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Münster, 23.4.2017
Erster Containerzug aus China erreicht Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 04. November 2016 um 17:40 Uhr

Chinesen sollen der lettischen Wirtschaft einen Schub geben

Containerzug aus ChinaYiwu, für chinesische Verhältnisse mit 700.000 Einwohnern eine Kleinstadt, ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Nähe Schanghais. Hier werden Container auf Waggons verladen, die eine lange Reise vor sich haben: Yiwu-Madrid ist mit etwa 13.000 Kilometern die längste Güterzugstrecke der Welt. Nun soll eine andere Route das Netz der "neuen Seidenstraße" erweitern. Am 5.11.2016 erreicht ein Containertestzug aus Yiwu den Rigaer Hauptbahnhof. Dort wird er feierlich empfangen werden. Er benötigte zwei Wochen, um den 11.066 Kilometer langen Weg zurückzulegen. Edvīns Bērziņš, Leiter der lettischen Eisenbahngesellschaft Latvijas Dzelzceļš, hofft, dass die zukünftige Frachtverbindung mit China Verluste kompensieren könnte. Denn die russische Bahngesellschaft Transneftj hatte am 12.9.2016 angekündigt, Lettland nicht mehr als Transitland für russisches Öl zu nutzen. Der weitaus längste Teil der Strecke Yiwu-Riga führt über russische Schienen. Politiker erhoffen sich einen Anschub für die lettische Wirtschaft.

Der Containerzug Yiwu-Riga, Foto: Latvijas Dzelzceļš

 

Lettisches Drehkreuz

Andrejs Pildegovičs, Staatssekretär im Verkehrsministerium, erläuterte im Interview mit dem Lettischen Radio am 4.11.2016 die Erwartungen von lettischer Seite. Sein Ministerium sieht Lettland als logistisches Drehkreuz. In Riga trifft die Fracht aus dem Fernen Osten ein, die dann bis nach Finnland im Norden und Griechenland im Süden weiter transportiert werden könnte. Die geplante Rail Baltica, der Schnellweg in westeuropäischer Spurbreite, der in einigen Jahren die baltischen Metropolen mit Warschau und Berlin verbinden soll, könnte den Frachtweg aus dem Osten gen Westen verlängern. Pildegovičs hofft, dass chinesisches Interesse für die neue Transportmöglichkeit der gesamten baltischen Region und Polen zugute komme. Doch er warnt vor übertriebenen Erwartungen. Die Chinesen seien sehr pragmatisch, kalkulierten jeden Cent. Bislang ist China für Lettland der zweitgrößte Handelspartner außerhalb der EU. Zwar seien laut lsm.lv die Exporte nach China mit 114 Millionen Euro im letzten Jahr noch vergleichsweise gering gewesen, doch Experten rechnen mit rasch steigenden Zahlen. Zunächst könnten lettische Holzverarbeiter ihre Produkte auf die Schiene verlagern. Bislang benutzen sie längere und langsame Schiffsrouten, um ihre Ware an chinesische Kunden zu liefern. Die lettische Handelsbilanz ist auch gegenüber China im Minus.

Chinesisch-lettische Delegation

Großer lettisch-chinesischer Bahnhof in Yiwu für die Abfahrt des ersten Containerzugs gen Riga am 20.10.2016, Foto: Latvijas Dzelzceļš

16+1 Gipfel

Seit einem Vierteljahrhundert pflegt das souveräne Lettland diplomatische Beziehungen zum bevölkerungsreichsten Land der Erde. Die Vertreter der lettischen Wirtschaft hoffen nun auf intensivere Zusammenarbeit. An diesem Wochenende, wenn der Zug erstmals Lettland erreicht, treffen sich in der lettischen Hauptstadt 862 Vertreter, davon 296 aus China, zum 16+1 Gipfel. 16 osteuropäische Regierungschefs werden in der lettischen Hauptstadt den chinesischen Premier Li Keqiang treffen. Zudem werden Delegationen aus Russland, Kasachstan, Großbritannien, Singapur, Frankreich, der Schweiz und Malaysia erwartet. Alle Nationen erhoffen sich größere Umsätze und eine Belebung der eigenen Wirtschaft. Andris Ozols, Leiter der Lettischen Investitions- und Entwicklungsagentur, nannte in der TV-Sendung Rīta Panorāma erste Verträge, die auf dem west-östlichen Gipfel vereinbart werden könnten: Um den Tourismus zu fördern, sollten Chinesen zukünftig ihre Kreditkarten in Lettland benutzen können und chinesische Visaanträge schneller bewilligt werden. Außerdem hofft Ozols auf umfangreichere Investitionen. Bislang investierten Chinesen in Restaurants und in lettische Häfen.

 

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