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Münster, 16.7.2018
Lettland: ABLV-Aktionäre beantragen die Insolvenz PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 01. März 2018 um 05:26 Uhr

Folgen der Bankpleite noch nicht absehbar

ABLV-EingangsschildNachdem die US-Behörde FinCEN der ABLV u.a. vorgeworfen hatte, an der Finanzierung des nordkoreanischen Raketenprogramms beteiligt zu sein (LP: hier), will die drittgrößte lettische Bank nun einen Insolvenzantrag stellen. Die Bank verzeichnete nach eigenen Angaben einen Geldabfluss von 600 Millionen Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) erachtet die Rigaer ABLV-Zentrale und deren Luxemburger Filiale als "ausfallend" oder "wahrscheinlich ausfallend" und überlässt die Abwicklung den nationalen Finanzbehörden (bundesbank.de). Die lettische Finanzaufsicht FKTK begrenzte am 19. Februar 2018 die Geschäftstätigkeit der Bank (fktk.lv), deren Einlagen überwiegend von "Hochrisikoklienten" stammen, also von Kunden, die in Offshore-Geschäfte und Geldwäsche verwickelt sein könnten. Die Folgen für die lettische Wirtschaft sind noch nicht abzuschätzen.

Unauffälliges Eingangsschild der ABLV-Zentrale an einem Patrizierhaus in der Rigaer Elizabetes iela, Foto: LP

 

In einer Presseerklärung vom 24. Februar 2018 deutet die ABLV an, dass "politische Erwägungen" den Fortbestand des Geldinstituts verhinderten. Innerhalb von vier Tagen hätten die Banker 1,86 Milliarden Euro Geld aufgetrieben, u.a. hatten sie Wertpapiere an die lettische Zentralbank verpfändet. Nun könne man 86 Prozent der Einlagen absichern: "Das reichte vollkommen aus, um die Zahlungsgeschäfte der Bank wieder aufzunehmen und alle Kundenwünsche zu erfüllen, doch aus politischen Erwägungen wurde der Bank diese Möglichkeit nicht gegeben." (ablv.com) Deshalb beschlossen die Aktionäre am Montag, die Insolvenz zu beantragen. Für Kleinanleger - falls die ABLV überhaupt solche hat - besteht keine Gefahr, der lettische Einlagensicherungsfonds garantiert Konteneinlagen bis zu 100.000 Euro.

Das Geldinstitut hat Filialen in Russland und anderen GUS-Staaten, zudem in Zypern und Luxemburg, also in Ländern, die oftmals im Zusammenhang mit fragwürdigen Geldtransaktionen genannt werden. Obwohl manche Politiker und Experten sich nun erleichtert zeigen, dass eine Bank mit fragwürdiger Kundschaft die Pforten schließt, könnte die jüngste lettische Bankenpleite noch spürbare Konsequenzen haben.

Die ABLV weist eine Bilanzsumme von mehr als drei Milliarden Euro auf, das entspricht fast der Hälfte des lettischen Staatshaushalts. Aber Politiker und Behördensprecher beschwichtigen derzeit, eine Pleite werde das lettische Finanzsystem nicht erschüttern. Doch über erste Folgen für die Wirtschaft wird berichtet: Die Bank finanziert u.a. Bauprojekte im neuen Rigaer Hansa-Viertel. Auch die Kunstszene ist betroffen. Die ABLV Charitable Foundation plante bislang, ein Museum für zeitgenössische Kunst mitzufinanzieren, das 2021 eröffnet werden sollte (LP:hier). Mehr als 1000 Kunstwerke, die im Besitz dieses Fonds sind, könnten der lettischen Öffentlichkeit nun verlorengehen (lsm.lv).

Die lettische Finanzpolitik befindet sich in einer paradoxen Situation. Einerseits ist der Fiskus mit niedrigen Kapitalsteuern bestrebt, Geld auf lettische Konten zu locken, andererseits führte die verstärkte Kontrolle der Banken und Kunden dazu, dass in den letzten Jahren ausländische Anleger ihr Geld aus Lettland abzogen und Wirtschaftsexperten vor Kapitalabfluss warnen. Zudem zeigt sich nun das Verhängnis, wenn nicht der Staat, sondern private Sponsoren öffentliche Aufgaben finanzieren.

 

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