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Münster, 11.12.2017
Afrikanische Schweinepest in Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 19. Januar 2017 um 00:00 Uhr

Wieder wurden Schweine getötet, diesmal 5023

OhrblutungStaatliche Kontrolleure stellten am 13.1.2017 in einem Zuchtbetrieb erneut die afrikanische Schweinepest fest. Diesmal sind besonders viele Tiere einer Massenzucht betroffen. Etwa 2000 erwachsene Schweine und 3000 Ferkel wurden im Kreis Krimulda getötet, um die weitere Verbreitung der hochinfektiösen Seuche zu verhindern. Sie endet für Schweine meistens tödlich, ist aber für Menschen ungefährlich. 2014 kam die Seuche nach Lettland, zuerst überfiel sie Wildschweine, wenig später auch Hausschweine in den Viehställen. Am 17.1.2017 erklärten die Gemeinden von Krimulda, Adaži und Salaspils den Ausnahmezustand. Er wird bis zum 17.4.2017 in Kraft bleiben. In diesen Gebieten können Massenschlachtungen vorgenommen werden. Zudem gelten strikte Bestimmungen zur Viehhaltung und zum Transport von Schweinen und Fleisch.(zm.gov.lv) Die afrikanische Schweinepest wird seit 2014 in den baltischen Ländern und Ostpolen beobachtet. Trotz erfolgter Massenschlachtungen und Seuchenschutzbestimmungen wiederholen sich die Alarmmeldungen.

Ohrblutung als Symptom der afrikanischen Schweinepest, Foto: Gemeinfrei, Link

 

Scheiterhaufen ohne chemische Zusätze

103.500 Euro bezahlt die Regierung einer Tierkörperbeseitigungsanstalt in Limbaži, weitere 20.800 erhält eine Firma aus der Region Daugavpils, um Abfallprodukte der Tierleichen zu verbrennen. (lsm.lv) Falls die Kapazitäten nicht ausreichen, soll die betroffene Gemeinde die restlichen Kadaver auf Scheiterhaufen verbrennen. Landwirtschaftsminister Jānis Dūklavs hat sich mit dem Umweltminister über die Vernichtungsart abgestimmt: „Wir haben uns schon provisorisch geeinigt – wenn das mit Brennholz geschieht und dort nicht mit irgendwelchen zugefügten chemischen Mitteln, dann ist dies an dieser Stelle verträglich.“ Der betroffene Schweinehalter erhält mehrere hunderttausend Euro Kompensationszahlungen aus einem staatlichen Sonderfonds. Sie werden nach seinen Angaben den betriebswirtschaftlichen Verlust nicht ausgleichen. Dzintra Lejniece, Vorsitzende des Lettischen Schweinzüchterverbandes, nannte den neuesten Seuchenvorfall ein „schockierendes Ereignis“. Ihr Verband begreife nicht, wie es zu dieser Infektion kommen konnte. Der betroffene Betrieb habe der veterinärmedizinischen Sicherheit viel Aufmerksamkeit gewidmet. (lsm.lv) In den Gemeinden, die den Ausnahmezustand erklärten, dürfen Schweine oder Schweineteile nicht mehr transportiert werden. Ferkel und Säue dürfen die Ställe nicht verlassen und nicht in Kontakt mit Vögeln und streunenden Wildtieren kommen. Polizisten kontrollieren Tiertransporte. Māris Balodis, Leiter des Lebensmittel- und Veterinärdienstes (PVD) erklärt die einzelnen Maßnahmen. Um die betroffene Farm wird eine drei Kilometer große Schutzzone und eine zehn Kilometer große Beobachtungszone gezogen. Polizisten bewachten die Farm in der Zeit der Massenschlachtung. Sie kontrollierten auch die Straßen der Umgebung nach Vieh- und Fleischtransporten. Kunden, die Schweinefleisch in Supermärkten kauften, waren von dieser Aktion nicht betroffen.

Ferkelaufzucht in den 50er Jahren

Ferkelaufzucht in den 50er Jahren, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-13718-0005 / Junge, Peter Heinz / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Furcht vor Einschleppung

Die afrikanische Schweinepest ist für Hausschweine sehr gefährlich. Sie kann nicht nur von Tier zu Tier übertragen werden. Der Virus hält sich auch in Kleidung, Futtermitteln, Schlacht- und Speiseabfällen, in Gülle und Mist. Er haftet an landwirtschaftlichem Gerät und an Fahrzeugen. Der Mensch kann ihn mit schmutzigen Händen übertragen. Der Erreger kann in Fleisch und Fleischprodukten monatelang überleben. Deshalb warnen deutsche Ministerien Reisende davor, den Virus nach Deutschland einzuschleppen. „Eine mögliche Quelle für die Einschleppung der Krankheit nach Deutschland ist die Verfütterung oder der Kontakt zu nicht oder ungenügend erhitzten, virushaltigen Fleisch- oder Speiseabfällen (z. B. auch Schinken, Salami, etc.). Eine besondere Gefahr stellen hier Wildschweine dar, die sich z. B. an Mülltonnen bedienen und hier an Nahrungsmitteln aus Ländern kommen können, in denen Schweinepest vorkommt (Mülltonnen an Autobahnen oder in großen Städten),“ warnt beispielsweise das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (tierseucheninfo.niedersachsen.de). Ursprünglich stammt die Seuche aus Ländern südlich der Sahara. Diesen Virus verbreiten dort Warzenschweine als Wirtstiere, die selbst nicht erkranken. In Europa wurde die afrikanische Schweinepest erstmals 1974 in Frankreich und in späteren Jahren auch in Belgien, den Niederlanden, Spanien und Portugal beobachtet, doch sie blieb in diesen Ländern eine vorübergehende Erscheinung. 1978 wurde die Seuche nach Sardinien eingeschleppt und blieb dort bis heute virulent. Seit 2007 stellen Veterinäre diese Art der Schweinepest im Kaukasusgebiet und in Russland fest, 2014 erreichte sie die baltischen Länder. Bereits damals ließ Jānis Dūklavs 40.000 Schweine töten. Inzwischen wurde der größte Teil des Baltikums zu Schutz- oder Beobachtungszonen erklärt (vgl. Karte ec.europa.eu).

Intensivtierhaltung in Metallgestellen

Moderne Schweinehaltung mit Futteranlage, Foto: Maqi - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Das Elend der Nutztiere

Den betroffenen Schweinehalter plagen nun trotz der staatlichen Kompensationszahlungen finanzielle Sorgen. Unter anderem muss er einen Kredit finanzieren. Seine Viehställe habe er jüngst mit einem der besten veterinärmedizinischen Schutzsysteme ausgestattet, das Spezialisten aus anderen europäischen Ländern beispielhaft erschien. Diese Spezialisten dürften nicht von Tierschutzorganisationen stammen. Zu einem Interview mit Minister Dūklavs blendete die TV-Nachrichtensendung Panorama Bilder aus einer Schweinezucht ein: Intensivtierhaltung, in denen die Tiere in Metallgestellen gepfercht sind, in denen sie sich nicht bewegen können. Ob die Szenen aus dem betroffenen Betrieb stammen, ließ die Panorama-Redaktion unerwähnt (lsm.lv). Tierschützer machen die industrialisierte Massentierhaltung für Krankheit und Leid der sogenannten „Nutztiere“ verantwortlich: „Immer höhere Leistung, immer billigere Preise für Fleisch und andere tierische Produkte sowie kein ausreichender gesetzlicher Rahmen sind Ursache einer aus dem Ruder gelaufenen industriellen Landwirtschaft. Das System der herkömmlichen Intensivtierhaltung, die mit den Billigpreisen einhergeht, verhindert eine tiergerechte Haltung und führt zu massiven Tierschutzproblemen wie Verhaltensstörungen, Verletzungen und Krankheiten. Ein hoher Anteil des Tierleids ist durch den Gesetzgeber gedeckt.“ (tierschutzbund.de)

 

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