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Brandenburger schielen auf lettischen Raps PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Jens von Rauchhaupt   
Freitag, den 29. Dezember 2006 um 14:31 Uhr
Die Baltic Holding Company (BHC) hat ihre Ölmühle in Liepaja in Betrieb genommen. Tatsächlich gehört dieses Unternehmen inzwischen zu 71 Prozent der EOP Biodiesel AG mit Sitz im brandenburgischen Falkenhagen bei Pritzwalk. Die EOP Biodiesel AG befindet sich derzeit auf Expansionskurs und vergrößert mithilfe des lettischen Öls ihre Rohstoffbasis.
 
Das Rapsöl aus Lettland soll zukünftig in Falkenhagen zu Biodiesel umgewandelt werden. Mit einer neuen Multi-Feed-Stock-Anlage, die Anfang 2007 in Betrieb geht, will die EOP Biodiesel AG auch aus alternativen Rohstoffen wie Sojaöl, Palmöl oder Recycling Öle zu Biodiesel verarbeiten. Im Geschäftsjahr 2007/2008 will man die Produktion von 70 Tausend Tonnen auf  132.500 erhöhen. Teile des so gewonnenen Kraftstoffes will man dann wieder in das Baltikum exportieren sagt CEO Sven Schön gegenüber der Presseagentur DGAP.

Das hat Lettland auch bitter nötig. Zahlreiche lettische Landwirte haben die Zeichen der Zeit zwar bereits erkannt und setzen bei ihrer Feldfruchtauswahl stärker auf Raps. Aber immer mehr Abnehmer aus der EU wollen die Rapssaat in größeren Mengen aus Lettland beziehen. Selbst wenn die erwartete Durchschnittserträge auf 3,5 t je Hektar erhöhen werden könnten, würden die knapp 150 Tausend Hektar im günstigsten Fall nur gut 520 Tausend Tonnen Rapssaat hergeben, was wiederum auf rund 186 Tausend Tonnen Biodiesel hinauslaufen würde. Die rege Nachfrage aus dem Ausland wird das Angebot für den lokalen Markt deutlich geringer ausfallen lassen, was die Versorgung der geplanten Biodieselprojekte gefährdet.

Die Ölmühle in Liepaja hat eine Verarbeitungskapazität von zunächst 13 Tausend Tonnen Rapssaat im Jahr. Mit dem Anteilserwerb an BHC hat sich das deutsche Unternehmen zudem die Bezugsrechte an dem zukünftig in Liepaja produzierten Rapsöl (4.500 Tonnen jährlich) gesichert. Damit soll eine möglichst hohe Auslastung der Raffinationskapazitäten in den deutschen Produktionsstätten von EOP Biodiesel sichergestellt werden. Im Gegenzug wird die deutsche Firma Biodiesel nach Lettland liefern.

Auch das lettische Unternehmen BioVenta wird 2007 in der Hafenstadt Ventspils mit der Rapsverarbeitung beginnen. In naher Zukunft will man dort 300 Tausend Tonnen Raps im Jahr zu Öl und dann zu Diesel verarbeiten können. Daneben prüft die Firma Mezrozite in Brankas bei Jelgava neben Raps auch alternative Rohstoffe wie zum Beispiel Soja zur Biodieselherstellung zu nutzen. Wie die lettische Presseschau bereits in ihrer Ausgabe 59 berichtete, ist der Rapsanbau für die lettischen Landwirte deshalb so sinnvoll, weil das Nebenprodukt der Mühlen als günstiges Futtermittel verwendet werden kann und zudem ein Ersatz für den Anbau von Zuckerüben gefunden werden muss. Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion stand indes eine andere landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund: Vor allem Südlettland galt als Fleischkammer der russischen Metropolen Moskau und Sankt Petersburg. Zahlreiche leer stehende Viehställe und Futtertürme zeugen von dieser jüngeren landwirtschaftlichen Vergangenheit Lettlands. 
-JvR-


 
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