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Münster, 24.8.2017
Schwarzbrot und Kekse unterm Funkturm PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Jens von Rauchhaupt   
Samstag, den 20. Januar 2007 um 13:36 Uhr
Berliner FunkturmAlle Jahre wieder treffen sich Landwirtschaftsverbände, Nahrungsmittelhersteller und Lebensmittelhändler aus aller Herren Ländern zur internationalen grünen Woche in Berlin. Was einst im Jahre 1952 eher als Landwirtschaftsschau begann, ist nun das Kaleidoskop für das, was der europäische Verbraucher demnächst auf seinen Tisch bekommt. Aber die Grüne Woche ist inzwischen weit mehr als ein großes Fressen. Im Schatten des Berliner Funkturms stehen 26 Messehallen, die vom 19. bis zum 28 Januar die 400 Tausend  Fach- und Privatbesucher auch dazu einladen, Neues über effiziente Energienutzung, regenerative Energien, Gartenbau und Wellness zu erfahren. Die Weltneuheit schlechthin kommt aber aus Lettland.
 
Insgesamt stieg die Ausstellerzahl zum Vorjahr leicht auf 1605 Aussteller aus 56 Ländern. Laut Pressezentrum des Messeveranstalters Berliner Messe stammen ein Drittel der Aussteller aus Mittel- und Osteuropa. So hat Russland die Grüne Woche schon seit mehreren Jahren für sich entdeckt. Diese Nation stellt mit 27 Regionen aus allen Teilen des Landes erneut die größte internationale Beteiligung. In Halle 8 bekommt endlich der Lettland-Freund auf seine Kosten: Schwarzbrot,  Preiselbeeren in Puderzucker, ein Cesis Bier am Lido Stand, Schnaps, Kaffee oder frische Eier von echten Biohühnern. Lido,  DK Daugava, SIA Melna kafija; SIA Mandor Riga und SIA Paipalu ferma heißen die Hersteller, die auf der Grünen Woche  die lettische Fahne kulinarisch hochhalten.

Das gab es noch nie: Wachteleier-Kekse

Im vergangenen Jahr stellte die Paipal Farm aus Riga auf der Grünen Woche erstmals ihre besonders vitaminreichen Wachteleier vor. Aus Berlin nahmen Diana Altenhof und Aleksandrs Vette die Idee mit, diese auch zu leckerem Gepäck zu verarbeiten. Jetzt präsentieren sie das Resultat als Weltneuheit: Wachteleier-Kekse in den Geschmacksrichtungen Haferflocken, Sesam/Sonneblumenkerne, Bisquit und Mürbeteig mit Konfitüre. Die lettischen Aussteller hoffen nicht nur auf neue Exportverträge wie im Vorjahr, sondern werben auch für Urlaub auf dem Lande, so Andra Kalniete vom Lettischen Staatsinstitut für Agrarwirtschaft. Die lettische Tourismusindustrie erwartet wie seine baltischen Nachbarn für das Jahr 2007 einen wahren Boom.
 
 
Grünewoche07
Foto: Seehofer, Wowereit, Roze                                       
                                      
 
Lettland schwächer vertreten als noch im Vorjahr
Leider verzeichnet die Grüne Woche bei den lettischen Nahrungsmittelherstellern einen Rückgang von 13 auf nur noch 7 Aussteller in diesem Jahr. Das ist schade, schließlich braucht sich die lettische Nahrungsmittelindustrie im europäischen Vergleich nicht zu verstecken, aber Laima Schokolade wird der Besucher in Berlin vergeblich suchen. Ob dies mit dem Wurmbefall in Litauen zu tun hat, wo Serenade Schokolade kiloweise in den Abfall gelandet ist, wie die Baltic Times Anfang dieser Woche berichten musste?

Wohl kaum, schließlich war dies ein Lagerungsfehler der litauischen Rimi-Lebensmittelkette, die sich bei der Lagerhaltung angeblich all zu sehr auf die natürlichen Minustemperaturen Litauens verlassen wollte und nicht damit gerechnet hat, dass der Winter auch im Baltikum ausfällt. Es scheint eher, dass viele lettische Hersteller immer mehr auf die heimische September Messe RIGA Food setzen, eine Art Grüne Woche des Ostseeraumes mit attraktiven Ausstellerpreisen und der Gewissheit bei den Herstellern, dass ihrer Produkte grenznahe Abnehmer im Baltikum, Schweden, Polen und Weißrussland finden.

Abstecher
Wenn man in Deutschland  an einem 19. Januar bei offener Balkontür einen Artikel schreiben kann, bleibt einem das Münsteraner Malzbrot im Halse stecken. Wenn man das Gleiche – wenn es nicht gerade stürmt- in Riga tun kann, liegt einem schon der Kümmel vom Schwarzbrot quer. Wenn aber in Russland das Dreikönigsbaden ohne Eis stattfindet, ja dann wird gar der Wodka überflüssig. Da ist etwas faul, nicht nur im Staate Dänemark!

Einen leicht thematischen Abstecher machte auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in seiner Eröffnungsrede: „Ohne starke ländliche Räume wäre Europa nicht Europa. Eine Möglichkeit, deren wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, ist die Erzeugung von Energiepflanzen. Dadurch können die europäischen Landwirte marktgerecht produzieren und gleichzeitig helfen, dem Klimawandel entgegenzuwirken und die nachhaltige Energieversorgung zu sichern.“

Gut gebrüllt, doch fragt sich der Zuhörer wie die EU dies tatsächlich umsetzen will, wenn zum Beispiel halb Europa dem kleinen Lettland den Raps wegkauft. Die Energiewirtschaft ist ein Thema das jeden Europäer inzwischen aufhorchen lässt. Nicht nur die gestiegenen Gaspreise zwingen zum Umdenken. Die  Menschheit verändert mit ihrem Kohlendioxidausstoß nachweislich das Klima und nutzt die Energiequellen auch völlig ineffizient. Das predigt Umweltforscher Prof. Ernst Ulrich von Weizäcker schon seit Jahren wie etwa in seinem Bericht „Faktor vier - Doppelter Wohlstand - halbierter Verbrauch“: „Wir Menschen  wären weltweit doppelt so wohlhabend, wenn wir unsere zur Verfügung stehenden Ressourcen effizienter nutzen würden. Wir könnten energiesparende Häuser, Automobile und Glühbirnen herstellen, technisch kein Problem. Wir tun es einfach nur nicht.“ Das hat der Umweltwissenschaftler von Weizäcker 1995 behauptet, inzwischen meint er gar, dass eine Vervierfachung des Wohlstandes dank neuester Technologie möglich wäre. Neben der BerlinEnergy in Halle 4.2 findet die CLEAN ENERGY POWER® ab dem 24. Januar statt, die sich ausschließlich diesem „heißen“ Thema widmet und mit der 12 Euro teuren Tageskarte auch jedem Besucher der Grünen Woche offen steht.

VIP´s
Bei 250 geplanten Konferenzen zur Grünen Woche können sich die Wichtigen der Welt auch schon mal auf den Füßen stehen. Horst Seehofer, seines Zeichens Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat aber bereits am Eröffnungstag Meilen zurücklegen müssen. Angeblich war die mongolische Weißwurst für ihn die Entdeckung der diesjährigen Messe.  Da hatte der Minister wohl die lettischen Wachteleier-Kekse noch nicht entdeckt. Ob es da gar einen Zusammenhang zu der politischen Entwicklung in seiner bayrischen Heimat gibt? Wir wissen es nicht. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel erklärte indes in ihrer Eröffnungsrede, dass sich während ihrer EU-Ratspräsidentschaft vor allem für den Bürokratieabbau in der Landwirtschaft einsetzen will: „Wir brauchen Regeln, aber die müssen auch praktikabel sein“, sagte die Staatschefin. Gleichzeitig rief sie die Landwirte auf, sich den nötigen Reformen nicht zu versperren. Der Lettische Landwirtschaftsminister Martins Roze erschien ebenfalls mitsamt seiner Delegation in Berlin. Nach Beratungen mit seinen deutschen, schwedischen und norwegischen Kollegen eröffnete Roze ein wenig später den lettischen Stand in Halle 8.2.

-JvR-


 
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