logo
Münster, 20.10.2017
Lettland: Starkregen verursacht Ernteschäden PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 22. September 2017 um 08:44 Uhr

Traktoren bleiben im Schlamm stecken

Wolken über LettlandWährend 2017 in Südeuropa die Ernte auf den Feldern verdorrte, beklagen lettische Bauern die außergewöhnlich heftigen Regenfälle des Spätsommers. Ende August verwandelte Starkregen die Ackerflächen Lettlands Nordosten in Seengebiete. Mehr als 22.000 Hektar wurden überschwemmt. Die Pegel der Flüsse und Bäche stiegen an, Straßen und Höfe versanken im Wasser. In Rezekne fiel innerhalb von 32 Stunden 229 Prozent der Niederschlagsmenge, die für den Monat August üblich ist. Allein in Karsava an der russischen Grenze standen 1000 Hektar Ackerland unter Wasser. Ministerpräsident Maris Kucinskis traf sich mit den betroffenen Kommunalpolitikern und verkündete für Lettgallen und weitere Gebiete den Ausnahmezustand für die Landwirtschaft (lsm.lv). Die Gemeinden sollen so schneller die Reparatur an zerstörter Infrastruktur finanzieren können und Bauern ermöglicht es, mit Banken zu verhandeln und Kreditraten zu stunden. Zudem hoffen die Landwirte auf EU-Hilfe. Auch im September wechseln die goldenen Tage mit intensiven Regionperioden, so dass die gereiften Früchte zu feucht bleiben und im Boden verfaulen. Viele Felder gleichen Schlammbecken, in denen die Erntemaschinen im Morast stecken bleiben.

Dunkle Wolken über Lettland, Foto: LP

Die extremen Wetterlagen machen inzwischen der gesamten lettischen Landwirtschaft zu schaffen. Das Getreide ist zum Dreschen zu nass, Kohlköpfe verfaulen in Pfützen, die Wintersaat kann nicht ausgetragen werden. Die Bauern rechnen mit erheblichen Ernteausfällen.

Edite Strazdina, Vorsitzende der Agrarkooperative „Musmaja darzina“ beschrieb die Folgen in Kurland und Semgallen (lsm.lv). Dort sei es im August zu trocken gewesen, doch jetzt zur Erntezeit zu feucht und nass. Dagegen verzögerte in Vidzeme und Lettgallen zuviel Regen den ganzen Sommer über das Gedeihen. Nun sei das Einbringen der Ernte erschwert, man könne die Felder nicht mit Traktoren befahren, die Erntemaschinen zerstörten mehr, als dass sie ernteten. „Falls wir im August noch auf einen warmen und sonnigen September hofften, dann verschwinden derzeit alle unsere Hoffnungen,“ meint Strazdina.

Die lettgallischen Bauern, deren Ernte bereits im August im Wasser versank, hoffen auf Kompensationszahlungen aus Brüssel. Der Bauernverband „Semnieku saeima“ schätzt die Verluste auf insgesamt 50 bis 60 Millionen Euro (lsm.lv). Doch springt Brüssel nur ab einer gewissen Höhe ein, Lettland müsste eigentlich eine Schadenssumme von etwa 140 Millionen Euro erreichen. Da nur Bauern einer bestimmten Region betroffen sind, soll mit EU-Vertretern verhandelt werden.

Landwirte aus den 29 Gemeinden, in denen der Ausnahmezustand gilt, können an die landwirtschaftliche Behörde Kompensationsanträge stellen. Bislang sind über 850 davon eingegangen, weitere werden erwartet. Der lettische Landwirtschaftsminister Janis Duklavs will sich gemeinsam mit seinen estnischen und litauischen Kollegen an Brüssel wenden.

Nicht nur die Landwirte beklagen den Regen. Im kurländischen Aizpute (Hasenpoth) verwandelte er Mitte September den Bach Terba in einen reißenden Strom (lsm.lv). Helfer vermochten die Häuser der Anwohner mit Sandsäcken zu schützen. Nun plant die Kommune, die Schleuse des Mühlenteichs zu erneuern, um zukünftige Fluten besser zu beherrschen.

Der lausige Sommer dürfte Supermarktkunden höhere Lebensmittelpreise bescheren. Agrarexperte Maris Narvils spricht von einer Situation am Rande des Notstands (lsm.lv). Die Regenperioden ließen den Früchten keine Zeit, auf den Feldern zu trocknen, weder Gemüse noch Kartoffeln könnten derzeit geerntet werden. Wo Maschinen nicht eingesetzt werden können, müsse man die Ernte in Handarbeit versuchen.

 

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||