tages zu brisant: Nach sechs Jahren schloss im kurländischen Aizpute die Erste-Hilfe-Ambulanz, die vom Krankenhaus der 40 Kilometer entfernten Stadt Kuldiga (lsm.lv) betrieben wurde. Ein neues Gesetz der Regierung schreibt nun vor, dass in solchen Einrichtungen, die rund um die Uhr geöffnet sind, stets ein Arzt im Dienst anzutreffen sein muss. Das jedoch kann die Ambulanz von Aizpute wegen Personalmangels nicht leisten. Im letzten Jahr versorgten die Mediziner und Pflegekräfte im Gebäude an der Pils iela 3, das mit Geld aus dem EU-Fonds renoviert wurde, 900 Patienten der schrumpfenden Kleinstadt, die noch der Wohnort von etwa 4.300 Bürgerinnen und Bürgern ist. „Was ist hier nicht geschlossen? Geöffnet ist schon gar nichts mehr, nur geschlossen. Es scheint, dass es das war – den Jungen werden die Schuhe vor die Tür gestellt, die können hier nicht mehr existieren,“ sagte ein Bürger den Journalisten. Diese Meldung ist einerseits ein Beispiel für die miserable Situation lettischer Landgemeinden, die von Abwanderung besonders betroffen sind. Andererseits ist sie ein weiterer Beleg für die mangelhafte medizinische Versorgung, für die schon lange nicht mehr genügend Fachpersonal zur Verfügung steht. Lsm-Journalistin Aija Kinca und ihre Re:Baltica-Kollegin Liene Barisa-Sermule recherchierten den Mangel an Ärzten und Pflegekräften an staatlichen Einrichtungen und sie beschreiben den Mangel an Krankenschwestern als „katastrophal“ (lsm.lv). Sie ermittelten Gründe, die sich wechselseitig bedingen: Die niedrige Bezahlung macht Überstunden bzw. die Annahme von weiteren Stellen notwendig, so dass die Krankenschwestern kaum noch Freizeit und Erholung haben, also übermüdet und ausgebrannt sind. Das schlechte Gehalt vermittelt ihnen zudem geringe gesellschaftliche Anerkennung.

Auch dem Rigaer Krankenhaus Gailezers fehlt Pflegepersonal, Foto: mikroskops - Panoramio, CC BY-SA 3.0, Saite

Weiterlesen...
 
Lettland: Lehrer demonstrierten wieder einmal für bessere Gehälter PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 20. März 2019 um 16:38 Uhr

Regierung sucht mit „Optimierung und Effektivierung“ nach Geld für Lehrer

Lizda-Demo am 20.3.2019 vor der SaeimaLettlands Lehrerinnen und Lehrer protestierten am 20. März 2019 wieder einmal vor der Saeima, um an zugesagte Gehaltserhöhungen zu erinnern. Nach Informationen des Lettischen Radios folgten etwa 2000 Demonstranten dem Aufruf der Lettischen Gewerkschaft der Angestellten in Bildung und Wissenschaft (LIZDA). Mit Plakaten, die würdige Gehälter forderten, blauen Luftballons und Schildern, auf denen die Zahl „750“ zu lesen stand, hatten sich überwiegend Frauen vor dem Parlament versammelt. Die neu gebildete Regierung hatte im Februar angekündigt, dass die geplante Erhöhung des Mindestbrutto-Gehalts für Lehrer, die zum Beginn des nächsten Schuljahres vorgesehen war, nicht erfolgen werde, weil dafür im laufenden Budget kein Geld zu finden sei und man zunächst Reformen abwarten wolle. Die Vorgängerregierung hatte im letzten Jahr beschlossen, dass das minimale monatliche Bruttogehalt für eine Vollzeitstelle ab kommendem September von 710 auf 750 Euro erhöht werden sollte. Die Gewerkschafter verhandeln noch mit der Regierung, aber sie erwägen schon einen Streik. Ihre Forderung nach höheren Gehältern wird sowohl von der Vereinigung Lettischer Kommunen als auch von der EU-Kommission unterstützt.

LIZDA-Demo am 20.3.2019 vor der Saeima in Riga, Foto: LIZDA

Weiterlesen...
 
Etwa 12 Prozent der lettischen Bevölkerung erwägen Emigration PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 16. Februar 2019 um 00:00 Uhr

Unterschiedliche Einkommensverhältnisse spalten weiterhin die EU-Länder

Protest gegen Armut an einem Müllcontainer

Jedes Jahr ermitteln Lettlands staatliche Statistiker die Einkommens- und Lebensumstände der Bevölkerung. Seit Anfang Februar erheben sie die Daten für das Vorjahr. 8000 Haushalte werden nach dem Zufallsprinzip zur Befragung ausgewählt, um die Zahlen für 2018 zu erfassen. In einer Presseerklärung fasste Lettlands Statisches Zentralamt (CSP) die Zahlen des Jahres 2017 zusammen: Im Vergleich zu 2016 stieg das Einkommen pro Haushalt durchschnittlich um 11,8 Prozent und erreichte 489 Euro brutto pro Einwohner. Erwartungsgemäß war 2017 das Durchschnittseinkommen in Riga am höchsten (592 Euro) und in der Region Lettgallen am geringsten (330 Euro). Armutsgefährdet waren 23,3 Prozent, 446.000 Einwohner, denn sie verfügten über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens. Das größte Risiko zu verarmen und sozial ausgegrenzt zu werden tragen Familien mit mindestens drei Kindern, Erwerbslose und Rentner. 74 Prozent aller alleinstehenden Rentner waren 2017 arm oder armutsgefährdet. Auch wenn Lettlands Löhne steigen: Eine Annäherung an westeuropäisches Lohnniveau ist nicht erkennbar. Auf einer Konferenz zu Demographie und Migration nannte Demoskop Arnis Kaktins eine beachtliche Zahl: Seine Umfragen ergaben, dass seit fünf Jahren der Anteil jener Einwohner innerhalb der lettischen Bevölkerung, die zur Emigration bereit sind, unverändert bei zwölf Prozent liegt. Er prognostiziert, dass „die Emigration sich fortsetzen wird, die Menschen werden in den nächsten Jahren weiterhin in größerer Zahl wegfahren als in Lettland ankommen.“ (lsm.lv) Lettlands Bevölkerungssaldo ist chronisch negativ. Mehr Menschen sterben als geboren werden, mehr emigrieren als immigrieren. Ein Grund für die EU-Binnenmigration sind die ungleichen Einkommensverhältnisse, wie Eurostat-Statistiken zeigen.

"Wir gegen Armut" war auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zehn Jahren auf einem Müllcontainer in Riga zu lesen, Foto: LP

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 1 von 18

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||