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Münster, 24.9.2017
Deutsche Bank macht mit lettischen Partnern keine Dollargeschäfte mehr PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 08. April 2017 um 00:00 Uhr

Kein Ruhmesblatt für den lettischen Finanzsektor

DollarschattenDie Deutsche Bank kündigte gemäß Berichten lettischer Medien vom 7.4.2017 an, bei Dollar-Transaktionen nicht mehr mit lettischen Banken zu kooperieren. Einen Grund für diese Entscheidung teilten die Frankfurter Manager nicht mit. Die lettische Bankenaufsicht beschwichtigt, es handele sich lediglich um einen Wechsel der Geschäftsstrategie. Doch lettische Geldinstitute stehen im Verdacht, für osteuropäische Kunden Geldwäsche zu betreiben.

Im Schatten des Dollars: Foto: Svilen.milev - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

 

Lettische Finanzaufsicht beschwichtigt

Die Deutsche Bank, die u.a. in New York vertreten ist, beendete bereits im letzten Jahr die Zusammenarbeit mit lettischen Geldhäusern (lsm.lv). Diese machen Geschäfte mit ausländischen Kunden aus Russland oder anderen GUS-Staaten. Die Deutschen kooperierten aber bei Dollartransaktionen weiterhin mit lettischen Filialen skandinavischer Kreditinstitute und der Citadele-Bank, die sich seit 2014 im Besitz von US-Investoren befindet. Doch nun wollen die Manager vom Main das Dollargeschäft mit ihren lettischen Kollegen ganz beenden. Die Nachrichtenagentur Leta erhielt von der Deutschen Bank keine Erklärung dazu. Die größte deutsche Geschäftsbank ist nicht die einzige, die sich weigert, den Letten Rubel oder andere Währungen in Dollar zu tauschen, auch JP Morgan und die Commerzbank zogen sich aus solchen Geschäften zurück. Laima Auza, Vertreterin der lettischen Bankenaufsicht FKTK, zeigte sich im Lettischen Radio dennoch gelassen (lsm.lv). Die Ankündigung der Deutschen sei keine Überraschung, die lettischen Geldinstitute seien darauf vorbereitet. Sie fügte nebulös hinzu, dass der Beschluss der Deutschen Bank mit einem Wechsel ihrer Geschäftsstrategie zusammenhänge. Für die Bankkunden sieht sie kaum Auswirkungen. Nur jene, die durch lettische Banken Dollartransaktionen vornehmen, müssten nun mit höheren Gebühren rechnen. Kritischer äußerte sich die Leiterin der lettischen SEB-Filiale, Ieva Tetere. Die Ereignisse der letzten Jahre hätten dem Ruf des lettischen Finanzsektors eher geschadet als genutzt. Die Entscheidung der Deutschen Bank sei ein Urteil über dessen Handlungen. Sie fordert Veränderungen, um zu einem besseren Ansehen zu gelangen. Lettische Banken stehen häufig in Verdacht,  Geldwäsche für osteuropäische Kunden zu betreiben. Die investigative Webseite rebaltica.lv listet Skandale der letzten Jahre auf (Re:Baltica auf YouTube). Lettland sei demnach ein Geldwäsche-Paradies für Unternehmer aus Russland, der Ukraine, Moldawien und anderen GUS-Staaten. So sollen beispielsweise lettische Banker dem ukrainischen Geschäftsmann und Nachwuchsmilliardär, Serhij Kurtschenko, geholfen haben, veruntreutes Geld auf sicheren Konten zu bunkern. Die Geschäftsbank AVLB wurde zu einer Geldstrafe von zwei Millionen Euro verurteilt, weil sie die Transaktionen ihrer moldawischen Kunden nicht überwacht hatte. Rebalticas Geldwäsche-Recherchen werden u.a. aus US-Quellen gesponsert. Die Medien-Berichte über den lettischen Finanzmarkt deuten auf den Druck hin, der aus den USA kommt. Im letzten Jahr wurden lettische Gesetze den US-Standards angepasst. So wolle man laut lsm.lv Geldwäsche und Terrorfinanzierung verhindern. Lettische Geldinstitute werden stärker kontrolliert, Experten aus den USA überprüften die Geschäfte von zwölf lettischen Banken. Die Furcht vor US-Gerichten dürfte die Deutsche Bank dazu bewogen haben, ihre Zusammenarbeit mit dem lettischen Finanzsektor zu beenden. Die Bank vom Main erwies sich in den letzten Jahren selbst als finanzielles Schmuddelkind. Sie muss sich nun für viele illegale Machenschaften vor Gerichten verantworten. Noch in diesem Januar wurde sie dazu verurteilt, Aufsichtsbehörden der USA und Großbritanniens insgesamt 587 Millionen zu zahlen. Sie hatte die Transaktionen ihrer russischen Kunden nicht beaufsichtigt, die mit Rubeln Aktien kauften, um sie noch am selben Tag gegen Dollar oder andere westliche Währungen zu verkaufen (n-tv.de). So sei Rubel-Schwarzgeld in Höhe von etwa 10 Milliarden Dollar gewaschen worden. Die stärkere Kontrolle des osteuropäischen Geldflusses ist für die lettische Volkswirtschaft eher von Nachteil. In den letzten Jahren werden Kapitalabfluss und verminderte Investitionen beobachtet.



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